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Bausparen: Kassen leeren Notfallfonds um die Hälfte

Der einstmals milliardenschwere Notfallfonds der Bausparkassen wurde im vergangenen Jahr um etwa die Hälfte geleert. Das errechnete das Wirtschaftsmagazin “Capital” (Ausgabe 10/2018) auf der Basis der Geschäftsberichte.

Die Notfallfonds diverser Bausparkassen sind bereits komplett leer oder nahezu aufgebraucht.

Den Berechnungen zufolge sanken die Finanzpolster in den Fonds zu “bauspartechnischen Absicherung” im vergangenen Jahr von anfangs 1,34 Milliarden Euro auf 637 Millionen Euro. Setze sich diese Entwicklung fort, könnten die meisten Reserven schon Ende 2018 aufgebraucht sein.

Diese Entwicklung zeige die Probleme vieler Bausparkassen [1], die unter den niedrigen Zinsen leiden, zugleich aber hohe Zinszusagen aus alten Verträgen erfüllen müssen.

Die Notfall-Fonds wurden Anfang der 90er-Jahre eingerichtet, damit Kunden ihre Darlehen stets schnell ausgezahlt bekommen. Seit 2015 dürfen die Bausparkassen diese Reserven allerdings auch einsetzen, um Engpässe im laufenden Geschäft abzufedern, die die Niedrigzinsen verursacht haben.

Fonds vielerorts schon leer

Der Verband der privaten Bausparkassen bezeichnet die Entnahmen als Beitrag “zur weiteren Stabilisierung” des Geschäfts.

Laut “Capital” hat die Bauspar-Tochter des Versicherers Debeka [2] ihren Notfall-Fonds bereits komplett geleert. Weiterhin richte sich die Debeka darauf ein, ihrer Bausparkasse im Jahr 2019 Kapital nachzuschießen.

Auch bei der Postbank [3]-Tochter BHW Bausparkasse, der Aachener Bausparkasse, der Signal-Iduna Bauspar und der Deutscher Ring Bausparkasse seien die Reserven ganz oder fast aufgebraucht – teils seien mit den Notfonds die Erträge aufgebessert worden.

Seite zwei: Branche wandelt sich von Grund auf [4]

Viele Kassen nutzten die Fonds aber auch dafür, ihr Eigenkapital aufzustocken. So habe etwa Schwäbisch Hall insgesamt 425 Millionen Euro aus der Reserve umgebucht.

Daran zeige sich der grundsätzliche Wandel der Branche, denn mit höherem Eigenkapital können die Kassen mehr Geld über gewöhnliche Immobilien-Kredite vergeben, um halbwegs Geschäft zu machen, während klassische Bauspar-Darlehen [5] derzeit teuer und unbeliebt seien.

Höheres Risiko bei Immo-Krediten

Wüstenrot etwa habe zwei Milliarden Euro über Bauspar-Darlehen verliehen, aber 17 Milliarden Euro über sogenannte außerkollektive Darlehen.

Jedoch seien die gewöhnlichen Immobilien-Kredite [6] riskanter: Diese haben oft eine größeres Volumen als Bauspar-Darlehen, bei denen es häufig nur um einige zehntausend Euro gehe. (bm)

Foto: Shutterstock

 

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