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Wie entwickeln sich die Baufinanzierungszinsen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Anleihekäufe ab Oktober halbieren, die US-Notenbank Federal Reserve steht vermutlich vor einem weiteren Zinsschritt. Qualitypool untersucht, wie sich die Baufinanzierungszinsen in Deutschland im aktuellen Marktumfeld entwickeln.

Die EZB wird ihre Anleihekäufe zum Jahresende vermutlich komplett einstellen.

Die Sommerpause der Notenbanken ist zu Ende: Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt ihre geldpolitische Sitzung bereits ab, die US-Federal Reserve (Fed) tagt Ende September. Im Vorfeld zeigten sich die Bestzinsen für zehnjährige Baufinanzierungen volatiler als gewohnt. Die 15-jährigen Zinsbindungen blieben dagegen in den letzten Wochen fast unverändert.

Auf der Zinssitzung der EZB wurden keine neuen geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Der grobe geldpolitische Fahrplan für die kommenden Monate stand bereits im Vorfeld fest: Als Nächstes werden im Oktober die Nettoanleihekäufe [1] von monatlich 30 Milliarden auf 15 Milliarden Euro reduziert. Zum Jahreswechsel werden die Anleihekäufe voraussichtlich eingestellt.

Geldpolitische Pläne wie bisher − Fokus auf ökonomischer Analyse der EZB

Gute Arbeitsmarktdaten und steigende Löhne bestätigten zuletzt die positive Konjunkturentwicklung in der Eurozone. Die EZB lobte auch die stärkere Investitionsbereitschaft der Unternehmen.

Die Kerninflationsrate ließ zuletzt zwar zu wünschen übrig: Sie sank im August leicht von 1,1 auf 1,0 Prozent. EZB-Präsident Mario Draghi geht aber weiterhin von einer mittelfristig steigenden Kerninflation und einer generellen Inflation von 1,7 Prozent für 2018, 2019 und 2020 aus.

Als wirtschaftlicher Unsicherheitsfaktor für die Entwicklung der Eurozone gilt unter anderem die wachsende Inflation in Schwellenländern [2] wie der Türkei und Argentinien. Auch die EZB sieht es kritisch, dass diese Länder mit einer hohen Auslandsverschuldung − im Zuge der anziehenden Zinspolitik in den USA und der Eurozone − unter wirtschaftlichen Druck geraten sind. Draghi wies aber darauf hin, dass dies aktuell nicht bei allen Schwellenländern der Fall ist.

Fed vor Zinsanhebung – Überhitzung der US-Wirtschaft soll vermieden werden

Die Fed musste zuletzt mehrfach Kritik von US-Präsident Donald Trump [3] einstecken. Er sähe es gerne, wenn die US-Notenbank [4] die Zinsen vorerst nicht weiter erhöht, um den starken Dollar in Schach zu halten und den Export zu stützen. Danach sieht es aber nicht aus.

Vielmehr wird fest damit gerechnet, dass die Fed auf der Zinssitzung am 25./26. September den Leitzins um weitere 0,25 Prozentpunkte anhebt. Sie will damit überhöhten Inflationsraten und einer Überhitzung der US-Wirtschaft entgegentreten. Für die Eurozone könnte dies bedeuten, dass der Dollar weiter anzieht und die eigenen Exportraten hoch bleiben.

Seite 2: Zinsen für zehnjährige Zinsbindungen zeigen sich volatil [5]

Bestzinsen für Baufinanzierungen – aktuelle Entwicklung und Ausblick

„Die Bestzinsen für zehn- und 15-jährige Baufinanzierungen haben sich in den letzten Wochen uneinheitlich entwickelt“, kommentiert Jörg Haffner, Geschäftsführer bei Qualitypool. „Bei den 15-jährigen Zinsbindungen [6] hat sich kaum etwas getan. Seit Ende Juli stiegen sie minimal von 1,46 auf 1,49 Prozent. Für die zehnjährigen Zinsbindungen ging es dagegen zunächst aufwärts von 1,13 auf 1,20 Prozent. Ende August folgte ein Rückgang auf 1,03 Prozent. Geldpolitische Überraschungen für den Anleihen- und Zinsmarkt wird es in den nächsten Wochen voraussichtlich nicht geben. Bleiben einige politische und wirtschaftliche Risiken, die aktuell nicht das Potenzial besetzen, die Zinsen völlig durcheinander zu wirbeln.“ Qualitypool gehe weiterhin kurzfristig von einem leicht schwankenden Seitwärtstrend und langfristig von leicht steigenden Bauzinsen aus.

Haffner ergänzt: „Die direkte Kritik von Präsident Trump an der Notenbankpolitik ist – vorsichtig formuliert – ungewöhnlich. Fed-Präsident Jerome Powell hat aber deutlich gezeigt, dass er eine Einflussnahme durch die Regierung ablehnt. Das spricht natürlich für die Stabilität der US-Notenbankpolitik. Die EZB wiederum bleibt wachsam bezüglich politischer Einflussfaktoren wie Protektionismus, dem Währungsdruck in einigen Schwellenländern und der steigenden Volatilität auf den Finanzmärkten. Sie gab sich auf der jüngsten Sitzung aber relativ optimistisch. Draghi sprach von weitgehend ausgewogenen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone.“ (bk)

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