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Ostdeutschland: Kräftige Preissprünge durch Landflucht

In den östlichen Bundesländern hinterlässt die Landflucht deutliche Spuren: Seit 2008 sind die Mietpreise in den Ballungszentren kräftig gestiegen, während sie in ländlichen Regionen weitestgehend auf unverändertem Niveau bleiben.

Berlin: In der Hauptstadt der Bundesrepublik sind die Mieten mehr als doppelt so teuer wie vor zehn Jahren.

Für eine aktuelle Analyse untersuchten die Experten des Immobilienportals Immowelt die Kaltmieten in allen Stadt- und Landkreisen der ostdeutschen Bundesländer in einem Zehnjahresvergleich. Dabei sei die stärkste Preisentwicklung in Berlin verzeichnet worden.

Wer in der Bundeshauptstadt wohne, der müsse sich mittlerweile mehr als doppelt so viel Miete (plus 104 Prozent) zahlen als noch vor zehn Jahren. Im Median koste der Quadratmeter [1] aktuell 11,40 Euro.

Von dieser Entwicklung sei auch der umliegende Speckgürtel betroffen: Auch in den Landkreisen Dahme-Spreewald (plus 50 Prozent) und Oberhavel (plus 48 Prozent) haben die Mietpreise kräftig angezogen.

Immer mehr Pendler aus dem Speckgürtel

Nach Berlin verzeichnen diese beiden Landkreise Immowelt zufolge die zweit- und drittgrößte Steigerung in Ostdeutschland. Mieter müssen für ihre Wohnung in Dahme-Spreewald 9,00 Euro pro Quadratmeter bezahlen, in Oberhavel 8,90 Euro.

Somit lebe es sich dort noch deutlich günstiger als in der Hauptstadt [2]. Der Kampf um bezahlbare Wohnungen werde dort jährlich noch durch tausende Zuzügler verschärft, die durch Jobs und das positive Image der Stadt angezogen werden.

Die hohen Preise in der Stadt selbst seien mittlerweile Grund genug für viele, sich in den naheliegenden Landkreisen niederzulassen und für den Job in die Großstadt zu pendeln.

Preisniveau steigt auch in anderen Großstädten

Auch andere Großstädte im Osten erleben aktuell einen regelrechten Boom, und das nicht nur durch Zuzügler aus den ländlichen Regionen. So locken vergleichsweise niedrige Mieten und moderne Universitäten in den vergangenen zehn Jahren viele Studenten [3] ostwärts.

Dies mache sich mittlerweile auch auf dem Wohnungsmarkt deutlich bemerkbar: Am stärksten sei die Preissteigerung in Leipzig, wo der Quadratmeter aktuell 6,50 Euro koste – immerhin 35 Prozent mehr als 2008.

Eine ähnliche Entwicklung lasse sich in Dresden, Erfurt oder Jena beobachten: Dort seien die Mieten ebenfalls um rund ein Drittel angestiegen. Deutlich erhöht sei das Preisniveau mittlerweile in Jena, wo eine Wohnung 9,00 Euro pro Quadratmeter koste, was die Stadt zur drittteuersten Ostdeutschlands mache.

Seite zwei: Strukturprobleme verschärfen sich [4]

Mehr und mehr zentralisiere sich das Wohnen, Arbeiten und Leben in Ostdeutschland [5] auf die größeren Städte mit guter Infrastruktur, Bildungsangeboten und Jobs. Besonders das Bundesland Sachsen kämpfe schon seit vielen Jahren mit Strukturproblemen.

Sachsens ländliche Regionen vereinsamen und altern, da junge Menschen von der guten Arbeitsmarktsituation in die Großstädte gezogen werden. Dieser Trend werde durch die Analyse von Immowelt bestätigt.

Wöhrend die Städte Leipzig und Dresden steigende Mieten verzeichnen, bleibe die Preisentwicklung in den umliegenden Kreisen fast ganz aus.

In sieben sächsischen Stadt- und Landkriesen seien die Mieten im vergangenen Jahrzehnt um maximal zehn Prozent gestiegen – ein Wert, der sogar deutlich unter der Inflation von 15 Prozent seit 2008 liege.

Ausnahmen in Chemnitz und Rostock

Zwar seien die Mieten in den meisten Großstädten seit 2008 deutlich teurer geworden, jedoch gebe es auch Orte die von dieser Entwicklung ausgenommen sind – so beispielsweise Chemnitz, wo die Mietpreise [6] lediglich um sechs Prozent angestiegen seien.

In Rostock lasse sich im Zehnjahresvergleich sogar eine Stagnation der Mietpreise erkennen. Dort zahlen die Mieter laut Immowelt 6,80 Euro pro Quadratmeter – und damit genauso viel wie 2008.

Eine Preissteigerung bleibe in der Hansestadt trotz guter wirtschaftlicher Lage und einer großen Universität aus. Grund dafür könne die schwankende Bevölkerungsentwicklung sein, da Rostock lange mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen gehabt habe.

Erst seit kurzem sei wieder ein Aufschwung zu verzeichnen der die Mietpreisspirale [7] wieder ankurbeln könne. Das zeige sich auch daran, dass neben Plattenbauten vermehrt Neubauten in Warnemünde auf den Markt kommen. (bm)

Foto: Shutterstock

 

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