16. Mai 2020, 07:02
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Tiny Houses und Ökodörfer: Was die Immobilienbranche davon lernen kann

Die klassische Geschosswohnung in bester Lage geht auch anders. Ob Tiny House oder Ökodorf auf der grünen Wiese – längst weichen immer mehr Menschen auf alternative Wohnformen aus. Um Notlösungen handelt es dabei jedoch mitnichten, im Gegenteil.  ein Gastbeitrag von Peyvand Jafari, Geschäftsführer der Plutos Group.

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Tiny Houses sind Trend.

Entstanden ist ein spannendes Experimentierfeld, auf dem unser Verständnis von Wohnqualität und Zusammenleben neu erprobt wird. Die zugrundeliegenden Ideen lassen sich jedoch auf klassische Wohnformen rückübertragen. Projektentwickler sollten diese daher wachsam beobachten, wie die folgenden drei Beispiele unterstreichen.

Ökodörfer: Etablierte Gemeinschaften in die Stadt reintegrieren

Das Streben nach einem nachhaltigen Leben in einer Gemeinschaft und die Suche nach Freiheit, Ruhe und Individualität vereinen viele Bewohner von Ökodörfern und Hofgemeinschaften. Oft gelegen in eher strukturschwachen Regionen und fernab vom städtischen Stress bieten diese die Möglichkeit, mit ähnlich gesinnten Menschen zusammenzuarbeiten und das autofreie sowie naturbewusste Leben zu feiern.

Da alle Ressourcen geteilt werden und das Selbstversorgerprinzip im Mittelpunkt steht, beträgt der ökologische Fußabdruck von Ökodorfbewohnern lediglich ein Drittel des Bundesdurchschnitts. Keine Frage, Ökodörfer sind nicht für jeden: Das pausenlose Zusammenleben und -arbeiten mit anderen, und somit auch das Auseinandersetzen mit anderen Überzeugungen und Wertevorstellungen, kann zu Konflikten führen. Zudem fällt die Wahrung der Privatsphäre nicht immer leicht.

Für Immobilienentwickler und -investoren werden Ökodörfer daher so schnell wohl keine Alternative darstellen. Einige der dort gelebten Prinzipien, unter anderem das der ökologischen Nachhaltigkeit und der Sharing Economy, lassen sich jedoch prinzipiell auf Stadtwohnungen übertragen. Die Idee der Hausgemeinschaft ist vielerorts verlorengegangen, lässt sich aber durch Gemeinschaftsflächen und Begegnungsorte für Anwohner wiederbeleben.

Tiny Houses: Platzsparend wohnen, verstauen und konsumieren

Eine kreative Wohnform, die immer mehr Anklang findet und aus Amerika kommt, sind Tiny Houses. Preiswert und umweltverträglich folgen die mobilen Minihäuser dem Grundsatz: weniger besitzen, mehr teilen und sich auf das Wesentliche besinnen. Es geht um das optimale und kreative Nutzen einer begrenzten Fläche. Mit weniger Wohnfläche und damit auch weniger Inventar entstehen geringe Reparatur- und Energiekosten.

Die Anschaffung und Errichtung ist – im Vergleich zu herkömmlichen Häusern – ebenfalls sehr erschwinglich. Im Umkehrschluss fallen zudem weniger Steuern und Versicherungskosten an. Tiny Houses sind eine Möglichkeit, sich in Autarkie zu probieren. Mit einer Infrarotheizung, einer Regenerationsanlage und Solarenergie produziert das Haus den benötigten Strom selbst. Großes Problem bei dieser großen Vision ist aber das geltende Recht. Komplizierte deutsche Bauvorschriften, Genehmigungspflichten und die Straßenverkehrsordnung stehen einer flächendeckenden Ausbreitung im Weg.

Obwohl zu bezweifeln ist, dass das Tiny House zum Standardprodukt wird, ergeben sich durchaus Orientierungspunkte für die Branche. Vor allem für das Segment des Mikrowohnens kann das Wissen in Sachen flächeneffizienter Nutzung, platzsparender Produktentwicklung und ressourcenschonender Energieverbrauch nutzwertig sein. Denn was in den mobilen Tiny Houses funktioniert, kann prinzipiell auch das Mikroliving bereichern.

Das Hausboot: Designspielwiese für Immobilienentwickler?

Im Hausboot braucht man keinen White Noise oder eine Wasserbettmatratze zum Einschlafen: Das maritime Flair kommt von ganz allein. Meist in städtischen Kanälen schwimmen die unkonventionellen Häuser auf Beton- oder Stahlpontons an festen Liegestellen. In Sachen Gestaltung und Aufbau sind den Besitzern nur wenige Grenzen gesetzt. Wie in einem normalen Wohnhaus sind – die nötigen Finanzmittel vorausgesetzt – Form-, Höhen- und Anbaumöglichkeiten äußerst variabel.

Da nur die Außenwände tragend sind, lässt sich der Innenraum nach Lust und Laune verschachteln. Für Gestalter und Architekten bleibt also viel Spielraum zum Designen. Und für die Branche ergibt sich die Aufgabe, ganz genau auf deren Designtrends und -produkte zu schauen. Denn lediglich in Sachen Gartengestaltung können sich Projektentwickler für Wohnimmobilien vom Hausboot nicht inspirieren lassen.

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Ich finde diese alternativen Wohnformen sehr spannend. Wobei ein Ökodorf für mich zu extrem wäre. Was ich cool fände, wäre ein Tiny House, das mit einer Photovoltaik Heizung wie einer Infrarotheizung betrieben wird. Dadurch verkleinert man seinen CO2 Abdruck, bleibt aber gleichzeitig recht unabhängig von seinen Mitmenschen bzw. von Gas- und Stromanbietern.

    Kommentar von Ingrid — 25. Mai 2020 @ 10:02

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