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Politik muss Immobilienwirtschaft stärken

Die Immobilienbranche ist nicht nur Arbeitgeber für drei Millionen Menschen, sondern auch eine Stütze der Volkswirtschaft. Umso wichtiger sei es daher, dass politische Maßnahmen den Markt stützen – das betonen die Immobilienverbände.

Die Immobilienbranche ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland.

Der deutsche Immobilienmarkt ist laut der Studie “Wirtschaftsfaktor Immobilien 2017” mit einem Vermögenswert von 11,2 Billionen Euro nicht nur ein Stabilitätsfaktor der deutschen Volkswirtschaft, sondern bildet aufgrund seiner besonderen Struktur zunehmend einen wirtschaftlichen Anker für ganz Europa. Das zeige unter anderem die zunehmende Konvergenz wichtiger europäischer Länder und die geringe Volatilität bei der Wohnungskreditvergabe in Deutschland.

Die Studie zeige die Besonderheiten des deutschen Immobilienmarktes im internationalen Vergleich auf, sie wurde von der Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) und den Immobilienverbänden BID, Haus & Grund und DV präsentiert.

Bedeutender Arbeitgeber

Die Verfasser sind Professor Dr. Michael Voigtländer (IW Köln) und Professor Dr. Tobias Just (IREBS, Universität Regensburg). “Es ist keine leichte gesellschaftliche Aufgabe, energetisch und umweltschonend korrekt und gleichzeitig sozial ausgewogen auf etwa 14 Prozent des Bundesgebiets knapp 80 Prozent der deutschen Vermögenswerte zu managen,” so Just. “Lediglich Österreich und Schweden erreichen in ihren Strukturen ein höheres Nettoimmobilienvermögen pro Kopf als Deutschland mit seinen knapp 100.000 Euro pro Kopf.”

Voigtländer betont, wie bedeutend die Immobilienwirtschaft als Arbeitgeber ist: “Drei Millionen Beschäftigte arbeiten – überraschend kleinteilig strukturiert – in 817.000 Unternehmen. Und das nahezu krisensicher im Verlauf der letzten Jahrzehnte.”

Mit einer Bruttowertschöpfung von über 500 Milliarden Euro vereinige die Immobilienwirtschaft immerhin 18 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Der Preis- und Mietanstieg der letzten Jahre in den Großstädten habe nur bedingt zur guten Position der deutschen Immobilienwirtschaft beigetragen.

Politische Forderungen

Vielmehr seien es Faktoren wie die vielschichtige Eigentümerstruktur im Wohnungsmarkt, das Nebeneinander von mehreren starken Städten mit attraktiven Gewerbeimmobilienmärkten oder auch die langfristigen Zinsen [1] und die sicherheitsorientierte Finanzierungskultur, die den deutschen Immobilienmarkt zu einer Blaupause für die mögliche künftige ökonomische Entwicklung in Europa machen.

Doch sei die Stabilität der Immobilienbranche nicht langfristig garantiert. Durch viele unterschiedliche Akteure und einzelne heterogene Märkte entstehen viele Wechselwirkungen zwischen ihnen. Zudem reagieren Immobilienmärkte verzögert. Daher sind auch die Auswirkungen politischer Maßnahmen [2] schwer abzuschätzen.

Seite zwei: So soll die Politik die Branche stützen [3]

“Was wir deshalb brauchen, ist eine Senkung der Grunderwerbsteuer durch die Länder auf ein bundesweites, investitionsfreundliches Niveau von 3,5 Prozent. Zudem müssen die Kommunen die Baulandvergabe und das Planungsrecht beschleunigen und vereinfachen, ebenso wie die Verfahren im Planungsrecht”, fordert der BID-Vorsitzende Andreas Ibel.

Steuern, Normen, wachsende regionale Unterschiede

“Neben Ländern und Kommunen ist hier auch die neue Bundesregierung gefragt, um Bauen in den heterogenen deutschen Immobilienmärkten einfacher, schneller und kostengünstiger zu machen. Unter anderem muss das Normungswesen auf den Prüfstand gestellt und die ordnungsrechtlichen Anforderungen für das Bauen wieder auf einfache und kostengünstige Standards zur Gefahrenabwehr beschränkt werden”, fordert Ibel.

Rolf Buch, Vizepräsident des Deutschen Verbandes, fordert, dass die Bundespolitik stärker gegen die wachsenden regionalen Unterschiede [4] vorgeht: “Dynamische und hochpreisige Märkte mit erheblichem Neubaubedarf stehen Schrumpfungsregionen mit Preisverfall, Leerständen und Rückbaubedarf gegenüber.”

Auch die Kluft innerhalb der Städte zwischen einzelnen Vierteln wachse. “Hier wünschen wir uns eine einheitliche Bundespolitik, die den regionalen Ausgleich und die Stabilisierung sozialer Brennpunkte unterstützt”, so Buch.

Private Vermieter stützen

Dr. Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund, könne politische Entscheidungen, die zulasten privater Vermieter gehen nicht nachvollziehen. Laut der Studie werden 37 Prozent der 15 Millionen Wohnungen von privaten Kleinvermietern angeboten, zwischen 2011 und 2015 sei ihre Zahl um neun Prozent gestiegen.

“In ihrer großen Mehrheit werden die Vermieter dadurch nicht reich”, so Warnecke. Der Anstieg sei nicht den politischen Bedingungen sondern vor allem den günstigen Zinsen und der gestiegenen Nachfrage geschuldet.(kl)

Foto: Shutterstock