- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Baufinanzierung: So klappt die 100-Prozent-Finanzierung

Wie viel Eigenkapital sollte man beim Immobilienkauf mitbringen? Die gängige Empfehlung “Nebenkosten plus 20 Prozent des Immobilienpreises” ist bei steigenden Preisen und Nebenkosten häufig nicht mehr realistisch. Wie funktioniert die Finanzierung trotzdem?

Gerade bei 100-Prozent-Finanzierungen sind eine lange Zinsbindung und hohe Tilgung essenziell.

“Gerade junge Leute haben noch keinen nennenswerten Betrag für eine Immobilie angespart. Gleichzeitig möchten sie aber ihren Wunsch vom eigenen Haus oder der Wohnung nicht auf die lange Bank schieben und die momentan günstigen Zinsen mitnehmen”, erklärt Tarkan Atik, Spezialist für Baufinanzierung [1] bei Dr. Klein.

Das Anliegen ist verständlich, schließlich befinden sich die Bauzinsen aktuell auf äußerst niedrigem Niveau. Experten zufolge ist zwar auch in nächster Zeit wenig Dynamik bei den Zinsen zu erwarten – Dr. Klein geht jedoch davon aus, dass sie in ein oder zwei Jahren höher sein werden.

Hoher Beleihungsauslauf wird zum Problem

Fakt ist: Wer kein Eigenkapital mitbringt, dem gibt die Bank einen höheren Sollzins. Grund dafür ist das größere Risiko für die Bank, im Fall einer Zwangsverwertung nicht mehr den gesamten Betrag zurückzubekommen – und das wird mit eingepreist.

Das macht die Finanzierung zwangsläufig teurer und meist auch langfristiger. Darlehensnehmer müssen also mit höheren Raten rechnen und können oft weniger hoch tilgen.

Somit tragen sie die finanzielle Belastung nicht nur über einen längeren Zeitraum, sondern haben auch bei der Anschlussfinanzierung schlechte Karten, da noch mehr Restschuld verbleibt. Dann muss ein größerer Betrag – mit höheren Zinsen – aufgenommen werden.

Ist dann auch noch das Zinsniveau gestiegen, fällt der Unterschied zu einer Finanzierung mit mehr Eigenkapital [2] umso deutlicher aus.

Seite zwei: Achten Sie auf Ihre Lebensqualität! [3]

“Zwar finden wir oft Bankpartner für 100-Prozent-Finanzierungen. Aber je höher der Beleihungsauslauf wird – das ist der fremdfinanzierte Anteil am Immobilienwert [4] – umso kritischer sollte die Finanzierung geprüft werden”, gibt Atik zu bedenken.

Die Frage sei ihm zufolge nicht nur, ob man die Raten irgendwie aufbringen kann, sondern auch, wie es um die eigene Lebensqualität stehe.

“Wer in ständiger Sorge lebt, dass unvorhergesehene Reparaturen oder Anschaffungen anfallen oder sich während der Laufzeit keine angenehmen Dinge wie einen Urlaub leisten kann, der sollte von dem Vorhaben Abstand nehmen.

Mehr Flexibilität durch Tilgungssatzwechsel

Laut Tarkan Atik spricht generell nicht dagegen durchzurechnen, wie eine 100-Prozent-Finanzierung aussehen würde. Denn wenn die Rahmenbedingungen stimmen – gutes Einkommen, stabile finanzielle Perspektiven – seien die Interessenten manchmal überrascht, welche realisierbaren Möglichkeiten es für sie gebe.

Generell gilt: Gerade bei 100-Prozent-Finanzierungen sind eine lange Zinsbindung und hohe Tilgung essenziell. Sondertilgungen – zum Beispiel aus Erbschaften [5] oder Versicherungen – helfen, schnell von den anfänglichen Schulden herunterzukommen.

Wer darüber hinaus Tilgungssatzwechsel vereinbart, verschafft sich noch mehr Flexibilität, falls beispielsweise ein Elternteil nach einer Auszeit wieder in den Beruf einsteigt oder Gehaltssteigerungen zu erwarten sind.

Seite drei: Mehrere Finanzierungsbausteine kombinieren [6]

Auch eine Kombination mehrerer Finanzierungsbausteine kann Dr. Klein zufolge günstig sein. So verhilft beispielsweise ein kurz laufendes Privatdarlehen dem langfristigen Annuitätendarlehen zu einem besseren Beleihungsauslauf und damit zu günstigeren Zinsen.

Es kommt immer auf den Einzelfall an

Diese Variante sollten Darlehensnehmer jedoch gut prüfen: Der Privatkredit ist teuer und sollte schnell abbezahlt werden. Je nach Ausgangslage kommen auch Volltilgerdarlehen, Bausparverträge oder – wie im obigen Beispiel – tilgungsausgesetzte KfW-Darlehen in Frage.

“Bei jeder Baufinanzierung [7] kommt es auf den Einzelfall an. Wenn kein Eigenkapital eingebracht wird, sind die individuellen Rechnungen und Anpassungen wirklich entscheidend: Hier ist der Grat zwischen machbar und empfehlenswert besonders schmal”, so Atik. (bm)

Foto: Shutterstock

 

Mehr Beiträge zum Thema Baufinanzierung:

Baukindergeld: Umland lockt Familien [8]

Acht Baufinanzierungs-Tipps auf den Punkt gebracht [9]

Anschlussfinanzierung: Mit wenig Aufwand tausende Euro sparen [10]