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Immobilie geerbt? Freibeträge senken die Erbschaftssteuer

In Deutschland sind Erben verpflichtet, eine hohe Erbschaftssteuer zu zahlen. McMakler erklärt, welche Freibeträge existieren und wie Erben sie geschickt nutzen.

 

Steuerfreibeträge senken Erbschaftssteuer

Begünstigte, die ein Erbe erhalten, müssen es versteuern. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Immobilie oder um Vermögen in einer anderen Form handelt. Dies ist im Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG) gesetzlich festgelegt. Es gibt jedoch auch Freibeträge, die gewisse Vermögenswerte und Anteile des vererbten Vermögens von der Steuer befreien. „Wie viel Steuern ein Erbe am Ende zahlen muss, hängt nicht nur von der Höhe des Erbes ab. Hinzu kommen Verwandtschaftsgrad zwischen Erben und Erblasser sowie die Steuerklasse des Erben, die den Freibetrag der Erbschaftssteuer bestimmen. Bei nahen Verwandtschaften müssen Erben oft keine Erbschaftssteuer zahlen, weil Steuerfreibeträge ausreichen“, sagt Lukas Pieczonka, Gründer und Geschäftsführer von McMakler.

Ehepartner und eingetragene Lebenspartner profitieren am meisten

Ehepartner und eingetragene Lebenspartner haben bei den Steuerfreibeträgen die größten Vorteile. Ihnen ist es erlaubt, bis 500.000 Euro steuerfrei zu erben. An zweiter Stelle kommen Kinder und Stiefkinder, die bis zu 400.000 Euro bekommen dürfen, ohne Abgaben zu leisten. Für Enkel gilt ein Freibetrag von 200.000 Euro, während für Eltern und Voreltern ein Freibetrag von 100.000 Euro gilt. Die niedrigsten Freibeträge mit 20.000 Euro bekommen Eltern oder Voreltern bei Schenkung, Geschwister, Nichten, Neffen, Stiefeltern, geschiedene Ehepartner oder sonstige Personen. „Je enger der Erbe also mit dem Erblasser verwandt ist, desto mehr profitiert er von hohen Freibeträgen“, teilt Immobilienexperte Pieczonka mit.

Seite 2: Freibeträge im Detail [1]

Besonderer Versorgungsfreibetrag nach Paragraf 17 ErbStG

Ehegatten und Kindern des Erblassers steht zusätzlich zum normalen Freibetrag nach Paragraf 16 ErbStG der besondere Versorgungsfreibetrag zu (Paragraf 17 ErbStG). „Wem als Erbe durch den Tod des Erblassers Versorgungsbezüge zustehen, muss wissen, dass der besondere Versorgungsfreibetrag circa um den zu erwartenden Kapitalwert der zukünftigen Versorgungsbezüge gekürzt wird. Zu den Versorgungsbezügen zählen beispielsweise die Halbweisen- oder Witwenrente“, so Pieczonka von McMakler. Für Ehe- und Lebenspartner gilt ein Versorgungsfreibetrag von 256.000 Euro, für Kinder bis fünf Jahre 52.000 Euro, Kinder von fünf bis zehn Jahren 41.000 Euro, von zehn bis 15 Jahren 30.700 Euro, von 15 bis 20 Jahren 20.500 Euro und von 20 bis 27 Jahren 10.300 Euro.

Freibeträge für Hausrat und persönliche Gegenstände

Aufgepasst: Zusätzlich zu den normalen Freibeträgen gibt es in Erbfällen auch einen Freibetrag für Hausrat in Höhe von 43.000 Euro. Dazu zählen Kleidungsstücke und Wäsche. Des Weiteren gibt es einen Freibetrag in Höhe von 12.000 Euro für andere bewegliche Gegenstände, die nicht zum Hausrat zählen. Insgesamt ist es Erbnehmern erlaubt, bewegliche Gegenstände bis zu einem Wert von 53.000 Euro steuerfrei zu erben. Bei entfernten Verwandten ist nur ein Freibetrag von 12.000 Euro erlaubt.

Umgehung der Erbschaftssteuer

Beim Vererben eines Grundstückes reichen manchmal schon Steuerfreibeträge aus, um eine hohe Erbschaftssteuer zu vermeiden. Wenn das nicht zutrifft, gibt es weitere Möglichkeiten, um die Erbschaftssteuer so gering wie möglich zu halten. Zum einen sollten Erblasser das Testament gut durchdenken. „Wer zu Lebzeiten seinen Nachlass regelt, kann die Nachteile der gesetzlichen Erbfolge umgehen. Der Erblasser entscheidet dann darüber, wer, was und wie viel bekommen soll. Noch besser wäre es, wenn sie das Erbe so aufteilen, dass sie die jeweiligen Steuerfreibeträge nicht überschreiten, um die Erbschaftssteuer komplett zu vermeiden“, rät Lukas Pieczonka von McMakler. Die effektivste Methode ist es aber einen Vermögensteil schon zu Lebzeiten zu verschenken. Es existiert eine Schenkungssteuer, die von der Steuerklasse des Begünstigten abhängt. Doch auch hier gibt es Steuerfreibeträge, die alle zehn Jahre genutzt werden können. Demnach ist es von Vorteil, wenn Erben schon zu Lebzeiten einen steuerfreien Vermögensteil bekommen.

Seite 3: Adoptionsantrag [2]

Immobilien in der Erbschaftssteuer

Im ErbStG werden Immobilien begünstigt behandelt. Nur 90 Prozent des Immobilienwertes werden bei der Erbschaftssteuerberechnung berücksichtigt, wenn die Immobilie vermietet ist. „Um sich als Erbe von der kompletten Erbschaftssteuer zu befreien, muss der Erblasser selbst im Objekt gewohnt haben und der Erbe die nächsten Jahre ebenfalls die Immobilie bewohnen. Auch die Immobilie zu Lebzeiten zu verschenken wäre von Nutzen, um Nießbrauchrechte einzuräumen. Diese Nießbrauchrechte senken die Schenkungssteuer und sorgen dafür, dass der Erblasser das Recht an Mieteinnahmen oder auf mietfreies Wohnen bis an sein Lebensende hat“, klärt der Immobilienexperte von McMakler auf.

Adoptionsantrag als Mittel zur Steuerersparnis

Bei einer Adoption des vorgesehen Erbnehmers wird dessen Freibetrag deutlich erhöht. Für viele Menschen ist das durchaus ein Weg, um Steuern zu sparen. Doch wer einzig und allein einen Adoptionsantrag stellt, um steuerliche Vorteile zu bekommen, muss dies überdenken. Anträge auf Adoption werden nicht genehmigt, wenn sie dem alleinigen Zweck der Steuerersparnis dienen.

Foto: Shutterstock