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Immobilienfonds: Verschiedene Fondstypen unter dem KAGB

Am 30. Januar trafen sich im Rahmen der gif-Fachtagung etwa 120 führende Experten der Immobilienwirtschaft in Frankfurt am Main um unter anderem die Folgen des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) für diverse Immobilienfondstypen zu diskutieren. 

Mario Leißner, King & Spalding: “Mit deutschen Fonds können maßgeschneiderte Produkte mit höchster Effizient gestaltet werden.”

Organisiert wurde die Fachtagung durch die gif-Kompetenzgruppe “Indirekte Immobilienanlage” und ihren Leitern Prof. Dr. Ulrich Nack, der Einführung und Schlusswort hielt, sowie Prof. Dr. Steffen Sebastian, der die Diskussion moderierte.

Ausgangspunkt der Diskussion sei dabei die Diagnose gewesen, dass das KAGB [1] nach wie vor viel kritisiert werde, gleichzeitig jedoch auch eine breite Auswahl verschiedenster Fondsvehikel anbiete. Hinzu kommen ausländische Optionen, wie aus Luxemburg.

Vier Jahre nach der Einführung des KAGB im Juli 2013 sei die Branche tatsächlich verändert, jedoch seien die neuen Möglichkeiten für Fondsbranche und Anleger nur teilweise von Nutzen.

Rechtlicher Wettstreit für deutsche Fonds

Die Diskussion eröffnete Mario Leißner, deutscher Managing Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei King & Spalding, mit dem Vortrag “Die deutschen Immobilienfondsvehikel im rechtlichen Wettsreit.”

Dabei betonte der Fondsexperte: “Mit deutschen Fonds können maßgeschneiderte Produkte mit höchster aufsichtsrechtlicher und steuerlicher Effizienz gestaltet werden.”

Seiner Ansicht nach sei ein Ausweichen an alternative Fondsstandorte, wie zum Beispiel Luxemburg [2], nur in einigen, überaus seltenen Fällen notwendig.

Folgen für die Marktentwicklung 

Im Anschluss referierte Dr. Michael Pirl vom deutschen Fondsverband BVI zum Thema “Marktentwicklung [3] offener und geschlossener Immobilienfonds seit Einführung des KAGB.”

Er berichtete, dass das KAGB Anlass für die Bundesbank und den Fondsverband BVI war, auch für Immobilienfonds ein standardisiertes Statistikformat aufzusetzen. So informiere die Bundesbank über das Gesamtvermögen geschlossener Fonds – egal ob diese KAGB-konform sind.

Mit 22 Milliarden Euro entfalle die Hälfte allen Netto-Vermögens geschlossener Fonds auf Immobilienfonds. Etwa elf Milliarden Euro davon seien nach dem 21. Juli 2013 aufgelegt oder auf das KAGB umgestellt worden.

Seite zwei: BVI-Statistik für alle Kapitalverwalter [4]

Weiterhin erklärte Pirl, dass der BVI [5] seine Investmentstatistik im Januar 2017 um KAGB-konforme geschlossene Fonds erweitert habe. Diese Statistik informiere monatlich über Vermögen und Mittelaufkommen auf Netto-Basis – gegliedert nach Assetklassen, Anbietern und Produktspektrum.

“In der BVI-Statistik können alle Kapitalverwaltungsgesellschaften – unabhängig einer BVI-Mitgliedschaft – ihr für den deutschen Absatzmarkt relevantes Produktspektrum aus offenen und geschlossenen Fonds sowie freien Mandaten im Vergleich zu anderen Gesellschaften zeigen”, erläuterte Pirl abschließend.

Fondsvehikel aus Steuersicht

In seinem Vortrag “Überblick über die Besteuerung von (Immobilien-) Fondsvehikeln auf der Vehikel- und der Anlegerebene nach dem Investmentsteuergesetz 2018” berichtete Peter Maier, BVI, über die steuerlichen Möglichkeiten indirekter Immobilieninvestitionen.

Nach einer anfänglichen Einführung in die Besteuerung typischer Anlegergruppen [6] gab er dabei einen Überblick über die Besteuerung verschiedener Vehikel, und stellte dabei klar, dass die Investition über typische Spezialfonds einige steuerliche Ausgestaltungsmöglichkeiten biete.

Dabei mahnte Maier an: “Diese Wahlrechte sollten sorgfältig unter Berücksichtigung der Besteuerung auf der Anlegerebene gegeneinander abgewogen werden.“

Neue Vielfalt richtig ausnutzen

Der Geschäftsführer der Warburg-HIH Invest Real Estate Gmbh, Felix Gold, referierte zum Thema “Die neue Klaviatur der Fondsgestaltung – oder die Nutzung der Vielfalt”.

Dabei sprach er an, dass die Ausweitung der regulierten Fondsvehikel für Immobilieninvestments [7] die mit dem KAGB im Jahr 2013 geschaffen wurde, quasi nur von durch offene Spezialfonds und geschlossene Investmentkommanditgesellschaften (InvKG) genutzt werde.

Dieses Vehikel werde von institutionellen Investoren aus Deutschland sehr gut aufgenommen. Im Begleich zu Luxemburger Vehikeln bieten die deutschen Fondstypen im Regelfall gleichwertige, wenn nicht besser passende Plattformen.

Die neue InvKG werde beispielsweise vielfach für Club-Investmentfonds genutzt, in denen jeweils eine Anlagestrategie von einem feststehenden, kleinen Anlegerkreis umgesetzt werde.

Neue Fondsvehikel in der Praxis

Die Juristin Bettina Kempinger von der Bayerischen Versorgungskammer beendete die Vorträge mit dem Statement: “KAGB hat in der Praxis wenig verändert.”

Ihr Vortrag “Praxiserfahrungen mit den neuen Fondsvehikeln aus Sicht eines institutionellen Investors” berichtete aus den Erfahrungen des Umgangs mit dem KAGB in ihrem beruflichen Alltag. (bm)

Foto: Shutterstock

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