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Preisspirale in Frankfurt dreht sich weiter – auch ohne Brexit-Zuzug

Studien rechnen damit, dass durch den Brexit insgesamt 8.000 bis 10.000 Bankenjobs von der Finanzmetropole London an den Main verlagert werden. Schon ohne Brexit ist die Bevölkerung von 2011 bis 2016 um 9,4 Prozent gewachsen, der Wohnungsbestand jedoch nur um 3,9 Prozent. Ist wirklich mit Preisen oder zumindest Preisanstiegen wie in London zu rechnen? Eine Bestandsaufnahme und Marktpreisanalyse des Immobiliendienstleisters McMakler

Der Brexit dürfte den Druck auf die Immobilienpreise in Frankfurt noch verstärken.

In Frankfurt am Main sind die Preise für Häuser und Wohnungen im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 durchschnittlich um 6,5 Prozent auf 4.667 Euro je Quadratmeter gestiegen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich jedoch die Verschärfung mit einem Blick auf die einzelnen Ortsbezirke der Main-Metropole. Die Innenstadt II, mit den Stadtteilen Bockenheim, Westend- Süd, Westend-Nord, ist mit durchschnittlich 6.843 Euro je Quadratmeter der teuerste Bezirk der Stadt. Gefolgt von der Innenstadt III, mit Nordend-West und Nordend-Ost, sowie Bornheim/Ostend, wo Käufer derzeit 6.206  und 5.820 Euro je Quadratmeter für Wohneigentum zahlen. Das ist ein Preisanstieg in der Innenstadt II um 11,8 Prozent, in Bornheim/Ostend sogar um 12,8 Prozent.

Hohes Preisniveau der Innenstadt schwappt auf Nachbarbezirke über

“Wer in Frankfurt am Main in der Innenstadt II Wohneigentum erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Aktuell sind die durchschnittlichen Quadratmeterpreise dort doppelt so teuer wie im Bezirk West, wo Käufer durchschnittlich 3.367 Euro pro Quadratmeter zahlen. Wir beobachten aber auch, dass das hohe Preisniveau der Innenstadt [1] auf Nachbarbezirke mit bis dato günstigen Immobilienpreisen überschwappt. Vor allem das Schlusslicht im Ranking, der Ortsbezirk West, verzeichnet mit über zehn Prozent einen hohen Preisanstieg”, sagt Lukas Pieczonka, Geschäftsführer von McMakler.

Aber auch Nord-West mit 8,5 Prozent, Kalbach/Riedlberg mit 7,5 Prozent, Mitte-West mit 7,2 Prozent und Ost mit 6,4 Prozent Steigerung rücken vermehrt in den Fokus der Kaufinteressenten und lassen die Preise in die Höhe schnellen – wohlgemerkt ohne wesentliche Brexit-Effekte.

Auffällig ist, dass die Immobilienpreise in Süd, Innenstadt III und Mitte-Nord im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 mit unter einem Prozent Steigerung nahezu stagnieren. Allerdings rangieren diese Bezirke, aufgrund der ohnehin schon hohen Quadratmeterpreise zwischen 4.566 und 6.206 Euro, weiterhin im oberen Preissegment.

Seite zwei: Erste Brexit-Euphorie am Markt verflogen [2]

Brexit-Zuzügler würden natürlich die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen, woraus wiederum höhere Wohnimmobilienpreise und Mieten in Frankfurt resultieren. Allerdings melden Branchenkreise für die letzten beiden Jahre am Frankfurter Immobilienmarkt [3] eine eher zurückhaltende Nachfrage insbesondere aus der britischen Metropole.

Die Unklarheit über den Ablauf des Brexits könnte ein Grund sein. “In Punkto Brexit sind noch viele Fragen offen. Seitdem die Briten per Referendum am 23. Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union votierten, verlaufen die Regierungsverhandlungen in Brüssel stockend. Immer wieder sorgen viele strittige Fragen zwischen den Briten und der EU für ein zähflüssiges Ringen um die Brexit-Bedingungen. Bis zu dem von London erklärten Austrittsdatum am 29. März 2019 werden noch viele wichtige Rahmenbedingungen zu klären bleiben”, sagt Pieczonka von McMakler.

Bislang kein Gewinner des Brexit

In der Branche stellen viele Insider mit Blick auf die vergangenen Jahre fest, dass es aktuell in Europa keinen Gewinner und keinen Büromarkt gibt, der tatsächlich vom Brexit profitieren konnte. Gegenüber einem Branchenmagazin sagten Experten der Boston Consulting Group (BCG), dass rund zwei Drittel der Londoner Finanzunternehmen derzeit noch keine genauen Pläne für eine Verlagerung des Standorts nach dem Brexit hätten, zumal auch New York und Dublin um die Brexit-Banker buhlen. In der Tat scheint bisher die irische Hauptstadt stärkster Konkurrent für Frankfurt zu sein. Während für Frankfurt die Nähe zur Europäischen Bankenaufsicht, der Europäischen Zentralbank (EZB) und den Zentralen einiger Großbanken spricht, scheinen sich viele Briten mit der Sprache und den ähnlichen Bankenregeln in Dublin eher anfreunden zu können.

Dementsprechend ist auch der große Ansturm von Brexit-Bankern in die Mainmetropole bisher ausgeblieben, obwohl Prognosen in Fachkreisen Mitte 2016 fünfstellige Zahlen ausgerufen hatten. Andere sehen sogar beträchtliche Multiplikatoreffekte: 2,1 bis 8,8 Mal mehr Stellen sollen noch dazu kommen. Das würde sich wiederum deutlich auf den Wohnungsmarkt, gerade im oberen Preissegment, auswirken.

Seite drei: Erreichen Wohnimmobilienpreise Londoner Niveau? [4]

So mancher Frankfurter befürchtet, dass die Wohnungspreise nach dem Brexit Londoner Niveau erreichen könnten. “Und das nicht zu Unrecht: Die Londoner Banker sind enorm hohe Preise gewöhnt. Das für deutsche Verhältnisse teure Frankfurt ist für die Banker von der Insel günstig. Eine Verlängerung des ohnehin anhaltenden Preisaufschwungs sowohl bei Mieten als auch bei Kaufobjekten ist die logische Folge”, erklärt der Geschäftsführer von McMakler.

Stadt und Umland stehen aktuell vor einer großen Herausforderung am Wohnungsmarkt. Ob der Beschluss aus dem letzten Jahr, im Frankfurter Nordwesten einen neuen Stadtteil mit 12.000 bis 30.000 Einwohnern zu errichten, Abhilfe schaffen kann, wird sich zeigen müssen. Bis die ersten Wohnungen dort in sechs bis neun Jahren verfügbar sind, bleibt der Frankfurter Wohnungsmarkt wohl extrem angespannt. Miet- und Kaufpreise für Wohnimmobilien werden somit auch 2018 und 2019 weiter ansteigen. (fm)

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