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“Entwicklung hin zur Profi-Pflege in Pflegeheimen”

Die INP Holding AG, Hamburg, hat ihren ersten KAGB-Fonds gestartet. Cash. sprach darüber mit Vorstand Oliver Harms.

“Wichtig ist festzuhalten, dass beide Betreuungsformen – ambulante und stationäre Pflege – für die Zukunft ihre Berechtigung haben, um der prognostizierten Anzahl von fast 3,5 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2030 Herr zu werden.”

Cash.: Welche Erfahrungen haben Sie bei der Auflage ihres ersten KAGB [1]-konformen Fonds gesammelt, insbesondere im Genehmigungsverfahren bei der BaFin [2]?

Harms: Grundsätzlich können wir auf eine kooperative Zusammenarbeit im Rahmen des Verfahrens mit der BaFin zurückblicken. Insbesondere die Gestaltung der Anlagebedingungen und auch die modifizierte Prospektgestaltung waren das Ergebnis einer engen Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde.

Sie haben bereits frühzeitig eine eigene KVG gegründet. Warum kam die Gründung einer Service-KVG für Ihr Haus nicht in Betracht?

Zum Zeitpunkt unserer Entscheidung war die Landschaft der Service-KVGs noch unübersichtlich, und insofern war unser Handeln eher von Dynamik getrieben, um den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen begegnen zu können. Einziger Kompromiss war es für uns, das Verfahren in zwei Schritte zu teilen: zunächst die registrierte KVG und jetzt zum Juni der Lizenzantrag.

In der jüngeren Vergangenheit wurde vereinzelt angezweifelt, dass eine Investition in Pflegeimmobilien rentabel ist. Die Argumente: Medizinischer Fortschritt und gesündere Lebensweise würden dafür sorgen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen nicht wesentlich steigt. Auch werde die Betreuung zu Hause immer wichtiger. Sind solche Bedenken berechtigt?

Wichtig ist festzuhalten, dass beide Betreuungsformen – ambulante und stationäre Pflege – für die Zukunft ihre Berechtigung haben, um der prognostizierten Anzahl von fast 3,5 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2030 Herr zu werden. Tatsache ist, dass die Menschen immer älter werden. Von der zunehmenden Pflegebedürftigkeit [3] ist vor allem die Altersgruppe ab 80 Jahren betroffen.

In den vergangenen Jahren zeigt sich eine deutliche Entwicklung hin zur professionellen Pflege in Pflegeheimen. Der Grund hierfür ist zum einen die zunehmende Schwere der Pflegebedürftigkeit infolge der steigenden Zahl Hoch- und Höchstbetagter sowie die heutigen veränderten Familienstrukturen, die eine häusliche Betreuung oftmals erschweren oder gar unmöglich machen.

Bei Pflegeimmobilien sind viele sozial- und baurechtliche Vorschriften zu beachten. Überfordert das erforderliche Fachwissen Vermittler und Anleger?

Ich denke nicht, denn für diese speziellen Themenbereiche, die in der Tat Fachwissen und Erfahrung voraussetzen, sind ja wir als Asset Manager der Immobilien eingebunden. Unsere Leistungsbilanz bestätigt unser erfolgreiches Handeln, da wir in aktuell 20 Fonds nahezu keine Leistungsstörung verzeichnen.

Seite zwei: Die Zukunft der Pflege [4]Ihr neuer Fonds investiert in eine stationäre Pflegeimmobilie [5] in Nordrhein-Westfalen. Wird die stationäre Pflege künftig das gefragteste Pflegekonzept sein oder werden Mischformen aus stationärer Pflege, betreutem Wohnen oder Tagespflege an Bedeutung gewinnen?

Grundsätzlich liegt die Zukunft in modernen, zeitgemäßen und vor allem bedarfsgerechten Einrichtungen. Hierbei sind das Verhältnis von Einzelzimmer zu Doppelzimmer, effiziente Aufteilung von Verkehrsflächen und vor allem die Standortfrage wichtige Parameter. Der angesprochene Mix von Pflegeformen kann zusätzlich für einen Standort prosperierend wirken.

Laut einer Studie von Ernst & Young wird bis 2020 jedes siebte Pflegeheim vom Markt verschwinden. Ist die Pflegebranche besonders insolvenzgefährdet?

Es muss deutlich zwischen Pflegeheiminsolvenz und Betreiberinsolvenz unterschieden werden. Grundsätzlich sollten die Einrichtungen für die Zukunft gewappnet sein. Insofern sind vollstationäre Pflegeeinrichtungen unter 80 Betten mit einem hohen Mehrbettenanteil pro Zimmer in der Tat gefährdet, eine langfristig nachhaltige Auslastung zu erwirtschaften. Der Anteil an zu revitalisierenden Pflegeeinrichtungen ist zurzeit immens.

Insbesondere Baujahre von 1960 bis 1990 stehen hier im Feuer, wenn sie nicht den Anforderungen der heutigen Pflegewelt entsprechen. Im Rahmen der Standortauswahl ist ein umfangreiches detailliertes Ankaufsprofil unser Wegbegleiter, und neben einer technischen und wirtschaftlichen Due Diligence holen wir auch zu jedem Standort ein Bedarfsgutachten ein.

Im vergangenen Jahr haben Sie Ihren ersten Kita-Fonds [6] platziert. Was waren die ausschlaggebenden Gründe, in diesen Immobiliensektor zu expandieren?

Die Investmentparameter zur Pflege sind vergleichbar. Langfristige Pachtverträge, sozialer Zweck und ein überschaubarer Markt, den wir seit Jahren begleiten.

Woher stammt das Fachwissen für Kitas?

Das Fachwissen für den Betrieb einer Kita sowie für Betreuungs- und Erziehungsthemen sollte der professionelle Betreiber mitbringen. Wir kennen uns mit der Immobilie, dem Gesamtmarkt und den Mechanismen aus; analog zu unserer Tätigkeit bei den Pflegeimmobilien. Unsere Leistungsbilanz bestätigt auch das, da wir zwei Kita-Fonds mit drei Objekten bereits im Portfolio betreuen.

Pflege oder Kitas – In welchen Bereichen wollen Sie künftig den Schwerpunkt setzen?

INP ist Asset Manager von Sozialimmobilien, somit passen Pflegeimmobilien, Kitas oder Ärztehäuser in unseren Investitionsfokus.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: INP