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Auch ohne Eigenkapital zum Traumhaus?

Noch nie waren die Zinsen so niedrig wie zurzeit und viele Deutsche möchten sich die günstigen Konditionen sichern – auch ohne Eigenkapital. Doch so verlockend eine Vollfinanzierung klingt, zukünftige Eigenheimbesitzer müssen bei dieser Variante auch die Nachteile berücksichtigen.

Bei einer Vollfinanzierung wird – wie der Name schon sagt – der volle Kaufpreis durch das Darlehen finanziert. Eigenes Kapital wird dann nur für die Nebenkosten benötigt. Diese bestehen beispielsweise aus der Grunderwerbssteuer sowie Makler- und Notarkosten. Können selbst diese rund zehn Prozent nicht aus eigener Tasche finanziert werden, besteht noch die Möglichkeit einer 110-Prozent-Finanzierung. „Da Kreditgeber bei einer solchen Finanzierung ein deutlich höheres Risiko eingehen, müssen Darlehensnehmer über ein sehr hohes und vor allem sicheres Einkommen verfügen. Hier haben besonders Personen im öffentlichen Dienst einen Vorteil und bekommen mit größerer Wahrscheinlichkeit den Zuschlag für eine Vollfinanzierung“, erklärt Stephan Scharfenorth, Geschäftsführer des Baufinanzierungsvermittlers Baufi24.de. Außerdem dürfen Kreditnehmer darüber hinaus keine weiteren Schulden haben. Auch die Immobilie selbst spielt eine Rolle: Je besser Lage und Zustand des Hauses, desto wahrscheinlicher ist die Kreditzusage.

Gründliche Kalkulation entscheidend

Da Kreditinstitute bei einer Vollfinanzierung ein höheres Ausfallrisiko haben, müssen Darlehensnehmer Zinsaufschläge in Kauf nehmen. Diese richten sich nach der Höhe des eingebrachten Eigenkapitals: Je weniger Geld aus eigener Tasche stammt, desto größer die Aufschläge. Auch die Tilgung fällt bei einer 100-Prozent-Finanzierung höher aus. „Wichtig ist bei der Kalkulation auch die Berücksichtigung der Anschlussfinanzierung: Da die Zinsbindung üblicherweise bei 10 bis 15 Jahren liegt, könnte es bei zwischenzeitlich eventuell gestiegenen Zinsen dann finanziell eng werden“, so Scharfenorth weiter.

Fazit: Nur für wenige Personen kommt eine Vollfinanzierung in Frage. Sind nicht alle Rahmenbedingungen erfüllt, ist eine Finanzierung mit mindestens 20 Prozent Eigenkapital die risikofreiere Variante.

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