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Kreditrichtlinie erschwert Immobilienerwerb für Ausländer in Deutschland

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie führt dazu, dass Banken die Bonität eines Kreditnehmers gründlicher prüfen müssen. Zudem enthält sie Regelungen, die es nach Aussage der Kanzlei Bottermann Khorrami für Käufer aus EU-Ländern ohne Euro fast unmöglich machen, ein Darlehen zu erhalten.

 

 

Am 21. März 2016 wurde in Deutschland die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie [1] in nationales Recht umgesetzt.
Das Gesetz reguliert die Darlehensvergabe an private Wohnungskäufer deutlich stärker als in der Vergangenheit.

Große Probleme für Käufer aus EU-Ländern ohne Euro

Im Kern verpflichtet das Regelwerk Banken und Kreditinstitute zu einer gründlicheren Prüfung der Bonität [2] privater Kreditnehmer. 

Für Darlehensnehmer aus dem EU-Ausland enthält das Gesetz nach Aussage der Kanzlei Bottermann Khorrami allerdings Bestimmungen, die es künftig sehr schwer machten, einen Kredit für einen Wohnimmobilienerwerb in Deutschland zu bekommen.

„Betroffen sind jene ausländischen Privatkäufer, die aus der EU, nicht aber aus dem Euro-Raum kommen – also beispielsweise Briten, Polen, Schweden, Tschechen und Dänen“, erläutert Uwe Bottermann, Rechtsanwalt und Partner bei der Berliner Kanzlei Bottermann Khorrami, die auf die Beratung ausländischer Käufer von deutschen Immobilien spezialisiert ist. 

Bislang hätten diese Käufer relativ problemlos bei einer deutschen Bank ein Darlehen aufnehmen können.

Banken scheuen das Risiko

Mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie sollen sie künftig vor Währungsschwankungen geschützt werden: Wenn sich der Wechselkurs von Kreditwährung, also Euro, und der Währung des Heimatlandes um mehr als 20 Prozent zuungunsten des Darlehensnehmers verschiebt, hat dieser einen Anspruch auf Umwandlung des Kredits in seine jeweilige Heimatwährung.

„Aus Sicht der Bank bedeutet das ein kaum kalkulierbares Risiko. Denn schließlich möchte die Bank keinen Fremdwährungskredit in ihren Büchern haben“, erklärt Bottermann. Dies hätte zur Folge, dass die Banken das Wechselkursrisiko selbst absichern müssen.

„Die Reaktion der Banken ist vorhersehbar“, so Bottermann weiter. „Sie werden einfach keine Immobilienkredite mehr an Nicht-Euro-EU-Kreditnehmer vergeben.“

Suche nach alternativen Finanzierungswegen

Investoren aus beispielsweise dem Vereinigten Königreich, Schweden, Dänemark, Tschechien oder Polen, die in Deutschland Immobilien kaufen wollen, müssten künftig nach alternativen Wegen suchen. Dies sei schwierig, denn einfach eine Fremdfinanzierung von einer Bank aus dem Heimatland aufzunehmen, sei seit der Finanzkrise nicht mehr möglich.

„Denkbar ist die Gründung einer GmbH in Deutschland, die die Immobilie erwirbt. Dies bringt zwar für Privatkäufer einen gewissen Aufwand mit sich. Aber eine solche Struktur ermöglicht die Darlehensaufnahme bei einer deutschen Bank“, erläutert Bottermann. (bk)

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