- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Crowdfunding: Worauf Anleger achten sollten

Crowdfunding erfreut sich steigender Beliebtheit. Die Geldanlage mit dem Schwarm ist meist schon ab einem geringen Beitrag möglich. Das Verbrauchermagazin Finanztest hat in seiner aktuellen Ausgabe 22 Crowdfunding-Plattformen untersucht und Tipps für Anleger zusammengestellt.

Das Verbrauchermagazin Finanztest hat Crowdfunding-Plattformen untersucht und Tipps für Anleger zusammengestellt.

Finanztest hat in Ausgabe 9/2017 22 Crowdfunding [1]-Plattformen unter die Lupe genommen, die Projekte aus den Bereichen Immobilienfinanzierung, Start-ups und kleineren Unternehmen sowie Erneuerbare Energien vorstellen.

Das Ergebnis sei ernüchternd: Die Crowdfunding-Portale werben laut Finanztest [2] mit bis zu neun Prozent Rendite im Jahr – in manchen Fällen sogar mehr –, was im aktuellen Niedrigzinsumfeld verlockend sei.

Finanztest: Im schlimmsten Fall droht Totalverlust

Doch die Risiken sind demnach groß: Anleger [3] hätten kaum Mitspracherechte und die Investitionen seien häufig für Jahre in den Projekten gebunden – im schlimmsten Fall drohe ein Totalverlust des angelegten Kapitals.

Deswegen sollten sich Interessierte genau überlegen, in welche Idee oder welches Projekt sie ihr Geld stecken wollen. Im Artikel fasst Finanztest zusammen, worauf Anleger bei den unterschiedlichen Projekten achten sollten.

Für wen ist Crowdfunding geeignet?

Eignung: Generell sollten Anleger sich laut Finanztest gut überlegen, ob Crowdfunding für sie geeignet ist. Insbesondere sollten dabei demnach das höhere Risiko. das nicht vorhandene Mitspracherecht und die geringe Flexibilität des angelegten Kapitals berücksichtigt werden.

Auswahl: Bei der Projektauswahl empfiehlt das Verbrauchermagazin Eigeninitiative. Anleger sollten sich nicht auf die Plattformen verlassen, sondern sich selbst ein Bild von den ausgewählten Projekten machen.

Streuung: Finanztest rät dazu, kleinere Summen in mehrere Projekte zu investieren, statt die gesamte Investitionssumme in ein einzelnes Projekt zu stecken.

Risiko: Anleger sollten sich bewusst sein, dass ein Totalverlust jederzeit möglich sei und nur so viel Kapital in die Crowdfunding-Projekte investieren, wie sie auch verlieren können, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Seite zwei: Tipps zum Immobilien-Crowdfunding [4]

Immobilien sind das stärkste Segment im Crowdfunding-Markt. Wer in Immobilienprojekte via Crowdfunding [5]investieren möchte, sollte laut Finanztest die folgenden vier Aspekte berücksichtigen.

Lage: Als risikoreich klassifiziert das Verbrauchermagazin kleinere Städte (außer Universitätsstandorte), schlechte Viertel, Stadtrandlagen mit ungünstiger Verkehrsanbindung und Standorte mit Umweltbelastungen.

Zustand: Bei Neubauten sowie Immobilien in sehr schlechtem Zustand, bei geringer Vermietungsquote und Mieterzahl sieht Finanztest ein erhöhtes Risiko.

Finanzierungsstruktur: Weitere Risikofaktoren seien zudem unerfahrene Projektentwickler und ein hoher Anteil an Fremdkapital – etwa Bankkredite. Bei einem Kapitalanteil des Entwicklers unter zehn Prozent, ist demnach der “Puffer für Anleger” zu gering.

Rendite: Der versprochene Zins sollte laut Finanztest umso höher ausfallen, je höher das Risiko ist.

Die Schwarmfinanzierung junger Unternehmen ist dem Verbrauchermagazin zufolge das ältestes Segment im Crowdfunding-Markt [6]. Die Anlage sei allerdings sehr risikoreich, da selbst ein marktreifes Produkt sich noch als Ladenhüter erweisen könne. Beim Crowdfunding von Start-ups sollten Anleger daher drei Punkte beachten.

Zustand: Risiken für Anleger sieht Finanztest vor allem bei unerfahrenen Gründern, neu gegründeten Unternehmen und hohen Schulden.

Geschäftsmodell: Vorsicht sei auch bei Geschäftsmodelle geboten, die noch keinen Praxistest hinter sich haben – insbesondere wenn das Produkt noch nicht die Marktreife erreicht hätte.

Beteiligungsquote: Seien Start-ups schon vor dem Einstieg hoch bewertet worden, sei die Investition wenig aussichtsreich, da die Anleger nur einen relativ geringen Anteil erhielten.

Seite drei: Tipps zum Crowdfunding-Segment Erneuerbare Energien [7]

Beim Crowdfunding [8] in Erneuerbare Energien stehen laut Finanztest mehrere Varianten zur Wahl: Anleger können neue Projekte für Erneuerbare Energien oder eine dezentrale Energieversorgung unterstützen, in bestehende Anlagen investieren oder Maßnahmen zum Energiesparen finanzieren. Dabei sollten demnach folgende Tipps beachtet werden.

Zustand: Eine Investition in eine bestehende Anlage ist laut Finanztest weniger riskant, als das Geld in einen Neubau zu investieren. Darüber hinaus sei die Erfahrungen der Projektleiter wichtig.

Einspeisevergütung: Speist die Anlage gegen eine zugesagte Vergütung Strom ins Netz ein, gelten die Erträge demnach als sicher und berechenbar – bis auf die Menge der produzierten Energie. Dennoch bestehe das Risiko, dass der Gesetzgeber die Vergütungssätze ändere.

Bonität: Wenn die Anlage ohne Einspeisevergütung Energie für den Eigenverbrauch produziert oder Kosten einspart, sei das Risiko der Anleger von der Solvenz des Vertragspartners abhängig.

Ausland: Befinden sich die Anlagen im Ausland, könnten Anleger laut Finanztest ein Wechselkursrisiko eingehen.

Der ausführliche Test Crowdfunding ist in der September-Ausgabe des Verbrauchermagazins Finanztest erschienen und auf der Finanztest-Website [9] abrufbar. (jb)

 

Mehr Beiträge zum Thema:

Immobilien-Crowdinvesting: Vorerst keine Einschränkungen [5]

“Crowdfunding schließt wichtige Finanzierungslücke” [6]

“Viele Anleger profitieren nicht vom boomenden Immobilienmarkt” [1]