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JLL: Ein Plädoyer für das Bestellerprinzip

Wer bestellt, der bezahlt. Ein selbstverständliches Geschäftsprinzip in der weltweit als höchst professionell anerkannten Immobilienbranche der angelsächsischen Länder wird hierzulande noch immer kontrovers diskutiert.

Kommentar von Timo Tschammler, Jones Lang Lasalle (JLL) Germany

Timo Tschammler: “Die in Deutschland gängige Außenprovision birgt erhebliches Konfliktpotenzial.”

Viele Makler fürchten die auf Transparenz und vor allem auf Professionalisierung ausgerichteten Veränderungen der Geschäftspraxis ihrer Branche [1]. Immerhin geht es um die Verteidigung von Einnahmequellen.

Mehr noch: letztlich geht es sogar um das Berufsbild des Maklers. Denn das Bestellerprinzip trennt die Spreu vom Weizen.

Interessen werden gleichgeschaltet

Fakt ist: Umso systematischer, professioneller und internationaler die Teilnehmer im Gewerbeimmobilienmarkt agieren, desto selbstverständlicher findet das von der Großen Koalition bereits 2013 in den Koalitionsvertrag aufgenommene Bestellerprinzip vollumfänglich Anwendung.

Dabei verlangt der Verkäufer vom Makler [2] das Erzielen des besten Preises bei hoher Transaktionssicherheit innerhalb eines bestimmten zeitlichen Rahmens.

Interessen zwischen Auftraggeber und Makler werden so gleichgeschaltet und gemeinsam gegenüber der anderen Vertragspartei vertreten.

Seite zwei: “Unklare Verhältnisse in vielen Fällen” [3]

Dagegen birgt die in Deutschland immer noch gängige, auf reiner Nachweisbasis beruhende Außenprovision erhebliches Konfliktpotenzial und sorgt in vielen Fällen für unklare Verhältnisse.

Im besten Fall erhält der Makler im Auftragsverhältnis mit dem verkaufenden Auftraggeber, für den er den höchsten Preis bei maximaler Transaktionssicherheit und Schnelligkeit erzielen soll, eine Innenprovision.

Ist dies nicht der Fall, spricht man von einer Außenprovision, die vom Käufer [4] bezahlt wird. Konflikte im Zusammenspiel zwischen Kaufpreis, Honorar und transparenter Interessenvertretung sind dann angelegt.

Professionalisierung der Maklerbranche

Hinzu kommt, dass die Ausweitung des Bestellerprinzips [5] der ordnungspolitischen Fairness folgt, nach der der Hauptempfänger einer Leistung diese auch bezahlt.

Die Provisionsverteilung bei Verkäufen an Verbraucher wird derzeit darüber hinaus regional sehr unterschiedlich gehandhabt. Eine ausgewogene, die freien Marktkräfte nicht außer Acht lassende und bundeseinheitliche Regelung könnte helfen, Leistungen transparenter und damit vergleichbarer zu machen.

Die von der Bundesregierung angestrebte Reform wäre ein weiterer Schritt zur Professionalisierung der Maklerbranche, mit einem einheitlichen Leistungsbild, klaren Verantwortlichkeiten und hohen ethischen und professionellen Standards.

Seite drei: “Bestmögliche Qualifizierung der Berater” [6]

Nicht ohne Grund definieren sich alle ernst zu nehmenden Immobilienberater [7] über transparente Qualitätsmerkmale der Beratungsprozesse und eine bestmögliche Qualifizierung der Berater.

Wie dies in allen anderen Beratungsdisziplinen ebenfalls üblich ist. Verbunden mit beachtlichen Investitionen in Marktresearch, die Ausbildung und das Knowhow der Experten.

Bestellerprinzip könnte Wertschätzung steigern

Es ist denn auch kein Geheimnis, dass das Ansehen der Immobilienberatung in Deutschland im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern noch immer vergleichsweise gering ist.

Die Einführung des Bestellerprinzips könnte helfen, die Professionalisierung, Transparenz und letztlich die Wertschätzung zu steigern.

Autor Timo Tschammler ist CEO von JLL Germany.

Foto: Frank Seifert

 

Mehr Beiträge zum Thema Bestellerprinzip:

Bestellerprinzip: Aufteilung der Courtage gefordert [8]

“Bestellerprinzip keineswegs im Interesse des Verbrauchers” [9]

Gutachten: Bestellerprinzip macht Hauskauf teurer statt billiger [5]