23. April 2020, 10:31
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Baufinanzierung: Wie die Coronakrise durchschlägt

In Woche fünf des deutschlandweiten Lockdowns haben sich einige neue Prozesse etabliert, aber immer noch sind viele Themen ungeklärt und für Kreditnehmer ist die Lage unübersichtlich. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein, beantwortet die drei häufigsten Fragen, die derzeit die Kunden beschäftigen.

Michael Neumann Dr Klein Foto Christian Wese in Baufinanzierung: Wie die Coronakrise durchschlägt

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG

1. Zuletzt sind die Zinsen für Immobilienfinanzierungen leicht gestiegen. Wird der Trend anhalten?

„Nein, ich sehe in den zuletzt gestiegenen Bauzinsen keinen Trend. Die leichte Aufwärtsbewegung ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass die Banken in den aktuell unsicheren Zeiten Risiken neu bewerten und Zinsrückgänge nicht 1:1 an Kunden weitergeben. Wie sich die Zinsen kurzfristig entwickeln, lässt sich nur mit einem Blick in die trübe Glaskugel prognostizieren. Auf mittlere Sicht ist ein moderater Anstieg möglich, der sich in einem sehr überschaubaren Rahmen halten wird. Auch dann wird sich das Zinsniveau immer noch auf einem im historischen Vergleich absolut günstigen Niveau bewegen.

Grund dafür ist, dass die Bonität Deutschlands auch bei zunehmender Verschuldung voraussichtlich stabil bleibt – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern oder großen Wirtschaftsnationen ist eine Verschuldung von 80 oder 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes noch relativ gering. Gleichzeitig tritt die EZB weiterhin massiv als Anleihekäufer auf und wirkt damit steigenden Zinsen entgegen.“

2. Banken sind teilweise schlecht zu erreichen, einige passen ihre Kreditrichtlinien an die neue Situation an. Was bedeutet das für die Baufinanzierung?

„Der Markt verändert sich gerade sehr schnell und ist dementsprechend unübersichtlich. Die Banken haben verschiedene Herausforderungen und wir stellen fest, dass jedes unserer 400 Partnerinstitute unterschiedliche Maßnahmen umsetzt, um ihnen zu begegnen. Einige können die Beratung zur Baufinanzierung selbst nicht mehr wie gewohnt anbieten und andere kalkulieren konservativer, um ihr Risiko zu reduzieren. Wer sich im Moment für eine Erst- oder Anschlussfinanzierung interessiert, ist am besten beraten, sich an einen Vermittler mit einem umfassenden Marktüberblick zu wenden.

Weil wir in ständigem Kontakt zu den Banken stehen, kennen wir deren aktuelle Bedingungen und können schnell die passende Bank für das jeweilige Vorhaben identifizieren. Denn nach wie vor ist es bei soliden Finanzierungsplänen problemlos möglich, einen Partner zu finden, der sie umsetzt.“

3. Was bedeutet Kurzarbeitergeld für den Immobilienkauf – müssen Betroffene den Wunsch nach den eigenen vier Wänden aufgeben?

„Nein, nicht unbedingt: eine Baufinanzierung ist auch mit Kurzarbeitergeld auf den Kontoauszügen unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Das gilt vor allem für diejenigen, die die Monatsrate auch mit reduziertem Gehalt tragen können – oder deren Vermögen im Hintergrund einen ausreichenden Puffer bietet, diese Zeit zu überbrücken. Im eigenen Sinne sollten Darlehensnehmer ehrlich und kritisch abschätzen, ob der Verlust des Arbeitsplatzes drohen könnte und wie gut die Aussichten sind, im Zweifelsfall schnell wieder einen Job zu finden.

Einen einheitlichen Umgang mit Kurzarbeitergeld auf Bankenseite gibt es nicht, das Bild ist sehr heterogen. Einige setzen es generell nicht an, einzelne knüpfen die Darlehensvergabe an eine Bestätigung, dass der Darlehensnehmer zu einem bestimmten Datum wieder in Vollzeit arbeitet. Andere entscheiden individuell und prüfen im Einzelfall die Branche und die Zukunftsfähigkeit des Arbeitgebers. Auch hier ist ein Vergleich mehrerer Anbieter sowie die persönliche Beratung sinnvoll.“

Foto: Christian Wese

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