18. Mai 2020, 09:02
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Immobilienkauf und -finanzierung in Krisenzeiten: Worauf jetzt zu achten ist

Die Folgen der Corona-Pandemie sind auch auf dem Immobilien-Markt spürbar. Kurzarbeit, Jobverlust oder Einkommensausfälle und die damit verbundene Unsicherheit bereiten vielen Menschen Sorgen. Auf der anderen Seite bietet die Krise Kaufinteressenten mit der nötigen Liquidität möglicherweise auch Chancen, da zumindest kurzfristig die Nachfrage nach Wohnobjekten sinkt und damit auch die Preise unter Druck geraten. Ist aktuell ein guter Kaufzeitpunkt?

Baufinanzierung in Immobilienkauf und -finanzierung in Krisenzeiten: Worauf jetzt zu achten ist

Die Auswirkungen der Krise dominieren den Alltag vieler Menschen. Viele sind von unerwarteten Einbußen überrascht worden. Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht, lange Jahre sichere Jobs kommen ins Wanken. All dies bringt die Lebensplanung vieler Familien durcheinander, nicht nur, was die Finanzierung eines Eigenheims angeht. 

Aber auch auf Verkäuferseite ist nichts mehr, wie es war: Wer seine Immobilie veräußern will, hat nicht nur mit der völligen Verunsicherung möglicher Käufer zu tun. Wohnungsbesichtigungen, Notartermine und Umzüge finden derzeit aus Angst vor Ansteckung oder aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und Abstandsgebote kaum noch statt. Die gesetzlichen Bestimmungen der Bundesländer dazu weichen teilweise voneinander ab. Im Ergebnis ist das Bild aber überall dasselbe: Viele Termine werden verschoben und auch Geschäfte, die kurz vor dem Abschluss standen, müssen erst einmal warten.

Abwarten und hoffen auf bessere Zeiten also. Andererseits spekuliert der ein oder andere auf sinkende Preise. Tatsächlich gibt es vor allem aus den Städten Nachrichten, dass mehr Wohnungen auf dem Markt sind und, dass die Preise sinken. Dem steht aber ein anderer Trend entgegen: Das Niveau der Bauzinsen tendiert eher nach oben.

Die derzeitig herrschende Irritation an den Finanzmärkten lässt sich auch gut an der Wertentwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe erkennen. Deren Rendite fiel zwischenzeitlich auf einen Tiefstand von minus 0,86 Prozent. Daran orientieren sich dann wiederum die Bauzinsen. Diese schwanken besonders stark. Als sich Anfang März die globalen Folgen der COVID19-Pandemie abzuzeichnen begannen, gab das Zinsniveau nach. Im April pendelten sich die Bauzinsen aber schon wieder auf dem Vorkrisenniveau ein.

Die finalen Auswirkungen der Krise auf den Immobilienmarkt sind aktuell noch nicht absehbar. Denn nicht nur die Finanzmärkte, auch die Finanzinstitute sind bereits von der Krise betroffen. Banken drohen in der Flut von Kreditanträgen zu ersticken, weil auch ihre Mitarbeiter zu einem Großteil im Homeoffice arbeiten und dort oft nur eingeschränkte Möglichkeiten haben. Erste Institute drehen daher bereits an der Zinsschraube. Dem Endverbraucher drohen Zinssteigerungen.

Immobilien eignen sich nicht für die Schnäppchenjagd

Alles ist aber im Fluss und auch für die Experten ist es noch zu früh, ein klares Bild zu gewinnen, wie sich der Immobilien- und Finanzmarkt tatsächlich entwickeln wird. Auch Andreas Noever, der für das Online-Portal immo-finanzcheck.de die Märkte beobachtet, vermag noch keinen eindeutigen Trend zu erkennen: „Es ist möglich, dass der Einfluss der Krise nur temporär zu spüren sein wird. Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage ist struktureller Natur. Vieles spricht daher dafür, dass sie auch nach der Krise spürbar sein wird. In Anbetracht der Tatsache, dass eine Immobilie ein nicht unerhebliches und langfristiges Investment darstellt, raten wir Interessenten, einen kühlen Kopf zu bewahren, sich nicht drängen zu lassen und ihre Baufinanzierung gründlich zu planen.“

In ihren Checklisten geben die Immobilienexperten Hinweise, worauf bei der Entscheidung zu achten ist:

