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Immobilienmakler: Die Zukunft des Maklergeschäfts

Früher betrieben Immobilienmakler ihr Geschäft vor allem durch eine gute Vernetzung in ihrer jeweiligen Region und Mund-zu-Mund-Propaganda. Zwar ist dies auch in heutiger Zeit noch nützlich, doch die fortschreitende Digitalisierung und neue Services verändern das Berufsfeld fundamental.

Die Nachfrage der Käufer nach Wohnimmobilien in urbanen Metropolregionen ist hoch.

Wer vor 25 Jahren eine Immobilie kaufen wollte, schaute zuerst in die Zeitung. Knappe Announcen wie “EFH, 140 qm, 800 qm Grundstück, ruhige Lage” bewarben die zum Verkauf stehenden Domizile.

Viele Informationen erhielt der Interessent erst, wenn er direkt Kontakt mit dem Verkäufer oder Immobilienmakler [1] aufnahm. Aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar.

Der Prozess der Immobilienvermittlung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die Einführung von Online-Portalen vor rund 20 Jahren war der erste große Schritt.

Seitdem ist es gang und gäbe, dass Interessenten Objekte online finden und dort nach Objekttyp, Standort und Stadtteil gefiltert suchen können. Die Printanzeige hat nur noch eine untergeordnete Bedeutung.

Grundlegender Wandel des Berufsbilds

Auch traditionelle Immobilienmakler nutzen die Online-Portale durchweg zur Vermarktung ihrer Objekte. In jüngerer Zeit kommen darüber hinaus immer mehr digitale Tools dazu, die das Geschäftsfeld verändern. Auch neue Anbieter wie das Maklerportal Home haben Einfluss auf den Markt.

“Die Digitalisierung [2] wandelt das Berufsbild des Immobilienmaklers grundlegend. Insbesondere der Bereich der Objektakquise verändert sich erheblich”, erklärt Friederike Hesse, Chief Operating Officer bei Homeday.

“Während der traditionelle Einzelmakler Immobilien früher vor allem durch Kontakte in der jeweiligen Region, Empfehlungen und Networking akquiriert hat, so findet dieser Prozess inzwischen verstärkt über das Internet statt. Eigentümer, die ihre Immobilie verkaufen wollen, informieren sich heute in erster Linie im Internet und stoßen dort bereits auf Anbieter.“

Seite zwei: “Digitalisierung vereinfacht Routineaufgaben” [3]

Die Vernetzung von Informationen und die strukturierte Verfügbarkeit großer Datenmengen vereinfacht nach Aussage des Immobilienverbands IVD, der einen Großteil der Immobilienmakler in Deutschland vertritt, die Arbeit dieser Berufsgruppe.

“Informationen über Objekte, Kauf- und Mietpreise [4] lassen sich viel effektiver und effizienter beschaffen und verarbeiten. Genauso sieht es in der Kommunikation mit Interessenten und Auftraggebern aus”, sagt IVD-Bundesgeschäftsführerin Sun Jensch.

“Die Digitalisierung vereinfacht also die Erledigung von Routineaufgaben und erlaubt es Immobilienmaklern, mehr Zeit in ihre Kernkompetenzen zu investieren: die Beratung von Vermietern und Mietern beziehungsweise Verkäufern und Käufern.”

Online Präsenz zeigen

Das Portal McMakler setzt auf umfassende digitale Unterstützung. “Käufer und Verkäufer erwarten heute eine andere Darstellung der Dienstleistung, die digitale Kanäle mit einbezieht. Unser Ziel ist, alle Schritte des Verkaufsprozesses zu digitalisieren und damit schneller und effizienter zu machen“, sagt Hanno Heintzenberg, Geschäftsführer von McMakler.

“Der Bereich der Objektakquise hat früher einen Großteil der Arbeit des Immobilienmaklers ausgemacht. Wir nehmen ihm diese Aufgabe ab. Es geht vor allem darum, online dort präsent zu sein, wo sich Eigentümer [5], die ihre Immobilie verkaufen wollen, informieren.” Dies geschehe bei McMakler durch Online-Marketing und Elemente wie etwa Google- und Display-Werbung.

Seite drei: Wird der Makler überflüssig? [6]

Dass der Makler durch diese Entwicklung künftig überflüssig wird, ist nach Einschätzung von Christian Evers, Chief Digital Officer bei Engel & Völkers (E&V), jedoch nicht zu erwarten.

“Auch wenn der gesamte Prozess der Immobilienvermittlung sich durch die Digitalisierung verändert, so wird dies den Immobilienmakler [7] nicht ersetzen. Die persönliche Begleitung durch den Makler bleibt weiterhin der entscheidende Aspekt“, unterstreicht er.

Wie gehen die Marktteilnehmer mit der Digitalisierung um? Der IVD, in dem viele Einzelmakler und kleinere Makler- unternehmen vertreten sind, will seine Mitglieder durch die Veränderungen der Branche führen.

Digitaler Ratgeber von IVD

Als erster Verband in der Immobilienwirtschaft [8] habe er vor eineinhalb Jahren seinen Mitgliedern einen digitalen Ratgeber an die Hand gegeben.

“Der IVD Digital Kompass analysiert in einem ersten Schritt die Struktur des Unternehmens und zeigt im zweiten Schritt Potenziale und mögliche Anwendungen auf“, erläutert Jensch.

Im dritten Schritt empfehle der Digital Kompass passende Anbieter und stelle Größenordnungen der benötigten Investitionen dar.

Seite vier: Schnittstellen oft noch nicht kompatibel [9]

Der Ratgeber sei seit Sommer für alle Interessenten geöffnet und werde stetig weiterentwickelt. Eine Reihe von Anbietern bietet bereits spezielle Tools und Software für Makler [10] und Immobilienverwalter an.

Derzeit ist nach Angaben des IVD vor allem das Thema Schnittstellen zwischen den verschiedenen Programmen zentral. Diese seien zum jetzigen Zeitpunkt oft nicht kompatibel.

“Auf unserem letzten Expertentreffen haben wir gemeinsame Schnittstellen diskutiert, damit die Tools auch tatsächlich miteinander kommunizieren können“, so Jensch. Der IVD arbeite daran, zusammen mit den Immobilienprofis und den Vertretern der Proptechs Lösungsansätze für die Anbindung von Tools herausarbeiten.

Große Investitionen notwendig

Generell rät der IVD seinen Mitgliedern, genau abzuwägen, welche Anwendungen sie benötigen. “Die Maklerunternehmen sollten sich dem Thema Digitalisierung [11] modular zuwenden – also Schritt für Schritt”, betont Jensch.

“Denn das Thema fordert große Investitionen, die erst einmal gestemmt werden müssen. Makler sollten prüfen, an welchen Punkten ihres Arbeitsprozesses digitale Anwendungen hilfreich sein können. Dazu sollten Kosten und Nutzen genau abgewogen werden. Auch eine Online-Strategie zu entwickeln, ist aus unserer Sicht ein Must-have.”

Bis vor rund fünf Jahren seien Netzwerkfähigkeiten für Immobilienmakler zentral gewesen – draußen am potenziellen Kunden zu sein, war das A und O. Heute könne der Makler im Wesentlichen das Geschäft professionell über digitale Welten aufbauen – zumindest, um zu vermarktende Immobilien in den Vertrieb zu geben.

“Darüber hinaus sollten Makler, wie gesagt, die digitalen Werkzeuge als Gelegenheit sehen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren: die persönliche Präsenz vor Ort, den persönlichen Kontakt mit den Klienten und die Marktkenntnis“, so Jensch.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 01/2019 [12].

Foto: Shutterstock

 

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