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Wohnkosten: Nicht nur Metropolen werden teurer

Nicht nur in den Metropolregionen, auch in vielen Großstädten und an begehrten mittleren Standorten wird das Wohnen teurer. Das ist ein Ergebnis des von Immobilienscout24 [1] herausgegebenen Erschwinglichkeitsindex (EIMX).

Neben Metropolen wie München und Hamburg weisen auch Standorte wie Wolfsburg und Regensburg deutlich gewachsene Wohnkosten auf.

Immobilienscout24 untersuchte für den Erschwinglichkeitsindex EIMX das regionale Verhältnis von Kaufkraft pro Haushalt und Wohnkosten in über 400 deutschen Städten und Kreisen.

Das Fazit: Auch in vielen mittelgroßen Städten muss für das Wohnen tief in die Tasche gegriffen werden. Bis zu 30 Prozent des Nettoeinkommens müssen für Wohnkosten veranschlagt werden.

Hochpreisige Metropolen

In Großstädten und Metropolregionen ist der Wohnkostenanteil – also die „kalten“ Immobilienkosten ohne Nebenkosten – gemessen an der Kaufkraft je Haushalt erwartungsgemäß am höchsten. Dies trifft laut Immobilienscout24 vor allem auf Städte im süddeutschen Raum zu, aber auch auf Hamburg, Berlin und Jena. Zwischen 21 und rund 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens müssten für das Dach über dem Kopf ausgegeben werden.

„Städte wie München, Hamburg, aber auch Jena und Würzburg prosperieren wirtschaftlich, haben eine große Anziehungskraft durch Universitäten und insgesamt eine hohe Lebensqualität. Sie haben in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich an Bevölkerung gewonnen, wodurch die Nachfrage nach Wohnraum zugenommen hat“, so Michael Kiefer, Chefanalyst von Immobilienscout24. „Ein vergleichsweise knapper werdendes Angebot auf dem Immobilienmarkt – vor allem in den begehrten innerstädtischen Lagen – trifft auf eine wachsende Nachfrage. Steigende Miet- und Kaufpreise sind die Folge.“

Die Kaufkraft der Stadtbewohner sei zwar im Vergleich zum ländlichen Raum deutlich höher, aber die Haushaltseinkommen seien im Vergleich zu den Immobilienpreisen in den vergangenen Jahren geringer gestiegen. Mit bis zu 30 Prozent des Nettoeinkommens müsse ein immer größerer Anteil des Haushaltseinkommens für die reinen Wohnkosten aufgebracht werden.

Freiburg, München und Heidelberg am teuersten

Wie auch in der Auswertung aus 2013 liegen laut Immobilienscout24 Freiburg im Breisgau, München und Heidelberg auf den ersten drei Plätzen. Neu sei, dass Regensburg aufgeholt habe und von Platz neun auf Platz vier vorgerückt sei und nun vor Frankfurt am Main liege. Der Wohnkostenanteil macht dort den Angaben zufolge 22 Prozent des Einkommens aus.

Tabelle: Deutsche Städte mit dem höchsten Wohnkostenanteil (zum Vergrößern bitte auf die Tabelle klicken)

 

Seite 2: Kosten an Hochschul- und Industriestandorten ziehen an [2]

Am niedrigsten liegt der Wohnkostenanteil nach den Ergebnissen des EIMX in ländlichen Regionen und peripheren Lagen in Niedersachsen, dem nördlichen Nordrhein-Westfalen, dem nördlichen Hessen und dem östlichen Teil Bayerns. Dort liege dieser Wert deutlich unter zehn Prozent.

In diesen Regionen sei die wirtschaftliche Dynamik gering und der demographische Wandel habe bereits eingesetzt. Rückläufige Bevölkerungszahlen führen laut Immobilienscout24 zu einer Preisstagnation.

Stärkster Zuwachs in Wolfsburg

Die stärkste Veränderung beim Wohnkostenanteil verbuchte von 2011 zu 2013 den Angaben zufolge Wolfsburg (plus 2,4 Prozent). Auch Kassel kommt mit plus 1,2 Prozent unter die vier Standorte mit der höchsten Veränderung.

„Wolfsburg und Kassel sind Automobil- beziehungsweise Industrie-Standorte, die in den vergangen Jahren von der positiven Exportwirtschaft besonders profitiert haben. Sie üben daher auf Arbeitnehmer eine große Anziehungskraft aus. Zudem haben die geringen Zinsen in den angespannten Märkten in den vergangenen Jahren zu einer erhöhten Nachfrage nach Wohneigentum geführt, die zu deutlichen Preissteigerungen in diesem Marktsegment beigetragen hat“, erläutert Kiefer.

Hochschulstandorte im Aufwärtstrend

Starke Zuwächse wurden zudem in Augsburg, Erlangen, Berlin, Braunschweig und Ingolstadt festgestellt. “Sie sind allesamt Hochschulstandorte oder befinden sich in ,Pendlernähe’ zu Großstädten. Augsburg ist beispielsweise nicht weit entfernt von München. Aufgrund der steigenden Mieten in der bayerischen Landeshauptstadt weichen Städter auf das nahegelegene Augsburg aus. In Folge dessen kommt es aufgrund der höheren Nachfrage auch dort zu Wohnraumverknappung und steigenden Preisen”, kommentiert Kiefer.

Immobilienscout24 analysiert mit dem Erschwinglichkeitsindex EIMX das regionale Verhältnis von Kaufkraft pro Haushalt und Wohnkosten. Die Analyse wurde erstmals im vergangenen Jahr für den Auswertungszeitraum 2007 bis 2012 durchgeführt. Die aktuell ausgewerteten Daten stammen aus dem Jahr 2013. (bk)

Foto: Shutterstock