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Ferienimmobilien: Preisboom an Deutschlands Küsten

Die Preise für Ferienimmobilien an den deutschen Nord- und Ostseeküsten sind nach einer Untersuchung von LBS Research in den vergangenen Jahren im Schnitt um fünf Prozent per annum gestiegen. Noch gebe es allerdings preiswerte Alternativen zu den teuren Hotspots.

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Hornum auf Sylt: Die Nordseeinsel ist mit Abstand der teuerste Standort für Ferienimmobilien.

Immer mehr Deutsche zieht es im Urlaub an die heimischen Küsten. Viele spielen mit dem Gedanken, ein eigenes Feriendomizil oder einen Zweitwohnsitz an ihrem Lieblingsort zu erwerben.

Die wachsende Nachfrage hat jedoch zu kräftigen Preissteigerungen an den deutschen Nord- und Ostseeküsten geführt, so LBS Research. Eine aktuelle Marktanalyse in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Empirica zeige, wo die höchsten Preise verlangt werden und wo es noch Alternativen gebe.

Für die Untersuchung wurden aktuelle Inserate ausgewertet, in denen Ferienhäuser und -wohnungen in den Landkreisen und kreisfreien Städten entlang der deutschen Küsten (ohne Hamburg und Bremen) angeboten werden. Dabei handle es sich überwiegend um Bestandsimmobilien, aber auch neue Objekte seien berücksichtigt worden.

Landkreis Nordfriesland am teuersten

Das Ergebnis der Analyse: Die teuerste Küstenregion ist der Landkreis Nordfriesland mit einem mittleren Preis von 3.400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, gefolgt von der kreisfreien Stadt Lübeck mit 2.900 Euro und dem Landkreis Vorpommern-Rügen mit 2.600 Euro pro Quadratmeter Ferienimmobilie.

Obwohl für die Ermittlung typischer Kaufpreise [2] Ausreißer nach oben und unten bereits „abgeschnitten“ wurden, seien die Bandbreiten bei den Preisen teilweise extrem, so LBS Research. So steche Nordfriesland nicht nur mit den höchsten „Standardpreisen“ hervor, sondern auch mit den höchsten Spitzenpreisen: die teuersten 25 Prozent aller angebotenen Ferienobjekte seien mit mindestens 6.900 Euro pro Quadratmeter inseriert.

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Auf Platz zwei der Spitzenpreise folgt die kreisfreie Stadt Lübeck mit 4.200 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von der kreisfreien Stadt Rostock und dem Landkreis Vorpommern-Rügen, wo ebenfalls Spitzenpreise von über 3.500 Euro verlangt werden.

An besonders beliebten Standorten liegen die Preise laut LBS Research mitunter deutlich über den für den jeweiligen Landkreis errechneten typischen Bandbreiten. Die teuersten Küstenstandorte finden sich auf den Nord- und Ostfriesischen Inseln.

Sylt ist Spitzenreiter

Spitzenreiter ist die Insel Sylt mit der Gemeinde Wenningstedt/Braderup. Dort würden als Standardpreis für Ferienimmobilien 8.300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verlangt.

„Ein Viertel aller angebotenen Objekte in Wenningstedt/Braderup war zuletzt sogar nicht unter 11.100 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise nicht unter zwei Millionen Euro pro Ferienobjekt zu bekommen“, erläutern die Immobilienexperten von LBS Research.

Neben Sylt zählen auch Juist mit einem mittleren Preis von 8.200 Euro pro Quadratmeter, Norderney mit 7.100 Euro, Langeoog mit 6.400 Euro und Wyk auf Föhr mit 6.100 Euro zu den besonders hochpreisigen Inseln.

Seite 2: Geheimtipp Ostseeküste – selbst Preise auf Rügen noch gemäßigt [3]

Ebenfalls sehr beliebt, aber noch deutlich günstiger sei die Ostseeküste. Dort könnten Inselliebhaber bei der Suche nach einer günstigeren Alternative für ihr Feriendomizil [4] an der mecklenburgischen Küste fündig werden.

Rügen und Usedom deutlich günstiger als Nordseeinseln

So böten Rügen und Usedom trotz ihrer großen Popularität immer noch ein wesentlich gemäßigteres Preisniveau [5] als die Nordseeinseln. Auf Rügen liegen die Standardpreise in den bei Touristen beliebten Gemeinden laut LBS Research zwischen 3.500 und 4.300 Euro pro Quadratmeter.

Selbst im gefragten Heringsdorf auf Usedom werde die Grenze von 4.000 Euro nicht überschritten. Noch günstiger werde es auf dem Festland an der mecklenburgischen Ostseeküste, wo für attraktive Standorte wie das Seebad Kühlungsborn die mittleren Quadratmeterpreise bei rund 3.900 Euro oder auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst die Standardpreise um die 3.200 Euro liegen.

Niedrigste Spitzenpreise in Wilhelmshaven

In 70 Prozent aller ausgewerteten Küstenregionen liegen die Spitzenpreise laut LBS Research zwischen 2.000 und 4.000 Euro pro Quadratmeter. Die niedrigsten Spitzenpreise würden in Wilhelmshaven verlangt. Dort begännen die teuersten 25 Prozent aller inserierten Ferienobjekte bereits bei 1.300 Euro, der Standardpreis liege bei 975 Euro. Wilhelmshaven sei damit die einzige Region mit einem Standardpreis von unter 1.000 Euro pro Quadratmeter.

Anstieg um fünf Prozent pro Jahr

Insgesamt sind die Standardpreise für inserierte Ferienobjekte in den untersuchten Küstenregionen laut LBS Research in den letzten drei Jahren im Durchschnitt um jeweils fünf Prozent pro Jahr gestiegen. Spitzenreiter sei auch hier wiederum der Landkreis Nordfriesland.

Dort habe die jährliche Preissteigerungsrate im Schnitt 30 Prozent betragen. LBS Research führt das vor allem auf die Beliebtheit der Nordseeinseln zurück. Da dort die Neubaumöglichkeiten naturgemäß begrenzt seien, werde das Angebot an Feriendomizilen zunehmend schmaler und vor allem in direkter Meeresnähe entsprechend teurer.

Auf dem zweiten Platz rangiert der niedersächsische Landkreis Wesermarsch mit einer durchschnittlichen Preissteigerung von 15 Prozent pro Jahr in den letzten drei Jahren. Ein jährliches Plus von zehn Prozent und mehr wurden zudem in den Landkreisen Stade und Plön beobachtet.

Fazit der Immobilienexperten von LBS Research: „Steigende Immobilienpreise sind kein Phänomen wirtschaftsstarker Metropolregionen [6], sondern sind auch und besonders bei Ferienimmobilien zu registrieren.“ Für Kaufinteressenten heiße das: Noch mehr als bisher müssen sie auf die Kriterien Lage, Ausstattung, Infrastruktur und Vermietbarkeit achten. (bk)

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