25. August 2020, 09:55
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Nachhaltigkeit: Oft noch ein Buch mit sieben Siegeln

Über Nachhaltigkeit wird viel geschrieben und gesprochen. Doch viele private Investoren wissen mit dem Begriff „nachhaltige Kapital- und Geldanlagen“ nur wenig anzufangen. Gerade einmal 14 Prozent können ihn richtig erklären. Männer kennen sich etwas besser damit aus als Frauen, schätzen ihr Wissen aber auch häufiger falsch ein. Das zeigt die jüngste Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), “Wie halten es die Anleger mit der Nachhaltigkeit?”

 

DIA-ESG-Studie-Grafik-6 in Nachhaltigkeit: Oft noch ein Buch mit sieben Siegeln

 

Nach den Ergebnissen der Studie stehen unzureichende Kenntnisse und eine Selbsteinschätzung, die eigenes Wissen zu positiv widerspiegelt, einer stärkeren Hinwendung privater Haushalte zu nachhaltigen Kapitalanlagen im Wege. So wissen nur 14 Prozent der Befragten tatsächlich, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist.

Männer meinen öfter sich auszukennen, unabhängig davon, ob sie tatsächlich eine richtige Erklärung für nachhaltige Kapitalanlagen liefern können. 17 Prozent der Männer gaben die richtige Antwort. Neun Prozent meinten, den Begriff zu verstehen, konnten ihn aber nicht korrekt bestimmen. Bei den Frauen fällt das Verhältnis auf niedrigerem Niveau ähnlich aus.

Mit dem Vermögen steigt das Verständnis

Das richtige Verständnis des Begriffs nimmt ab einem Vermögen von 50.000 Euro sprunghaft zu. Am sichersten fühlten sich die Besitzer eines Vermögens von mehr als 150.000 Euro. In dieser Gruppe gaben 36,6 Prozent an, dass sie mit dem Begriff etwas anfangen können und lieferten auch eine korrekte Beschreibung. Lediglich 7,2 Prozent überschätzten ihr Wissen, indem sie zwar mit ja antworteten, aber eine falsche Antwort abgaben.

„Das führt zwangsläufig zur Frage, ob nachhaltige Kapitalanlagen derzeit eher eine Angelegenheit für Vermögende sind, die im Zuge einer stärkeren Diversifizierung ihrer Portfolios nach Alternativen zu den traditionellen Kapitalanlagen suchen“, schlussfolgert DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Unter Umständen ist die Erklärung aber vielleicht auch viel einfacher. Mit wachsendem Vermögen nimmt auch die Begleitung durch Banken und Finanzberater zu, die häufiger auf das Thema aufmerksam machen.

Mehr Aufklärung nötig

Die Anbieter nachhaltiger Geld- und Kapitalanlagen werden Aufklärung in größerem Umfang betreiben müssen, soll Nachhaltigkeit unter den privaten Anlegern zu einem bestimmenden Kriterium werden, schlussfolgert das DIA. Dabei spiele die allgemeine Finanzbildung eine tragende Rolle.

So geben Teilnehmer der Umfrage mit guten Kenntnissen zu Geld- und Kapitalanlagen dreimal so häufig wie Befragte mit schlechten Kenntnissen an, dass sie etwas mit dem Begriff anfangen können und bestätigen dies auch mit korrekten Aussagen dazu.

Umweltaspekt dominiert, Bildung fehlt

Anbieter, Vertriebe und Vermittler sowie Kommunikatoren müssen zudem das Bild, das private Investoren von nachhaltigen Kapitalanlagen schon besitzen, zurechtrücken, fordert das DIA. Bisher dominieren in der Rangliste zur Bewertung solcher Investitionen vor allem die Umweltaspekte.

Sie stehen ganz vorn, wenn es darum geht, Kapitalanlagen als nachhaltig einzuordnen. Die beiden anderen Faktoren – Soziales und Unternehmensführung – bleiben dagegen mehr oder weniger unterbelichtet. Governance steht klar auf dem letzten Rang der Kriterien.

Das zeigte sich in der Befragung, bei der die Teilnehmer für die drei Kriterien eine prozentuale Gewichtung vornahmen. Diese „Hierarchie“ entspricht nicht dem Ansatz, der inzwischen nachhaltigen Kapitalanlagen zugrunde liegt. Stattdessen seien die drei Faktorengruppen als gleichberechtigt anzusehen, so das DIA.

Fazit des DIA: Kenntnis und Verständnis der Geld- und Kapitalanlagen im Allgemeinen und der nachhaltigen Finanzprodukte im Besonderen seien die Dreh- und Angelpunkte, wenn eine größere Verbreitung von Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage erreicht werden soll. Für die repräsentative Studie hatte das DIA  3.066 Personen im Alter ab 16 Jahren von Insa Consulere befragen lassen.

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