4. Juli 2019, 08:15
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Wohnkosten sind für immer mehr ältere Menschen in Deutschland eine Belastung

In Deutschland steigen die Wohnkosten – und das ist insbesondere für ältere Menschen ab 65 Jahren zunehmend ein Problem, denn ihre Einkommen nehmen bei weitem nicht im selben Maße zu. Folglich stellen die Wohnkosten für immer mehr ältere Menschen eine Belastung dar. Das sind die zentralen Ergebnisse einer gemeinsamen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA). 

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Im Jahr 2016 gaben Mieterhaushalte mit einer Referenzperson ab 65 Jahren demnach im Schnitt 34 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus – also für Miete und Nebenkosten. Eigentümerhaushalte mussten hingegen nur 15 Prozent ihres Einkommens für die laufenden Wohnkosten aufwenden, das heißt für Zins- und Tilgungszahlungen von Immobilienkrediten sowie Nebenkosten.

Die Wohnkosten für Mieterinnen und Mieter ab 65 Jahren sind seit 1996 deutlich stärker gestiegen (+101 Prozent) als für Eigentümerinnen und Eigentümer (+77 Prozent).

Überbelastung durch Wohnkosten bei wachsendem Anteil älterer MieterInnen

Unter Älteren gibt es zwar anteilig mehr Eigentümerhaushalte als vor 20 Jahren (45 Prozent vs. 56 Prozent), aber das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Ältere aus den höheren Einkommensklassen Wohneigentum besitzen. Von den älteren Haushalten mit niedrigen Einkommen dagegen wohnt die Mehrheit zur Miete:

Unter den 20 Prozent mit den niedrigsten Einkommen, dem sogenannten unteren Quintil der Einkommensverteilung, sind in dieser Altersklasse 66 Prozent Mieterinnen oder Mieter. Gerade für diese Menschen ist die Belastung durch stark steigende Wohnkosten extrem hoch.

Eine hohe Belastung liegt vor, wenn die Wohnkosten eines Haushalts 30 Prozent und mehr seines Nettoeinkommens ausmachen. Das war im Jahr 2016 bei zwei Drittel der Mieterhaushalte mit einer Referenzperson ab 65 Jahren der Fall, so die Studie.

Fast jeden zweiten Haushalt überlastet Miete

Bei 38 Prozent der Mieterhaushalte kann sogar von einer Überbelastung durch die Wohnkosten gesprochen werden: Diese entsprechen 40 Prozent und mehr des Haushaltseinkommens. Zum Vergleich: Im Jahr 1996 waren 38 Prozent der Mieterhaushalte von einer hohen Belastung (über 30 Prozent) und 22 Prozent von einer Überbelastung (über 40 Prozent) betroffen.

„Ältere Menschen mit niedrigen Einkommen leben deutlich häufiger zur Miete als andere in dieser Altersklasse und gerade sie sind mit einem rasanten Anstieg der Wohnkosten konfrontiert. Das heißt: Wohnraum ist für zunehmend viele Seniorinnen und Senioren unbezahlbar,“ fasst Studienautorin Laura Romeu Gordo vom DZA zusammen.

Die Situation von alleinlebenden Menschen ist hierbei besonders schwierig. Alleinlebende Personen ab 65 Jahren, die zur Miete wohnen, verwenden im Schnitt über ein Drittel ihres Einkommens für die laufenden Kosten ihrer Wohnung.

Drei Lösungsansätze

Die Autorinnen und Autoren der Studie schlagen mehrere Gegenmaßnahmen vor. Eine davon ist die Förderung des Wohneigentums, die sich allerdings erst langfristig auswirken würde, denn der Wohnungs- oder Häuserkauf passiert in der Regel eher in jüngeren Jahren, zum Beispiel bei der Familiengründung.

„Ein zweiter Ansatz ist für ausreichende Einkommen der Betroffenen zu sorgen,“ so Markus Grabka, Verteilungsforscher am DIW Berlin und Studienautor. „Die dynamisierte Anpassung des Wohngelds, die die Bundesregierung plant, ist sicherlich ein Schritt in diese Richtung.“

Der soziale Wohnungsbau ist die dritte Stellschraube. Es müssen grundsätzlich viel mehr Sozialwohnungen gebaut werden, vor allem in und um Großstädte. „Hierbei sind die Bedürfnisse älterer Menschen zu beachten, zum Beispiel kleine, barrierefreie Wohnungen,“ gibt Laura Romeu Gordo zu bedenken.

„Bei einer Ausweitung des Bestands an Sozialwohnungen muss auch bedacht werden, dass gerade Ältere sehr auf Netzwerke in ihrer Nachbarschaft und auf ihre sozialen Kontakte angewiesen sind. Wichtig ist daher, dass neue Sozialwohnungen nicht nur in bestimmten Vierteln entstehen, sondern in den Gemeinden gut verteilt werden.“

Foto: Shutterstock

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