1. April 2020, 11:35
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Günstiger Wohnraum ist zu allen Zeiten systemrelevant”

Das Corona-Virus hält die Welt in Atem. Mittlerweile gibt es wohl niemanden mehr, der nicht von privaten und/oder wirtschaftlichen Einschränkungen betroffen ist. Das wiederum hat natürlich letztlich auch Auswirkungen auf den Wohnraum-Sektor. Wie aber werden sich die Dinge wohl entwickeln? Ein Kommentar von Jürgen Steinhauser, Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH

Juergen-Steinhauser in Günstiger Wohnraum ist zu allen Zeiten systemrelevant

Jürgen Steinhauser

Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass sich der finanzielle Spielraum, den Haushalte für die Miete haben, infolge steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit wohl oder übel verringern wird. Hinzu kommt, dass die Einkommen im Zuge der wohl nicht mehr abzuwendenden Rezession auch nach der Krise bis auf weiteres kaum steigen werden.

Für Mieter bedeuten die Einschränkungen, dass sie erstmal nicht in eine größere Wohnung umziehen werden, wenn sie nicht unbedingt müssen. Vermieter wiederum dürften vorläufig froh sein, wenn sie zuverlässige Mieter nicht verlieren. Das Potenzial für Mietsteigerungen ist damit in den meisten Fällen erstmal vom Tisch.

All das könnte nach Einschätzung einiger Ökonomen eine Stagnation oder gar einen Rückgang der Mietenpreise zur Folge haben. Andere halten selbst ein Ende des Immobilienbooms für denkbar, wenn sich die Krise länger hinzieht und der Alltag der Menschen stark eingeschränkt bleibt.

Wohnungsknappheit in den Städten bleibt

Wie stark die Folgen für die Mieten ausfallen werden, bleibt vorerst natürlich reine Spekulation und wird sich je nach Ausmaß erst nach und nach zeigen. Ein Einbrechen der Mieten mit Preisrückgängen von bis zu 30 Prozent, wie manche Beobachter schon prophezeiten, bleibt zunächst dennoch unwahrscheinlich. Der einfache Grund: Die Wohnungsknappheit in den Städten bleibt bestehen und verstärkt sich sogar noch dadurch, dass die Corona-Krise auch die Baubranche trifft, was mancherorts zu Bauverzögerungen führt. Dringend benötigter Neubau wird somit nicht fertig.

Unabhängig davon, welche Folgen die Corona-Krise für den Wohnraummarkt haben wird, zeigt sich aber schon jetzt, wie „systemrelevant“ günstiger Wohnraum für unsere Gesellschaft ist. So kann das vom Bundestag beschlossene vorläufige Kündigungsverbot für Vermieter ja auch nur eine Übergangslösung sein, um Mieter, die ihre überteuerte Wohnung nicht mehr zahlen können, zu schützen – schließlich kann Vermietern nicht zugemutet werden, längere Zeit auf Einnahmen verzichten zu müssen. Danach werden sich viele Mieter überteuerten Wohnraum ohnehin schlicht nicht mehr leisten können.

Politik muss gezielt Vermieter fördern

Doch auch schon vor Corona war längst klar, dass es mit den überhitzten Preisen am Wohnungsmarkt so nicht weitergehen kann. Damit Konjunkturkrisen künftig nicht erneut den gesamten Wohnungsmarkt auf den Kopf zu stellen drohen und Mieter auch unabhängig davon nicht den Großteil ihres Einkommens für Miete aufwenden müssen, muss die Politik endlich dazu übergehen, gezielt Vermieter zu fördern, die dauerhaft günstigen Wohnraum für die breite Mittelschicht anbieten. Bei normaler Objektpflege, Sanierung mit Augenmaß und mit einem klugen Vor-Ort-Service ist das bereits heute schon ab fünf Euro netto pro Quadratmeter möglich.

Jürgen Steinhauser ist Geschäftsführer der Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH (REA). Das Unternehmen erwirbt, entwickelt und bewirtschaftet bezahlbaren Wohnraum in Deutschland und hält derzeit rund 1.000 Wohneinheiten im Eigenbestand.

Foto: Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Telefonica und Allianz starten Glasfaserprojekt in Deutschland

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat sich beim Glasfasernetz-Ausbau die Allianz als Partner an Bord geholt. Beide Konzerne sollen jeweils zur Hälfte am Gemeinschaftsprojekt beteiligt sein, teilten sie am Donnerstag in Madrid und München mit.

mehr ...

Immobilien

Seehofer will erschwerte Umwandlung von Mietwohnungen

Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) plant nun doch höhere Hürden für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Das sieht ein neuer Entwurf für das Baulandmobilisierungsgesetz vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden.

mehr ...

Investmentfonds

Ex-Wirecard-Manager wohl V-Mann von Geheimdienst in Österreich

Der frühere Wirecard-Manager Jan Marsalek war möglicherweise V-Mann des österreichischen Nachrichtendienstes. Einen V-Mann in einem Dax-Unternehmen zu platzieren, wäre ein Affront und könnte die deutsch-österreichischen Beziehungen belasten.

mehr ...

Berater

DKM 2020: digital.persönlich.erfolgreich

Der Umzug der DKM 2020 von der Messe Dortmund in die digitale Welt war ein voller Erfolg. Mit über 19.700* Messeteilnehmern verteilt auf 4 Messetage, 157 Ausstellern und mehr als 200 Programmpunkten bei Kongressen, Workshops, Roundtables und Speaker’s Corner hat die 24. Auflage der Leitmesse auch in der digitalen Version die Finanz- und Versicherungsbranche überzeugt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance mit 650-Millionen-Dollar-Closing in San Francisco

Der Asset Manager Deutsche Finance und SHVO Capital haben gemeinsam für ein institutionelles Joint Venture um die Bayerische Versorgungskammer den Gebäudekomplex „Transamerica Pyramid“ in San Francisco erworben.

mehr ...

Recht

Kauf bricht nicht Miete: Tipps für den Verkauf einer vermieteten Wohnung

Erst Vermieten, dann Verkaufen: Eine vermietete Wohnung zu verkaufen stellt Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Denn das bestehende Mietverhältnis wirkt sich nicht nur auf den Verkaufspreis aus, auch die Käuferzielgruppe ist eine andere als bei einem unvermieteten Objekt. Welche Besonderheiten Eigentümer beim Verkauf einer vermieteten Wohnung beachten müssen, fassen die Experten des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler zusammen.

mehr ...