10. Juni 2020, 12:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Maklerprovision: Wer in Zukunft beim Immobilienkauf zahlen muss

Seit einigen Jahren gilt in der Vermietung das so genannte Bestellerprinzip: Wer den Makler bei einer Wohnungsvermietung beauftragt hat, muss ihn auch bezahlen. Nun wurde ein weiteres Gesetz verabschiedet, das die Immobilienwirtschaft reformieren soll. Dieses Mal betrifft es den Immobilienkauf bzw. -verkauf. Was genau das für Makler, Immobilienkäufer und -verkäufer bedeutet, erklärt Hausgold-CEO Sebastian Wagner.

Sebastian-wagner-72ppi-klein in Maklerprovision: Wer in Zukunft beim Immobilienkauf zahlen muss

Sebastian Wagner, Hausgold

Das so genannte Bestellerprinzip für die Vermittlung von Mietimmobilien kennt man bereits: Seit 2015 gilt diese gesetzliche Regelung bei der Zahlung der Maklerprovision. Im Rahmen der Debatte um die Mietpreisbremse wollte die Bundesregierung den Mieter entlasten und führte zu diesem Zweck das Bestellerprinzip ein. Diese Regelung besagt, dass derjenige die Provision zu zahlen hat, der den Makler beauftragt. Da dies normalerweise der Vermieter ist, wirkt sich das Bestellerprinzip also dementsprechend positiv auf den Mieter aus. Nur, wenn der Mieter selbst einen Makler beauftragt, muss er auch die Provision zahlen.

Bestellerprinzip auch für den Hauskauf?

Diese Regelung galt bis dato allerdings nur für die Vermietung, nicht aber für den Kauf oder Verkauf von Immobilien. Jetzt wurde sich auch hier das Bundeskabinett einig: Im Rahmen des Wohnpakets verständigte man sich darauf, dass sich Verkäufer und Käufer die Maklerprovision teilen müssen. Am 14.05.2020 hat der Bundestag deshalb nun ein neues Gesetz verabschiedet: „Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser“. Dem Bestellerprinzip wurde damit eine Absage erteilt.

Was besagt die gesetzliche Neuregelung genau?

Das Gesetz regelt die Verteilung der Maklercourtage beim Verkauf von Häusern und Eigentumswohnungen neu. So ist es zum Beispiel nicht mehr möglich, die Maklercourtage vollständig dem Käufer aufzubürden. Derjenige, der den Immobilienmakler beauftragt, muss mindestens die Hälfte der Maklerprovision zahlen – und das ist im Regelfall der Verkäufer. Diese 50:50 Regelung stellt eine faire Teilung der Provision dar, was insbesondere Vorteile für den Käufer vorsieht, weil sich so die Erwerbsnebenkosten senken. Für gewerbliche Immobilien gilt das Gesetz übrigens nicht, nur für selbstgenutzte Immobilien.

Wie sieht das genau aus?

Beim Immobilienverkauf ist die Provisionshöhe in Deutschland aktuell nicht einheitlich, es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, so dass die Provision von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Normalerweise orientieren sich die Eigentümer und Makler an den „marktüblichen“ Provisionen. Aktuell liegen die Provisionen zwischen fünf und knapp über sieben Prozent.

In vielen Bundesländern – außer in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Hessen – wird eine Teilung der Provision schon umgesetzt. Sobald das Gesetz in Kraft getreten ist, gilt die neue Regelung einheitlich und bundesweit, die Käufer müssen dann nur noch 50% der vereinbarten Provision zahlen. Gleichzeitig bedeutet das neue Gesetz auch, dass der Käufer erst seinen Anteil zahlen muss, wenn der Verkäufer seinen Anteil gezahlt hat.

Wenn sowohl Käufer als auch Verkäufer einen Makler beauftragen, dann zahlt jede Partei genau die Hälfte der vereinbarten Provision. Vereinbart der Makler mit dem Eigentümer zum Beispiel eine Provision von 3,5%, darf er auch vom Käufer 3,5% verlangen. Liegt die Provision nur bei 1,5%, darf dem Käufer ebenfalls nur maximal 1,5% berechnet werden.

