- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Mietpreisbremse trifft die Falschen

Die Mietpreisbremse soll Mieter in angespannten Wohnungsmärkten entlasten. Den Preis werden jedoch vor allem private Anleger zahlen – für sie könnten sich direkte Immobilienanlagen schon bald nicht mehr lohnen. Schon jetzt erzielen Privatvermieter vielfach nur geringe Renditen mit ihren Wohnungen.

Gastbeitrag von Thomas Meyer, Wertgrund Immobilien AG

Thomas Meyer: “Mietpreisbremse schadet sowohl Vermietern als auch Mietern.”

Gerade private Anleger haben in dem günstigen Zinsumfeld der vergangenen Jahre kräftig in Immobilien investiert. Betongold gilt als langfristiges Investment und sichere Altersvorsorge. Spekulative Geschäfte mit Wohnungen finden unter Privatanlegern praktisch nicht statt.

Zusatzbelastungen für Privatvermieter

Tritt das Gesetz zur Mietpreisbremse [1] in Kraft, soll die Miete in den entsprechenden Gebieten nach einem Wohnungswechsel nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen. In Immobilien, in denen die Mieten diesen Wert bereits überschritten haben, kann die Miete in der Folge nicht weiter erhöht werden. Die Renditen für Vermieter werden sinken.

Niedrige Renditen

Das Problem: Schon heute erwirtschaften private Vermieter – die einen großen Anteil der rund sieben Millionen Vermieter in Deutschland ausmachen – deutlich niedrigere Renditen als Institutionelle. In den vergangenen zehn Jahren haben private Anleger mit ihren Immobilien durchschnittlich nur zwischen zwei und drei Prozent Rendite brutto pro Jahr erzielt. Das hat eine Studie vom Deutschen Institut der Wirtschaft ergeben.

Der Studie zufolge liegen zudem die Renditen von mehr als 50 Prozent aller privaten Immobilieninvestitionen noch unterhalb der Inflation. Die Wohnungseigentümer [2] erzielen somit keinen Gewinn. Tritt die Mietpreisbremse in Kraft, dürften diesen Vermietern Einnahmen in Millionenhöhe entgehen. Laut Gesetzesentwurf sind das schätzungsweise 309 Millionen Euro jährlich – allein durch Mindereinahmen und den zusätzlichen bürokratischen Mehraufwand für die Feststellung der zulässigen Miete.

Seite zwei: Bestellerprinzip verursacht Zusatzkosten [3]Bestellerprinzip verursacht Zusatzkosten

Mit der Mietpreisbremse soll auch das sogenannte “Bestellerprinzip” [4] in Kraft treten. Es besagt, dass Makler zukünftig von demjenigen bezahlt werden müssen, der ihre Vermittlungsdienste in Auftrag gegeben hat. Nach dem Gesetzentwurf ist das fast immer der Vermieter. Muss er den Makler bezahlen oder selbst nach einem Mieter suchen, entstehen ihm zusätzliche Kosten. Diese werden von der Regierung auf rund 214 Millionen Euro im Jahr geschätzt.

Zusammen belaufen sich die Mindereinnahmen aus Mietpreisbremse und “Bestellerprinzip” [5] auf knapp eine halbe Milliarde Euro jährlich. Der Anteil der Privatvermieter, die entweder keine oder negative Renditen erwirtschaften, wird also weiter steigen. Zudem wird Wohneigentum als Kapitalanlage für private Anleger weniger attraktiv werden.

Gut gemeint, schlecht umgesetzt

Das Gesetz zur Mietpreisbremse [6], das Verbraucher schützen soll, trifft private Anleger – also wiederum Verbraucher. Ein weitere negative Folge: Da sie ohnehin geringere Renditen erwirtschaften, werden sie zudem weniger in den Bestand investieren: Sanierte Wohnungen werden zur Mangelware. Langfristig schadet die Mietpreisbremse also sowohl Vermietern als auch Mietern.

Autor Thomas Meyer ist Vorstandsvorsitzender der Wertgrund Immobilien AG, Starnberg

Foto: Wertgrund Immobilien