- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

KfW-Programm ‚Energieeffizient Bauen‘: Erneuerung der Förderstandards

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist gerade dabei, ihre Förderprogramme umzubauen. Wer neu baut und seinen Förderantrag ab April 2016 einreicht, muss sich auf Änderungen gefasst machen.

Gastbeitrag von Bernd Schatz, Finanzkanzlei am See

“Wer die Neubauförderung zukünftig erhalten will, muss bald noch energieeffizienter bauen.”

Ausgangslage

Derzeit können neu gebaute Wohnhäuser mit 50.000 Euro je Wohneinheit zinsgünstig über KfW-Darlehen [1] gefördert werden. Hierbei werden die drei Standards KfW70, KfW55 und KfW40 unterschieden.

Die Zahl nach dem Begriff KfW-Effizienzhaus gibt an, wie hoch der Jahresprimärenergiebedarf in Relation (Prozent) zu einem vergleichbaren Neubau, nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (ENeV), sein darf. Ein KfW-Effizienzhaus 70 hat zum Beispiel höchstens 70 Prozent des Energiebedarfs des entsprechenden Referenzgebäudes.

Je kleiner die Zahl, desto niedriger und besser ist das Energieniveau.

Neue Förderstufen

Ab April 2016 entfällt das beliebte KfW-Energieeffizienzhaus 70. Grund hierfür ist, dass dann das Neubauniveau auf 75 Prozent des Referenzgebäudes sinkt. Somit würde das Energieeffizienzhaus 70 nahezu dem gesetzlichen Standard entsprechen und die Vergabe hätte quasi keine Anreizfunktion mehr.

Ein neuer Förderstandard rückt dafür nach, das KfW-Effizienzhaus 40 Plus.

Für die Förderung des neuen ‚40 Plus‘ Standards müssen zunächst die bekannten Anforderungen an das KfW-Effizienzhaus 40 erfüllt werden. Als zusätzliche Anforderungen sehen die Merkblätter ein ‚Plus Paket‘ mit folgenden Komponenten vor:

-> Eine stromerzeugende Anlage auf Basis erneuerbarer Energien
-> 
Ein stationäres Batteriespeichersystem (Stromspeicher)
-> 
Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
-> 
Die Visualisierung von Stromerzeugung und Stromverbrauch über ein entsprechendes Benutzerinterface

Seite zwei:  Langfristig sparen [2]

Des Weiteren wird die KfW bei der Förderung die Konditionen deutlich nachbessern. Ab April kann pro Wohneinheit ein Kreditbetrag von 100.000 Euro abgerufen werden. Zudem wird die KfW den Kredit auch mit 20-jähriger Zinsbindung [3] anbieten, bisher war dies nur bis zehn Jahre möglich.

Die Förderung für ein KfW-Effizienzhaus 55 zu bekommen wird auf Grund eines neuen Nachweisverfahrens zukünftig einfacher. Und auch die energetische Fachplanung durch einen Energieberater wird ab April 2016 über das Programm ‚Energieeffizient Bauen und Sanieren – Baubegleitung‘ gefördert. Die KfW übernimmt hier 50 Prozent der Kosten bis maximal 4.000 Euro, dies war bisher nur im Sanierungsbereich möglich.

Fazit

Wer die Neubauförderung [4] zukünftig erhalten will, muss also bald noch energieeffizienter bauen. Energieeffizienter heißt aber nicht nur teurer, denn durch die niedrigeren Energiekosten kann langfristig gespart werden.

Egal ob vor oder nach April 2016, die Förderung von der KfW lohnt sich. Neben den günstigen Kreditzinsen gibt es zusätzlich noch Tilgungszuschüsse. Für ein Effizienzhaus 55 momentan bis zu 2.500 Euro (5 Prozent), für ein Effizienzhaus 40 bis zu 5.000 Euro (10 Prozent) je Wohneinheit, welche die KfW erlässt.

Da die Tilgungszuschüsse zukünftig nicht mehr in den Merkblättern der KfW ausgewiesen werden, hat diese die Möglichkeit sie kurzfristig der aktuellen Fördersituation anzupassen. Somit dürfen wir davon ausgehen, dass die Tilgungszuschüsse ab April 2016 öfter aktualisiert werden.

Bernd Schatz ist Geschäftsführer der Finanzkanzlei am See GmbH, Überlingen/Bodensee.

Foto: Finanzkanzlei am See