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Immobilienpolicen: Das richtige Maß

Immobilienpolicen schützen Hausbesitzer im Fall eines Unwetters vor finanziellen Verlusten. Um weder unter- noch überversichert zu sein, sollten sie den Wert ihres Eigentums genau kennen.

Wasser, soweit das Auge reicht: Nach tagelangen Regenfällen stieg die Elbe im Sommer 2002 über die Ufer und überflutete Häuser.

Vielen Deutschen ist bereits aufgefallen, dass schwere Unwetter häufiger über die Bundesrepublik hinwegziehen als noch vor einigen Jahren.

Viele Schadenmeldungen

Immer wieder sehen sie im Fernsehen umgeknickte Bäume, kaputte Häuser und überschwemmte Straßen. Ende März wütete das Orkantief “Niklas” [1].

Der letzte Sturm des Winters 2014/2015 war laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Berlin, zugleich der heftigste.

Fast im ganzen Bundesgebiet wurden schwere Sturmböen registriert, an der Nordsee erreichten die Windböen 140 Stundenkilometer, auf der Zugspitze wurden sogar 192 Stundenkilometer gemessen. Die Gewalt des Sturms drückt sich auch in den Schadenmeldungen aus, die nach dem Sturm bei den Versicherern eingegangen sind.

“Mit Schäden in Höhe von 750 Millionen Euro war ‚Niklas‘ einer der schwersten Orkane der vergangenen Jahre”, sagt Dr. Bernhard Gause, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des GDV. Der Sturm richtete vor allem Schäden an Gebäuden an. Kraftfahrzeuge waren weitaus weniger betroffen.

Tornados in Deutschland?

“Niklas” ist längst nicht der einzige seiner Art: Im Mai fegte ein weiterer schwerer Sturm mit bis zu 250 Stundenkilometern über Bayern hinweg und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Besonders schwer betroffen war der Landkreis Aichach-Friedberg bei Augsburg. Viele Gebäude sind dort nach wie vor unbewohnbar, manche sogar einsturzgefährdet.

Ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes meinte, es habe sich um einen Tornado gehandelt. Alle Indizien, vor allem die kurze Dauer des Sturms, sprächen dafür.

Ein Tornado in der Bundesrepublik? Windhosen kennen die Deutschen eigentlich nur aus US-Katastrophenmeldungen. Seit einigen Jahren treten sie jedoch auch häufiger in Mitteleuropa auf, Tendenz weiter steigend.

Seite zwei: Weitere Gefahren für Haus und Hof [2]Eine im Jahr 2010 veröffentlichte Studie von Versicherern und Klimaforschern prognostiziert, dass Sturmschäden bis zum Jahr 2100 um mehr als 50 Prozent zunehmen könnten. Besonders gefährliche Stürme mit einer Intensität, wie sie heute alle 50 Jahre vorkommt, könnten künftig alle zehn Jahre eintreten.

Weitere Gefahren für Haus und Hof

Immobilieneigentümer [3] sollten Haus und Hof dementsprechend gut versichern. “Ein umfangreicher Versicherungsschutz ist wichtig. Nichts ist schlimmer, als wenn man erst im Schadenfall erfährt, dass der Schaden nicht versichert ist, aber hätte versichert werden können”, sagt Michael Galuba, Abteilungsleiter Sach, Haftpflicht [4] und Unfall [5] bei der in Hannover ansässigen VHV Versicherung.

Bei der Wahl der Policen sollten Immobilieneigentümer nicht nur Naturkatastrophen [6] berücksichtigen, denn es gibt viele weitere Gefahren für Haus und Hof. Vor Einbrüchen beispielsweise ist auch niemand gefeit.

Die Zahl registrierter Fälle ist im vergangenen Jahr laut dem Einbruch-Report 2015 des GDV mit 150.000 im Vergleich zum Vorjahr unverändert hoch geblieben. Die Versicherer haben zusammen 490 Millionen Euro geleistet – zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Damit haben die Schäden in den vergangenen fünf Jahren um 35 Prozent zugenommen.

Police deckt Wiederbeschaffungspreis

Werden bewegliche Einrichtungsgegenstände gestohlen oder durch Feuer oder Leitungswasser zerstört, greift die Hausratversicherung. Die Police deckt in aller Regel den Wiederbeschaffungspreis. Das muss nicht unbedingt der Kaufpreis sein. Versicherte erhalten so viel Geld, dass sie sich einen gleichwertigen Gegenstand zu heutigen Preisen kaufen können.

Seite drei: Wohngebäudepolicen decken nicht alle Risiken ab [7]Für beschädigtes Inventar überweisen die Assekuranzen die Reparaturkosten. Sind Gegenstände beschädigt, aber noch nutzbar, wird die Wertminderung erstattet. Wird fest eingebautes Inventar zerstört, übernimmt nicht die Hausrat-, sondern die Wohngebäudeversicherung [8] den Schaden.

Wohngebäudepolicen: Nicht alle Risiken abgedeckt

Versichert sind Stürme ab Windstärke acht (rund 62 Stundenkilometer), Feuer, Explosionen, Blitze, Hagel [9], Leitungswasser und Überspannung. Die Assekuranzen übernehmen in der Regel auch die Kosten der Absicherung des Gebäudes, der Aufräumarbeiten und des Abbruchs.

Wird ein Haus komplett zerstört, errichtet die Versicherung es laut GDV zum marktüblichen Preisen neu – inklusive der Architekten-, Konstruktions-, und Planungskosten.

Hausbesitzer sollten bedenken, dass Wohngebäudeversicherungen nicht alle Naturkatastrophen abdecken. Wird ein Haus beispielsweise durch Hochwasser beschädigt, greifen sie nicht. In dem Fall hilft eine Elementarschadenpolice.

Je nach Vertrag sind zudem auch Schneedruck, Lawinen, Erdsenkungen und Beben versichert. Elementarschadenpolicen werden häufig als Teil einer Wohngebäude- oder Hausratversicherung [10] angeboten. Das sollten Eigentümer jedoch genau prüfen. (st)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 8/2015 [11].

Foto: Shutterstock