Gut zu wissen: Diese Neuregelung gilt nur für den Käufer als Verbraucher. Handelt der Käufer im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit, kann die Verteilung der Maklerkosten auch weiterhin anderweitig vereinbart werden.

Ab wann gilt die Neuregelung zur Maklerprovision?

Am 5. Juni 2020 hat nach dem Bundestag nun auch der Bundesrat der Neuregelung zugestimmt. Nach Inkrafttreten des Gesetzes gilt das neue Gesetz dann bundesweit. Das wird nach einer sechsmonatigen Übergangszeit sein, voraussichtlich also Mitte/Ende Dezember 2020. Dieser Zeitraum soll Maklern die Möglichkeit geben, ihre Geschäftsprozesse an die neue Rechtslage anzupassen. Die Neuregelung zur Maklerprovision gilt dann für Maklerverträge, die ab dem Inkrafttreten geschlossen wurden.

Lohnt es sich trotzdem noch, einen Immobilienmakler zu beauftragen?

Eigentümer wiederum fragen sich zu Recht: Lohnt es sich dann in Zukunft, einen Immobilienmakler für den Immobilienverkauf zu beauftragen?
Fakt ist: Ein erfahrener Makler kennt den Markt und das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage, er weiß, wie man zielführend arbeitet und Verkaufsgespräche führt. Kurz gesagt: Er holt am Ende mehr raus, als ein unerfahrener Verkäufer. Nicht zu vergessen der administrative Aufwand – von der allgemeinen Abwicklung über Besichtigungen bis hin zur Koordination von Notarterminen sind die Aufgaben von einem Laien nur schwer zu bewältigen.

„Ich würde immer dazu raten, einen Profi zu beauftragen. Ein Makler kennt den Markt, er kann die Immobilie bewerten und kümmert sich um alles, was den Verkauf betrifft. Das kann insbesondere vor dem Hintergrund hilfreich sein, wenn der Verkauf der Immobilie emotional belastet ist“. – Sebastian Wagner, Gründer und CEO von Hausgold.

Was heißt das für den Makler?

Diese Neuregelung wird auch für Makler nicht ohne Folgen bleiben. Sollte zum Beispiel ein Hausverkäufer nur 1% Provision anbieten, darf er vom Käufer also auch nur maximal 1% verlangen. So erhält der Makler am Ende nur 2% Provision. Das kann zur Folge haben, dass ein Makler einen Auftrag auch mal ablehnt. Gleichzeitig wird das Makler-Geschäftsmodell „provisionsfrei für den Verkäufer“ obsolet. Das heißt, nicht mehr der Preis entscheidet, sondern die Leistung des Maklers. Das könnte den Wettbewerb unter den Maklern weiter ankurbeln: „Unsere Philosophie bei HAUSGOLD ist es schon von je her, dass wir nur mit Maklern kooperieren, die transparent und leistungsbasiert arbeiten. Durch die gesetzliche Neuregelung werden sich gute Profi-Makler weiterhin durchsetzen, schlechte Makler werden Stück für Stück vom Markt verschwinden. Das sehe ich als sehr positiv und als großartige Chance für die Branche“, so Wagner abschließend.

Noch gut zu wissen: Maklerverträge dürfen mit Inkrafttreten des Gesetzes nur noch in Textform abgeschlossen werden. Also per E-Mail, per Handy als Textnachricht oder schriftlich auf Papier. Mündlich geschlossene Verträge sind dann nicht mehr wirksam.

Fotos: Hausgold, Shutterstock

 

2 Kommentare

  1. Es wäre Herrn Wagner zu empfehlen, sich doch noch einmal bei einem aktiv am Markt tätigen Qualitätsmakler oder einer sonstigen sachkundigen Quelle zu informieren, wie die neue gesetzliche Regelung tatsächlich zu verstehen ist. Denn seine Äußerungen hier, selbst wenn es mehr oder weniger nur ein Werbebeitrag für sein Firma ist, lassen erkennen, dass er das kommende Maklerrecht noch nicht wirklich vollständig transzendiert haben könnte.

