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PWC-Studie offenbart große Hürden für BIM. Doch Digitalisierung geht auch anders!

Die restliche Welt mag bereits im digitalen Zeitalter angekommen sein, das deutsche Bauwesen verweilt indessen noch weitgehend auf der Schwelle zu diesem. Dabei könnte die Baubranche schon wesentlich mehr von der Digitalisierung haben, wenn sie nur einfacher dächte. Ein Kommentar von Dr.-Ing. Patrick Christ, Gründer und Geschäftsführer des Bausteuerungssoftware-Herstellers Capmo.

Das digitale Bauen wird mittlerweile weitgehend mit Building Information Modeling (BIM) gleichgesetzt, welches als umfassende Lösung für eine nahezu perfekte Planung zweifellos das höchste Ziel sein sollte – zumal auch der Gesetzgeber den Einsatz von BIM künftig zunehmend fordern wird. Wie nun eine aktuelle Studie von PricewaterhouseCoopers zeigt, scheitern jedoch viele Unternehmen noch an den hohen Ansprüchen für die digitale Arbeitsweise.

Was PWC zur Digitalisierung sagt

79 Prozent der hundert befragten Unternehmen aus dem Bereich Planung und Design, Bauunternehmertum und Anlagenbau gaben an, BIM in den nächsten Jahren nutzen zu wollen. Lediglich 18 Prozent verfügen allerdings bereits über eine ausgereifte Strategie, während immerhin weitere 39 Prozent dabei sind, eine solche zu erarbeiten.

63 Prozent halten die BIM-Methode aus technischer Sicht für anspruchsvoll, über die Hälfte (52 Prozent) erachten sie als aufwändig in der Umsetzung. Größte Hürden bestünden nach Ansicht der Firmen ferner in fehlenden Fachkräften (52 Prozent) sowie hohen Investitionen (48 Prozent). Drei Viertel können nicht abschätzen, welche Kosten für die technische Implementierung von BIM auf sie zukämen.

Gewerkeübergreifendes Arbeiten nötig

Doch was genau macht BIM so komplex und anspruchsvoll? Zunächst handelt es sich um eine ganzheitliche Arbeitsmethode, bei der durchgängig und über alle Leistungsphasen hinweg in 3D geplant wird. Für Firmen, die noch nicht komplett in 3D arbeiten, bedeutet dies unter Umständen eine komplette Umstrukturierung ihres bisherigen Workflows, teure Mitarbeiterfortbildungen inklusive.

BIM bedeutet jedoch nicht nur ein Planen in 3D, sondern im Optimalfall auch ein gewerkeübergreifendes Arbeiten an einem einzigen interdisziplinären Modell, welches wiederum besondere Qualifikationen im Datenmanagement, sprich die Einstellung oder Ausbildung eines BIM-Koordinators erfordert. Hohe Anschaffungskosten für leistungsfähige Hardware sowie teure Softwarelizenzen kommen noch hinzu.

Kooperation lässt sich verwirklichen

Schnell wird deutlich, warum eine Digitalisierung des Bauwesens bisher weitgehend ausgeblieben ist: Es fehlt die Leichtigkeit. Doch es geht auch anders. Viele der Ziele von BIM, wie etwa eine optimierte Kooperation zwischen den Projektbeteiligten, konsistente Planungsunterlagen oder papierloses Arbeiten, lassen sich bereits kinderleicht mithilfe eines einzigen digitalen Tools verwirklichen. 

 

Foto: Capmo