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Bausparen – zurück zu den Wurzeln

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat unlängst entschieden, dass die Kündigung alter Bausparverträge mit hohen Zinsen rechtens ist. Vor diesem Hintergrund wird das Bausparen seinem ursprünglichen Ziel wieder gerechter. Für Bausparer ist das eine gute Nachricht.

Die Wald-Kolumne

Das Bausparen gehört zu den beliebtesten Anlageformen hierzulande. Rein rechnerisch besitzt jeder dritte Bundesbürger einen solchen Vertrag. Droht nun ein Bruch?

Schließlich hat der Bundesgerichtshof unlängst die Praxis gebilligt, hochverzinste Altverträge zu kündigen [1]. Zuvor hatten sich immer mehr Bausparkassen von langjährigen Kunden getrennt, wenn deren Verträge länger als zehn Jahre bestanden und nicht für wohnwirtschaftliche Zwecke abgerufen wurden.

Starkes Kollektiv soll zinsgünstige Darlehen schaffen

Die Kündigungswelle [2] hat zu einem Imageschaden geführt. Verständlich ist sie allerdings schon. Die Grundidee des Bausparens besteht schließlich darin, Wohneigentum zu erwerben. In der Gemeinschaft geht das leichter.

Bausparen beruht auf der Idee, dass ein starkes Kollektiv seinen Mitgliedern besonders zinsgünstige Darlehen zur Verfügung stellt. Wer anderen Kapital borgt, erwirbt als Gegenleistung selbst den Anspruch auf einen zinsgünstigen Kredit zu einem späteren Zeitpunkt.

BGH-Urteil stärkt die Bausparidee

Reine Sparer ohne Ambitionen auf eine Immobilie wurden in diesem System jahrelang geduldet und teilweise leider sogar zum Mitmachen eingeladen. In der hartnäckigen Niedrigzinsphase entstand jedoch eine Situation, in der diese Kunden Zinsen vereinnahmten, die am Markt nicht mehr zu verdienen waren – zum Schaden des Produktgedankens.

Wären diese Verhältnisse zementiert worden, hätten die “echten” Bausparer das Nachsehen gehabt. Dass die BGH-Richter die Kündigungen erlaubten, mag im Einzelfall schmerzen. Doch letztendlich stärkt ihr Urteil die Bausparidee. Denn wer wirklich eine Wohnung oder ein Haus erwerben will, kann sich auch in Zukunft auf ein finanzstarkes Kollektiv verlassen.

Seite zwei: BGH-Urteil stärkt die Bausparidee [3]

Aufs Bausparen setzte schon die Generation der Eltern und teilweise sogar der Großeltern. Manche Menschen halten das Konzept daher für angestaubt. Außerdem haftet dieser Sparform der Ruf an, mit anderen Anlageformen nicht mithalten zu können.

Starkes Kollektiv soll zinsgünstige Darlehen schaffen

Doch das ist ein Vorurteil, das einem Realitätscheck nicht standhält. Bausparen [4] lohnt sich nämlich gerade zum jetzigen Zeitpunkt, für einige Bevölkerungsgruppen sogar in besonderem Maße. Zwar nutzt die Mehrzahl der Verbraucher derzeit völlig zu Recht preiswerte Bankdarlehen, um Wohneigentum zu erwerben.

Wer die wichtigste Investition seines Lebens aber erst in zehn Jahren oder später angehen will oder kann, profitiert vom aktuell günstigen Zinsumfeld überhaupt nicht. Eine Hypothek verschlingt in späteren Jahren schlimmstenfalls ein Vielfaches der aktuellen Aufwendungen, die durch die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken künstlich nach unten gedrückt wurden.

BGH-Urteil stärkt die Bausparidee

Ein Bausparvertrag schafft hier Abhilfe. Schließlich gibt es kaum ein anderes Kapitalmarktprodukt, mit denen sich angehende Immobilieneigentümer so effektiv gegen steigende Zinsen versichern können. Über ihren Vertrag können sie sich noch Jahre nach Vertragsabschluss zu attraktiven Konditionen eine Immobilie finanzieren [5]. Ob und wann genau Kunden diese Option ziehen, können sie selbst mit beeinflussen.

Je nach Darlehenshöhe und abhängig vom zwischenzeitlich erfolgten Anstieg der Kapitalmarktrenditen erreichen die ersparten Zinsen schnell hohe vierstellige Beträge. Wer seinen Vertrag konsequent bedient, bildet zudem diszipliniert Eigenkapital und stellt seinen festen Willen zur Schaffung von Eigentum unter Beweis.

Seite drei: Bausparer haben Anspruch auf staatliche Zulagen [6]

Dies trägt dazu bei, später zusätzlich ein günstiges Bankdarlehen aufzunehmen. Vielleicht reicht die Bausparsumme aber auch schon aus – zum Beispiel weil eine bereits vorhandene Liegenschaft renoviert, modernisiert oder umgebaut werden soll.

Bausparer haben Anspruch auf staatliche Zulagen

Für solche kleineren Vorhaben stellt das Bausparen [7] sowieso oft die ideale Lösung dar. Denn viele Banken verlangen für geringe Kreditsummen Zinsaufschläge oder winken wegen des hohen Verwaltungsaufwands gleich ganz ab.

Damit nicht genug. Unzählige Bausparer haben Anspruch auf staatliche Zulagen. Daher lohnt sich ein Vertrag bereits in der Ansparphase. Arbeitnehmer mit geringen Einkommen profitieren ganz besonders. Als Fördermöglichkeiten stehen neben der Arbeitnehmer-Sparzulage für Vermögenswirksame Leistungen zusätzlich noch die Wohnungsbauprämie zur Verfügung.

Ein bißchen “Trittbrettfahren” geht noch immer

Die Wohnungsbauprämie können Eltern bereits für ihre 16-jährigen Sprösslinge abfordern. Bei einem Vertragsabschluss bis zum 25. Lebensjahr entfällt sogar die Zweckbindung: Junge Bausparer dürfen einmalig nach sieben Jahren Laufzeit über ihr Guthaben inklusive der staatlichen Prämien verfügen – sie müssen das angesparte Guthaben nicht zwingend für wohnungswirtschaftliche Zwecke einsetzen.

Ein bisschen “Trittbrettfahren” geht also noch immer. Umso schöner, dass Bausparer unter Nutzung der staatlichen Prämien höhere Renditen erzielen, als es aktuell mit Tagesgeld oder Banksparplänen möglich sein sollte. Nichtsdestotrotz wird das Bausparen vor dem Hintergrund des aktuellen BGH-Urteils seinem ursprünglichen Produktgedanken und seiner originären Wortbedeutung gerechter. Und das ist für alle Bausparer im Kollektiv eine gute Nachricht.

Dr. Matthias Wald [8] ist Leiter Vertriebe bei Swiss Life Deutschland.

Foto: Swiss Life Deutschland

 

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