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Erbbaurecht kann Immobilienmärkte entlasten

Besonders junge Familien mit wenig Startkapital müssen den Bau ihrer eigenen Immobilie oft mehrere Jahre aufschieben. Das liegt auch an den steigenden Grundstückspreisen. Doch das Erbbaurecht kann einigen potenziellen Bauherren helfen. Eine aktuelle Studie gibt einen Überblick über die aktuelle und zukünftige Bedeutung des Rechts.

Dank des Erbbaurechts können beispielsweise Familien eine eigene Immobilie bauen, ohne gleichzeitig die Kaufsumme für das Grundstück stemmen zu müssen.

Das Erbbaurecht [1] trennt das Eigentum am Grundrecht vom Eigentum an dem darauf stehenden Gebäude. Das ist für den Immobilieneigentümer und den Grundstückseigentümer gleichzeitig vorteilhaft.

Der Bauherr könne sich so den Wunsch einer eigenen Immobilie erfüllen, ohne dafür ein Grundstück kaufen zu müssen und der Grundstückseigentümer behalte die Kontrolle über die Nutzung des Grundstücks, das für ihn zur Quelle regelmäßiger Einnahmen werde.

Das Hamburger Beratungsunternehmen Analyse & Konzepte führte im Frühjahr 2017 im Auftrag des Deutschen Erbbaurechtsverbands eine “Studie zum Erbbaurecht” durch. Sie liefert eine erste Datenbasis zu Anzahl und Verteilung von Erbbaugrundstücken in Deutschland. Darüber hinaus erhebt sie Informationen zu Strategien von Erbbaurechtsgebern bei der Vertragsverlängerung.

Zunehmende Dynamik

Damit sollen folgende Fragen beantwortet werden: Welche Rolle spielt das Erbbaurecht auf dem deutschen Wohnungsmarkt [2]? Werden die Grundstückseigentümer in den kommenden Jahren neue Erbbaurechte vergeben? Wo sind diese besonders attraktiv?

“Unsere Studie liefert erstmals einen Überblick über die Erbbaurechtslandschaft in Deutschland. Sie zeigt, dass wir in den nächsten Jahren eine zunehmende Dynamik in diesem Bereich erwarten können und dass es sich dabei nicht um ein seltenes Nischenprodukt handelt. Vielmehr erkennen auch immer mehr Kommunen [3] den möglichen Mehrwert einer Erbbaurechtsvergabe – auch als Antwort auf die immer weiter steigenden Bodenwerte”, sagt Dr. Matthias Nagel, der Geschäftsführer des Deutschen Erbbaurechtsverbands.

Seite zwei: Die Ergebnisse der Studie [4]

Insgesamt erfasst die Studie gut 90.000 Erbbaurechte aus ganz Deutschland. Davon entfallen laut den Ergebnissen 69 Prozent auf Wohnhäuser, 18 Prozent auf Gewerbeimmobilien [5] und elf Prozent auf sonstige Zwecke. Hierzu würden in erster Linie Vereine oder soziale Einrichtungen zählen wie beispielsweise Kindergärten. 65 Prozent der befragten Erbbaurechtsgeber seien Kommunen oder kommunale Unternehmen, gefolgt von 14 Prozent privatwirtschaftlichen und neun Prozent kirchlichen Grundstückseigentümern.

Vermögenssicherung und soziale Zwecke

Die meisten Erbbaurechtsgeber (79 Prozent) verwalten laut der Studie bis zu 500 Erbbaurechte, nur zehn Prozent mehr als 2.000. Im Durchschnitt würden die Erbbaurechte mehr als ein Fünftel (21,5 Prozent) des Grundbesitzes der Befragten ausmachen. Dennoch sei fast die Hälfte von ihnen (49 Prozent) der Meinung, dass das Erbbaurecht auf dem deutschen Wohnungsmarkt keine große Rolle spiele.

Dies könnte sich in den nächsten Jahren ändern: 56 Prozent der Grundstückseigentümer würden in den kommenden Jahren neue Erbbaurechte ausgeben wollen. 24 Prozent würden dies eventuell tun. Wer neue Erbbaurechte vergibt, tut dies  laut dem Deutschen Erbbaurechtsverband einerseits, um seine Grundstücke zu sichern und sein Vermögen gut anzulegen, andererseits werden Erbbaurechte für soziale Zwecke, zur Förderung [6] von Wohneigentum und zur Unterstützung junger Familien eingesetzt.

Mehr als die Hälfte der befragten Organisationen (52 Prozent) schätze Erbbaugrundstücke vor allem in Großstädten als attraktiv ein. Nur 14 Prozent sagen, dass sie auch außerhalb von Ballungsräumen stark nachgefragt werden.

Die Studie wurde als Online-Befragung unter Erbbaurechtsgebern durchgeführt. Insgesamt wurden dafür 600 Kommunen, kirchliche Einrichtungen und Privatpersonen angeschrieben. Da es allerdings keine umfassende Statistik über Erbbaurechte in Deutschland gibt, ist die Grundgesamtheit unbekannt und die Repräsentativität der Studie nicht überprüfbar. (kl)

Foto: Shutterstock