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Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Erlaubnis als Darlehensvermittler genügt

Die EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) hat nach den Lesungen im Bundestag nun den Bundesrat passiert und wird am 21. März 2016 in Kraft treten. Immobiliendarlehensvermittler benötigen lediglich die Erlaubnis als Darlehensvermittler nach Paragraph 34c Gewerbeordnung (GewO). Im Gesetzentwurf war zusätzlich die Erlaubnis als Immobilienmakler vorgesehen.

Die WIKR tritt am 21. März in Kraft, doch noch immer sind nicht alle Details geklärt.

“Die Branche atmet auf, da sich der Gesetzgeber damit an der gängigen Praxis orientiert hat”, kommentiert Michael Neumann, Geschäftsführer der Qualitypool GmbH. “Für Makler gilt es zu berücksichtigen: Wer weiterhin Darlehen vermitteln möchte, muss innerhalb einer einjährigen Übergangsfrist bis zum 21. März 2017 eine Erlaubnis als Immobiliardarlehensvermittler erworben haben.”

Für den Nachweis der Sachkunde müssten Makler eine für die Darlehensvermittlung relevante Berufsqualifikation aufweisen. Voraussichtlich würde hier die Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder zum Bankkaufmann genügen. Unter die „Alte-Hasen-Regelung“ fielen Vermittler, die seit dem 21. März 2011 ununterbrochen als Immobiliendarlehensvermittler aktiv waren.

Immer noch offene Fragen

In welcher Form der Nachweis zu erbringen ist, sei noch unklar. Dies werde voraussichtlich in der Immobiliensdarlehensvermittlerverordnung (ImmVermV), die frühestens im April 2016 im Bundesrat zur Diskussion stehe, geklärt. Gleiches gelte für die Mindestversicherungssumme der für Vermittler künftig obligatorischen Vermögensschadenshaftpflicht.

Makler, die nicht unter die „Alte-Hasen-Regelung [1]“ fallen, müssten ihre Sachkunde in einer zusätzlichen Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) demonstrieren. “Diese Vermittler sollten rasch nach dem Inkrafttreten der WIKR [2]ihre Sachkundeprüfung beantragen, weil mit einem Antragsstau zu rechnen ist”, rät Neumann. Prüfungen werden vermutlich erst ab Juni 2016 abgenommen. Nach bestandener Sachkundeprüfung erwarte den Makler Antragsstau Nummer zwei bei der Beantragung des Paragraph 34i GewO.

Seite zwei: Richtlinie zieht Einschränkungen nach sich [3]

“Die Intention der Richtlinie, einen Binnenmarkt für Wohnimmobilienkredite zu schaffen, die Position der Verbraucher zu stärken und strengere Qualifikationskriterien für Darlehensvermittler zu etablieren begrüßen wir”, berichtet Neumann. “Sie zieht allerdings auch Einschränkungen nach sich.”

Einige Banken überprüften derzeit, inwiefern sie ihre Finanzierungskriterien verschärfen. Eine Folge sei, dass Darlehensnehmer im fortgeschrittenen Alter teilweise vom Kreditmarkt abgeschnitten seien, da Kreditinstitute höhere Tilgungen des Wohnimmobilienkredites verlangen. Darüber hinaus würden einige Nischen wie die schlanke Bonitätsprüfung bei einem Beleihungsauslauf von unter 60 Prozent wegfallen. Davon hätten insbesondere Selbstständige profitiert.

“Verschärft haben sich auch die Beratungs- und Dokumentationspflichten”, sagt Neumann. So solle laut Gesetz eine ausreichende Zahl an Darlehensverträgen auf ihre Geeignetheit geprüft und unter anderem zu möglichen Laufzeiten der Darlehen und dem Anschlussrisiko informiert werden.

Hoher Umsetzungsaufwand

Aufgrund des hohen Umsetzungsaufwandes der WIKR stellen laut Neumann manche Banken beispielsweise KfW-Darlehen [4] vorerst nicht mehr zur Verfügung. “Die neue Richtlinie hat zeit- und kostenintensive Veränderungen interner Prozesse zur Folge”, fasst Neumann zusammen. Zudem werden viele Banken in der zweiten und dritten Märzwoche einen Einreich- beziehungsweise Bearbeitungsstop haben. Dies könne für Kunden mit dringendem Finanzierungsbedarf zu Engpässen führen.

Neumann rechnet mit einer Konsolidierung der Branche. Die Zahl der Baufinanzierungsmakler werde sinken. Der Trend ginge zu Maklerpools, die ihren Vermittlern den steigenden Verwaltungsaufwand abnehmen würden. Für Qualitypool erwarte Neumann Wachstumschancen. Makler ohne Paragraph 34i GewO könnten als Tippgeber fungieren, für die der Maklerpool die gesamte Abwicklung der Finanzierung übernehmen könne. (kl)

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