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Eigentumswohnungen: Rückläufige Verkaufszahlen bei weiterhin steigenden Preisen

Ein zu geringes Angebot lässt die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen in Deutschland sinken. Nach den Ergebnissen des Accentro Wohneigentumsreports wechselten in 2017 insgesamt 5,62 Prozent weniger Einheiten den Besitzer. Viele Käufer weichen bereits in das Umland der Metropolen aus.

Der Neubau von Wohnungen in den Metropolen hinkt der Nachfrage hinterher.

Insgesamt wurden im Jahr 2017 in den 81 erfassten Großstädten 125.821 Bestands- und Neubau-Eigentumswohnungen verkauft. Damit ist die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr um 7.490 Verkäufe oder 5,62 Prozent gesunken. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Wohneigentumsreport des Berliner Unternehmens Accentro.

Besonders rückläufig sind die Verkaufszahlen laut Accentro in den Metropolen: In Stuttgart (minus 14,98 Prozent), Köln (minus 13,64 Prozent), Hamburg (minus 12,54 Prozent), Frankfurt am Main (minus 12,54 Prozent) und München [1] (minus 10,01 Prozent) gingen die Verkäufe jeweils um zweistellige Prozentwerte zurück.

Gesamtumsatz nur leicht gesunken

Der Gesamtumsatz bei verkauften Eigentumswohnungen ging dagegen nur leicht zurück. Mit einem Rückgang von 1,32 Prozent auf 30,13 Milliarden Euro wurde der Vorjahresrekord von 30,87 Milliarden Euro leicht unterschritten. Mit 2,52 Prozent ist der Umsatzrückgang der Top-Sieben-Städte [2] größer als im Durchschnitt aller Großstädte, nur Düsseldorf und Berlin stemmen sich gegen den Trend.

„Der Gesamtumsatz auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr bei rückläufigen absoluten Verkaufszahlen zeigt eine relativ konstante Nachfrage bei steigenden Wohnungspreisen“, erläutert Jacopo Mingazzini, Vorstand der Accentro Real Estate AG.

Während die Umsätze sowie die absoluten Verkäufe rückläufig sind, sind die Wohnungspreise [3] in den deutschen Großstädten auch 2017 gestiegen. Um 4,56 Prozent legte der durchschnittliche Verkaufspreis den Ergebnissen zufolge in 2017 zu, während im Vorjahr noch ein Plus in Höhe von 7,73 Prozent zu Buche stand. Im Durchschnitt kostete in 2017 eine Wohnung in den erfassten deutschen Großstädten 239.493 Euro.

Überdurchschnittliches Preisplus in den Metropolen

Ein anderes Bild zeigt sich laut Accentro allerdings in den Metropolen, die abgesehen von Köln alle ein überdurchschnittliches Preisplus verzeichnen könnten. Im Schnitt haben sich die Verkaufspreise in den Top-7-Städten 2017 um 6,78 Prozent erhöht.

Insbesondere in Düsseldorf haben sich die Wohnungspreise deutlich um 18,82 Prozent verteuert, auch in Hamburg [4] sind die Umsätze je Verkauf um 13,17 Prozent gestiegen. Zwar sind die Umsätze je Verkauf in Berlin in 2017 ebenfalls gestiegen (um 5,50 Prozent), doch 2016 betrug das Plus noch 16,73 Prozent. In Köln sind die Umsätze je Verkauf 2017 dagegen sogar leicht zurückgegangen.

„Die Ergebnisse unserer diesjährigen Untersuchung untermauern, dass die Neubautätigkeit mit der konstant anhaltenden Nachfrage nicht mitkommt“, so Mingazzini.

Seite 2: Deutliche Preisanstiege im Umfeld der Metropolen [5]

Ausweichbewegungen in das Umland der Metropolen

Mangelndes Wohnungsangebot in den Metropolen aufgrund einer starken Bevölkerungsentwicklung bei gleichzeitig zu geringer Neubautätigkeit [6] führt laut Accentro zu einer steigenden Attraktivität von Großstädten im Umland, die ebenfalls über eine gute Infrastruktur verfügen.

So seien beispielsweise die durchschnittlichen Verkaufspreise in Offenbach um 42,16 Prozent geringer als in Frankfurt, in Bonn um 23,29 Prozent geringer als in Köln. Doch auch an diesen Standorten gibt es Anstiege: Zwischen 2012 und 2017 stiegen die durchschnittlichen Wohnungspreise den Daten zufolge in Offenbach um 90,71 Prozent, Darmstadt um 68,06 Prozent, in Mainz um 61,20 Prozent und in Potsdam um 40,08 Prozent.

Genau wie Heilbronn (plus 71,50 Prozent), Darmstadt (plus 68,06 Prozent) oder Lübeck (plus 39,59 Prozent) hätten sich diese in Metropolregionen gelegenen Städte preislich deutlich stärker entwickelt als der Durchschnitt.

Angebotsmangel führt zu Transaktionsrückgang bei Neubau

Im Jahr 2017 wiesen 49 der 82 erfassten Großstädte einen Rückgang der Neubautransaktionen auf. Dabei handele es sich weder um ein regionales Phänomen, noch um eines, das sich ausschließlich auf Metropolen oder B-Städte [7] beschränke, sondern um eine bundesweite Entwicklung.

Nur zwei der Metropolen weisen laut Accentro eine positive Entwicklung der Neubau-Verkaufszahlen für das Jahr 2017 auf. Düsseldorf hat seine Transaktionszahlen um 7,00 Prozent gesteiert, Berlin weist ein leichtes Plus von 1,84 Prozent auf. In anderen Metropolen sind die Transaktionszahlen dagegen stark rückläufig, in Köln etwa um 38,65 Prozent, in Hamburg und München um 28,01 und 27,18 Prozent. (bk)

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