  • Am Anfang jedes Immobilientraums steht ein ehrlicher Kassensturz. Online-Tools wie der Mieten-oder-Kaufen-Rechner von immofinanz-check.de helfen Ihnen dabei, Ihre Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.
  • Bei einer Immobilienfinanzierung werden die Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate verlangt. Wer aktuell von Kurzarbeit betroffen ist, sollte möglichst zusätzliche Abrechnungen und Bescheinigungen über Dauer und Umfang vorlegen.
  • Berücksichtigen Sie bei der Finanzierung auch Förderprogramme oder staatliche Zuschüsse wie das Baukindergeld.
  • Wenn Sie bereits eine Immobilie im Blick haben, benötigen Sie zur Berechnung der Finanzierung einige Informationen, beispielsweise zur Wohn- und Nutzfläche, zur Grundstückgröße und -aufteilung. Fragen Sie am besten schon bei einem Besichtigungstermin danach.
  • Sie haben sich in eine Wunschimmobilie verliebt? Dann schauen Sie dort auch nach dem Besichtigungstermin einmal vorbei. Vielleicht zu einer anderen Tageszeit oder am Wochenende mit einer unabhängigen Person Ihres Vertrauens. Sie erfahren so mehr über die Verkehrssituation oder auch über die Nachbarschaft.
  • Lassen Sie sich bei der Entscheidung nicht unter Druck setzen. Ein Immobilienkauf ist eine Entscheidung fürs Leben, die gründlich abgewogen und geprüft werden will.
  • Fragen Sie bei einer Eigentumswohnung nach den Protokollen der Eigentümergemeinschaft. Aus ihnen können Sie erkennen, ob Sonderumlagen, beispielsweise wegen bevorstehender Sanierungen, drohen.
  • Sorgen Sie rechtzeitig dafür, dass die erforderlichen Unterlagen vorliegen. Dazu zählen neben Ihren Ausweisdokumenten ggf. Verträge und Kontoauszüge zu bestehenden Krediten, Nachweise zur privaten Krankenversicherung, Rente, Vermögen, Eigenkapital und evtl. vorhandenen Immobilien.
  • Bei Vertragsunterzeichnung müssen Sie neben dem vollständig ausgefüllten Kreditvertrag im Original sämtliche Kontoauszüge der letzten drei Monate, eine Selbstauskunft und die Einverständniserklärung für eine SCHUFA-Auskunft vorlegen.
  • Zum Abschluss des Immobilienerwerbs benötigen Sie dann auch eine amtliche Flurkarte/einen Lageplan, eine detaillierte Kostenaufstellung und Baubeschreibung, Notarurkunden und Grundbuchauszug. Denken Sie daran, sich rechtzeitig darum zu kümmern.
  • Auf immo-finanzcheck.de finden Sie ausführliche Checklisten zum Hausbau, zum Weg in die eigenen vier Wände, Fördermöglichkeiten und viel Wissenswertes rund um die Themen Immobilien und Finanzen.

Keine Panik bei bestehenden Immobilienfinanzierungen

Wer in der aktuellen Krise infolge von Jobverlust oder Verdienstausfällen seine Miete nicht zahlen und die anstehenden Raten seines Immobilienkredits nicht stemmen kann, sollte deswegen nicht in Panik geraten. Die aktuelle Krise trifft Millionen von Menschen. Der Gesetzgeber hat daher reagiert und zahlreiche Regelungen getroffen, die denjenigen, die ihre monatlichen Belastungen unverschuldet nicht stemmen können, ein wenig Luft verschaffen:

Das “Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie” sieht eine gesetzliche Stundung für Verbraucherdarlehen vor, die zwischen Anfang April und Ende Juni fällig werden. Auch die monatlichen Raten für Baufinanzierungen gehören dazu. Immer vorausgesetzt, dass die Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der Krise entstanden sind.

Wenn Ihnen finanzielle Engpässe drohen, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Bankberater und diskutieren Sie mit ihm Ihre Möglichkeiten. Für Ihre Baufinanzierung bieten sich grundsätzlich folgende Wege:

  • mit einem Tilgungssatzwechsel die Tilgungshöhe verändern
  • mit einer Tilgungsaussetzung die Rückzahlung aussetzen
  • mit einer Stundung Zahlungen aussetzen 
  • einen günstigeren Ratenkredit aufnehmen

Da die Regelungen von Bank zu Bank sehr unterschiedlich sind, empfiehlt es sich, gemeinsam mit dem Bankberater zu überlegen, welche Möglichkeit in Ihrem Fall die sinnvollste ist.

Auch Mieter werden seit dem 1. April besonders geschützt: Ihnen kann wegen Zahlungsrückständen, wenn diese durch die Krise verursacht sind, nicht gekündigt werden. 

Auf immo-finanzcheck.de finden Sie ausführliche Checklisten zum Hausbau, zum Weg in die eigenen vier Wände, Fördermöglichkeiten und viel Wissenswertes rund um die Themen Immobilien und Finanzen.

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Danke sehr hilfreich

    Kommentar von Djudaki — 18. Mai 2020 @ 10:45

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