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Wohninvestments: Hohe Nachfrage bei geringem Angebot

Die Nachfrage von Investoren und Privatkäufern nach Anlageobjekten ist ungebrochen hoch, die Preise verbuchen vielerorts immer neue Höchstwerte. Cash. hat untersucht, wie sich der Markt entwickelt und an welchen Standorten sich den Anlegern noch Chancen bieten.

Die hohe Nachfrage auf dem Wohninvestmentmarkt trifft derzeit auf ein sich immer weiter verknappendes Angebot.

Anlage verzweifelt gesucht – das könnte derzeit das Motto vieler Investoren sein. Wohnimmobilien [1] als Kapitalanlage erleben seit Jahren einen enormen Andrang. Insbesondere sogenannte Zinshäuser stehen bei privaten Anlegern und Investoren hoch im Kurs.

Sie erwerben in großem Stil Gründerzeithäuser und auch Mehrfamilienhäuser jüngerer Baujahre. Dieser Trend hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt.

“2017 war wie das Jahr zuvor von einem ungebrochenen Anstieg der Nachfrage geprägt, sie übersteigt das Angebot um ein Vielfaches. Entsprechend haben sich auch die Preise weiter nach oben entwickelt”, berichtet Daniel Ritter, Geschäftsführender Gesellschafter bei von Poll Immobilien, Frankfurt.

Alternative Anlageformen fehlen

Es sei weiterhin großes Interesse an ertragsstarken Mehrfamilienhäusern in bevorzugten Lagen zu beobachten, aber auch ein weiterer Trend: Erfahrene Käufer seien nicht bereit, jeden Preis zu zahlen und schauen genau auf das Angebot.

“Daher fiel der Anstieg der Transaktionszahlen voraussichtlich auch wieder verhaltener aus als in den Vorjahren. Investitionen [2] um jeden Preis gibt es immer weniger“, so Ritter weiter.

Laut Roman Heidrich, Team Leader Residential Valuation Advisory Jones Lang LaSalle Berlin, ist die Nachfrage nach Zinshäusern mangels alternativer Anlageformen unverändert hoch, bei geringem Angebot in den wirtschaftlich starken Großstädten und Ballungsgebieten.

“Eine Trendwende zum Vorjahr lässt sich nicht erkennen. Zwischenzeitlich haben sich die erzielbaren Renditen weiter nach unten entwickelt. Sie liegen in Berlin nun bei einer Bruttoanfangsrendite von rund 3,2 Prozent. Nur in München sind die Renditen mit 2,8 Prozent noch geringer“, so Heidrich.

Investoren werden flexibler

“Der Druck auf die Märkte ist weiterhin hoch, wohingegen sich das Angebot vor allem in den sehr guten und guten Lagen weiter verknappt. Anleger werden flexibler bei der Objektsuche und investieren auch in einfachere Lagen beziehungsweise kleinere Standorte“, berichtet Dr. Maike Brammer, Head of Research bei Engel & Völkers Commercial.

Auch nach Aussage von Björn Dahler, Geschäftsführer und Gründer von Dahler & Company in Hamburg, trifft die hohe Nachfrage in allen Segmenten auf ein sich verknappendes Angebot – vor allem in den Top-Standorten.

“Auf dem Wohninvestmentmarkt bedeutet das in der Folge, dass sich Käufer nun verstärkt an Anlageobjekten in B- und C-Städten [3] orientieren, die ein höheres Mietsteigerungs- und damit Wertschöpfungspotenzial aufweisen.“

Seite zwei: Hohe Nachfrage durch niedrige Zinsen [4]

Eine wesentliche Ursache für die generell hohe Nachfrage der Investoren und Anleger nach Immobilien [5] liegt in der nach wie vor anhaltenden Niedrigzinsphase.

Das wesentlichste Anlagemotiv sei nach wie vor die Alternativlosigkeit im sicheren Bereich der Wertpapiere. Bei Aktienquoten von 100 Prozent selbst in konservativen Depots bleiben die Anleger nervös.

“Da lockt nach wie vor der vermeintlich sichere Hafen des Betongoldes, wobei Sandbänke, Riffe und Untiefen sehr gern übersehen oder schön geredet werden“, erklärt Oliver Moll, Inhaber und Geschäftsführer von Moll & Moll Zinshaus, Hamburg.

Kaum Veränderungen in Sicht

Vielen Investoren geht es dabei laut Ulrich Dahl, Geschäftsführer Engel & Völkers Commercial Rheinland, nicht in erster Linie um die Erträge aus den Anlageobjekten: “Hauptmotiv vieler Anleger in den A-Standorten ist sicherlich, den Wert des Geldes durch die Investition in Immobilien zu sichern. Renditeaspekte finden immer weniger Beachtung.“

Nach Einschätzung von Heidrich sind grundlegende Veränderungen nicht in Sicht. “Die Anlagemotive der letzten Jahre sind derzeit weiterhin intakt. Das Niedrigzinsumfeld und ein Mangel an risikoarmen Investitionsmöglichkeiten [6] führten auch 2017 zu einem hohen Kapitalzufluss in den Zinshausmarkt.“

Nachfrage bleibt 2018 hoch

Für 2018 lasse sich derzeit kein fundamentaler Wandel des Anlageumfelds erkennen. “Selbst bei einem leichten Anstieg des Zinsniveaus, was derzeit möglich erscheint, sollten sich die Auswirkungen auf den Zinshausmarkt vorerst begrenzt halten. Andere risikoarme Anlagen wie Bundesanleihen dürften 2018 weiterhin keine Alternative darstellen“, so Heidrich.

Derzeit gibt es nach Einschätzung von Dahler keine Anhaltspunkte, die auf einen Rückgang der Nachfrage schließen lassen. „Lediglich die Orientierung wird sich verschieben. In den A-Lagen sind kaum noch ertragreiche Objekte zu finden, die verfügbar sind. Und die Ausnahmen zeichnen sich vor allem durch sehr hohe Preise aus, deren Folge sinkende Anfangsrenditen sind.“ Die Preise [7] werden laut Dahler weiter steigen, wenn auch moderater als bisher. (bk)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 02/2019. [8]

Foto: Shutterstock

 

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