    Kommentar von Ralf Cabel — 12. Juni 2020 @ 12:11

  2. Dass ein Portal wie Hausgold die neue Regelung lobt, ist eher verblüffend. Schließlich haben gerade diese Leadportale und Online-Makler (McMakler, Homeday etc.) immer mit “Für Verkäufer kostenlos” geworben.
    Gerade die Leadportale werden an die Grenzen Ihres Geschäftsmodells kommen. Es ist absehbar, dass die Gesamtprovison, die ein Makler erzielt, sinken wird. Ob sich dann ein Makler noch Provsionen für die Leadportale von 30% und mehr leisten kann, bleibt abzuwarten.
    Die Leadportale werden entweder vom Markt verschwinden oder sie werden sich zu Online-Maklern wandeln, wie es bereits Homeday getan hat. Damit haben die Makler, die jahrelang Leads gekauft haben, die Konkurrenz aufgebaut, die ihnen nun das Wasser abgräbt.
    Makler, die überleben wollen, werden umdenken müssen. Ein Einzelmakler hat der geballten Marketing-Power der großen Online-Makler nichts entgegenzusetzen. Er muss auf die fachliche Qualifikation setzen, die bei den Portalen bisher nicht unbedingt Bedingung ist.

    Der Verkäufer, der nun in den meisten Fällen eine Provision zahlen muss, hat es in der Hand, sich einen professionellen Makler auszusuchen. Hier muss man ansetzen. Der Verkäufer muss in die Lage versetzt werden, einen gut ausgebildeten Makler zu finden. Die Branche sollte dazu viel mehr aufklären

    Kommentar von Günther Gültling — 11. Juni 2020 @ 07:45

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Telefonica und Allianz starten Glasfaserprojekt in Deutschland

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat sich beim Glasfasernetz-Ausbau die Allianz als Partner an Bord geholt. Beide Konzerne sollen jeweils zur Hälfte am Gemeinschaftsprojekt beteiligt sein, teilten sie am Donnerstag in Madrid und München mit.

mehr ...

Immobilien

Seehofer will erschwerte Umwandlung von Mietwohnungen

Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) plant nun doch höhere Hürden für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Das sieht ein neuer Entwurf für das Baulandmobilisierungsgesetz vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden.

mehr ...

Investmentfonds

Ex-Wirecard-Manager wohl V-Mann von Geheimdienst in Österreich

Der frühere Wirecard-Manager Jan Marsalek war möglicherweise V-Mann des österreichischen Nachrichtendienstes. Einen V-Mann in einem Dax-Unternehmen zu platzieren, wäre ein Affront und könnte die deutsch-österreichischen Beziehungen belasten.

mehr ...

Berater

DKM 2020: digital.persönlich.erfolgreich

Der Umzug der DKM 2020 von der Messe Dortmund in die digitale Welt war ein voller Erfolg. Mit über 19.700* Messeteilnehmern verteilt auf 4 Messetage, 157 Ausstellern und mehr als 200 Programmpunkten bei Kongressen, Workshops, Roundtables und Speaker’s Corner hat die 24. Auflage der Leitmesse auch in der digitalen Version die Finanz- und Versicherungsbranche überzeugt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance mit 650-Millionen-Dollar-Closing in San Francisco

Der Asset Manager Deutsche Finance und SHVO Capital haben gemeinsam für ein institutionelles Joint Venture um die Bayerische Versorgungskammer den Gebäudekomplex „Transamerica Pyramid“ in San Francisco erworben.

mehr ...

Recht

Kauf bricht nicht Miete: Tipps für den Verkauf einer vermieteten Wohnung

Erst Vermieten, dann Verkaufen: Eine vermietete Wohnung zu verkaufen stellt Eigentümer vor besondere Herausforderungen. Denn das bestehende Mietverhältnis wirkt sich nicht nur auf den Verkaufspreis aus, auch die Käuferzielgruppe ist eine andere als bei einem unvermieteten Objekt. Welche Besonderheiten Eigentümer beim Verkauf einer vermieteten Wohnung beachten müssen, fassen die Experten des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler zusammen.

mehr ...