- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Wohnimmobilien: Kaum Gefahr einer Blase am Markt

Angesichts stetig steigender Preise am deutschen Wohnimmobilienmarkt vermuten viele die Entstehung einer Preisblase, besonders in den dynamischen Märkten der Metropolen. Einer aktuellen Marktanalyse zufolge sind diese Sorgen jedoch unbegründet.

Laut Aengevelt sind die Bedingungen einer Preisblase am Wohnimmobilienmarkt nicht erfüllt.

Wenn aktuell die Gefahr einer Preisblase [1] vermutet wird, besteht diese höchstens für einige vereinzelte Teilmärkte, die bereits seit Jahren eine hohe Dynamik aufweisen.

Das geht aus einer aktuellen Analyse von Aengevelt-Research im Zuge ihrer Marktbeobachtungen hervor. So seien zwar häufig unterschiedlich starke Dynamiken bei Kauf- und Mietpreisentwicklung festzustellen, jedoch stehe dahinter keine drohende Preisblase.

Frank Korablin, Researcher bei Aengevelt-Research, sagt dazu: “Vielmehr zeichnet sich selbst in Märkten wie München, Hamburg oder Berlin ein Nachholeffekt in Form anziehender Neubautätigkeit und daraus resultierend eines steigenden Preisniveaus ab als eine drohende Blase.”

Einflussfaktoren für Preisblasen

Im Zuge der Analyse seien insbesondere Diskrepanzen zwischen den Kaufpreis- und Mietentwicklungen für Wohnraum unter der Berücksichtigung vermehrter Bautätigkeit und steigender Risikobereitschaft bei Kreditaufnahmen privater Haushalte betrachtet worden.

So sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen laut Aengevelt-Research in den letzten zehn Jahren in allen Großstädten angestiegen, besonders stark jedoch in den “Big Seven”: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München [2] und Stuttgart.

Dort sei eine Preissteigerung für Eigentumswohnungen um mehr als 70 Prozent verzeichnet worden, während sie in B- und C-Standorten nur etwa 60 Prozent erreiche.

Mietpreise und Baugenehmigungen

In den betrachteten Märkten haben sich die Mietpreise in Neubauten Aengevelt-Research zufolge in den letzten zehn Jahren um 45 Prozent erhöht, in Bestandsbauten um etwa 37 Prozent.

Laut Korablin sei zu berücksichtigen: “Dass parallel zu dieser Entwicklung zumindest temporär auch eine Steigerung der Wohneigentumsquoten zu verzeichnen war, d.h. dass der Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum in diesem Zeitraum angezogen hat.” Daher sei diese Preissteigerung kein Indikator für eine Preisblase.

Ähnlich wie die Miet- und Kaufpreisentwicklung verlaufe auch der Anstieg von Baugenehmigungen [3] und Wohnungsfertigstellungen. Laut Statistischem Bundesamt haben diese sich zwischen 2008 und 2016 mehr als verdoppelt (115 Prozent).

Bei den Fertigstellungen sei in diesem Zeitraum nur ein Anstieg von 58 Prozent verzeichnet worden. Diese Diskrepanz zwischen Baugenehmigungen und Fertigstellungen wachse weiter an und sei auf die großen Wohnungsbautätigkeiten im Zuge der Urbanisierung von B- und C-Standorten zurückzuführen.

Seite zwei: Aufwärtstrend bei Wohnungsbaukrediten [4]

Auch die Entwicklung von Wohnungsbaukrediten bleibe dem allgemeinen Aufwärtstrend treu: Die Wohnungsbaukredite privater und institutioneller Kreditnehmer nahmen laut Bundesbank in der Summe von etwa 132 Milliarden Euro in 2007 auf rund 21 Milliarden Euro in 2016 zu.

Gleichzeitig erhöhten sich laut Aengevelt-Research aufgrund des Niedrigzinsumfeldes [5] auch die Anfangstilgungsraten zwischen 2009 und 2015 um 1,2 Prozent, während die Fremdmittelquote bei Privatkäufen von Eigentumswohnungen um sieben Prozent gesunken sei.

“Die vorliegenden Zahlen untermauern, dass private Haushalte in Deutschland gerne Wohneigentum besitzen möchten und dabei das günstige Zinsumfeld nutzen wollen,” betont Korablin.

Wohnraum für viele unbezahlbar

Die steigende Zahl von Baugenehmigungen und Fertigstellungen sei einerseits dem Trend der Urbanisierung geschuldet, während das günstige Zinsumfeld [6] Bautätigkeiten begünstige.

Dies führe zur Schaffung neuen Wohnraumes, der jedoch oft in höheren Preissegmenten liege und so zur Verteuerung der Miet- und Eigentumsmärkte führe.

“Tatsächlich hängt viel davon ab, wie lange die Märkte durch das Zinsniveau begünstigt werden. Spätestens bei einer Kehrtwende der Zinspolitik wird sich zeigen, ob und in welchem Umfang es zu einer Blase kommen kann“, ergänzt Korablin dazu.

Grundsätzlich komme die aktuelle Analyse der DIP-Märkte in Hinblick auf die Gefahr einer Preisblase zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Bedingungen einer Blase trotz der Preisentwicklung in Teilmärkten [7] und der steigenden Zahl von Wohnungsbaukrediten nicht erfüllt seien. (bm)

Foto: Shutterstock

 

Mehr Beiträge zum Thema Wohnimmobilien:

“Wer fürs Alter vorsorgt, wird bestraft” [8]

Wohneigentum als Generationenprojekt [9]

Mittelstädte im Mietpreis-Check: Niveau deutlich gestiegen [10]