12. August 2020, 14:10
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Vermögenswirksame Leistungen: Der Chef hilft beim Sparen

Viele Arbeitgeber helfen ihren Beschäftigten beim Sparen. Denn neben Lohn oder Gehalt gibt es vom Chef oft noch Monat für Monat Extra-Geld: Vermögenswirksame Leistungen (VL). Wie lässt sich der Betrag am besten anlegen?

 

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Geld vom Chef, dass man nicht ablehnen sollte

„Je nach Branche und Region geht es pro Beschäftigten um bis zu 40 Euro im Monat“, sagt Helena Klinger vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Vermögenswirksame Leistungen zahlen Arbeitgeber auf freiwilliger Basis. Oft sind sie dazu aber auch per Tarifvertrag, per Arbeitsvertrag oder per Betriebsvereinbarung verpflichtet. Den jeweiligen Betrag überweist der Arbeitgeber nicht mit dem Lohn oder Gehalt, sondern direkt in eine vom Arbeitnehmer bestimmte Sparanlage.

Regulär zahlt der Arbeitgeber sechs Jahre lang ein, im siebten Jahr ruht das Geld. Nach Ablauf der Frist können Beschäftigte die Sparanlage auflösen oder teils selbst einzahlen. „Wer diese Chance nicht nutzt, verspielt die Chance, in sechs bis sieben Jahren einen mittleren Betrag anzusparen“, sagt Juliane Weiß vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Wie also vorgehen?

Wer bislang keine VL-Leistung bekommt, sollte danach fragen. Gibt es das Extra, gilt es einen Sparvertrag nach Wahl abzuschließen. Hat der Arbeitgeber die Bestätigung über den Vertrag, kann es losgehen.

Diese Möglichkeiten gibt es:

Bausparvertrag

Wer ein Haus bauen, eine Wohnung kaufen oder seine Immobilie sanieren möchte, für den bietet sich ein Bausparvertrag an. Der Nachteil: Für die Einzahlungen gibt es relativ wenig Zinsen. Allerdings sichert sich der Sparer einen günstigen festen Zins für ein späteres Darlehen.

Bei Bausparverträgen ist auch ein Darlehensverzicht möglich. In dem Fall wird das Guthaben ausgezahlt. „Mitunter stocken einige Anbieter bei einem Darlehensverzicht den niedrigen Guthabenzins durch einen Bonus oder einen Bonuszins auf“, berichtet Klinger.

Wer den Ertrag aus einem Bausparvertrag doch nicht zur Finanzierung einer Immobilie nutzen möchte, kann den Anspruch auf das zinsfeste Darlehen an einen Angehörigen weitergeben. „Die Übertragung liegt zwar im Ermessen der Bausparkasse, doch in der Regel stimmt diese zu“, sagt Weiß.

Banksparplan

Wer auf Sicherheit setzen will, liegt mit einem Banksparplan für ihre VL-Leistungen richtig. Sechs Jahre lang fließen die VL-Leistungen auf das VL-Konto, dann ruht der Vertrag ein Jahr. „Es gibt einen Basiszins und zusätzlich am Ende der Laufzeit in aller Regel eine Prämie“, erklärt Klinger.

Der Vorteil: Ein Minus wie bei Aktienfonds ist nicht möglich. Der Nachteil: Die Zinsen sind überschaubar. Sollte das Geldinstitut Insolvenz anmelden müssen, sind die Guthaben durch die gesetzliche Einlagenversicherung bis 100.000 Euro gesichert.

Wertpapiersparen

„Wer sich für einen Wertpapier-Sparplan entscheidet, kann von hohen Renditen profitieren“, erklärt Weiß. Wie beim Banksparplan fließt der VL-Betrag sechs Jahre in den Vertrag, ein Jahr ruht er dann. „Klar muss Arbeitnehmern bei dieser VL-Sparoption sein, dass es am Aktienmarkt ein ständiges Auf und Ab gibt“, betont Klinger. Sind die Aktienkurse nach Ablauf der sieben Jahre niedrig, kann es sich rechnen, auf eine Kurserholung zu warten.

Tilgungsoption

Arbeitnehmer können VL-Leistungen auch dazu nutzen, bereits vorhandene Bauspar- und Bankdarlehen zu tilgen. Bei dieser Variante bekommt der Kreditnehmer die VL-Beträge auf sein eigenes Konto überwiesen. Die Bank bestätigt schriftlich, dass der Arbeitnehmer mit den VL-Leistungen seine Schulden tilgt. Bei Bauspardarlehen ist das oft kein Problem, da Kreditnehmer in aller Regel eine Sondertilgungsoption haben. Bei laufenden Hypothekendarlehen sollten Verbraucher mit ihrer Bank sprechen.

bAV

Zudem besteht die Möglichkeit das Geld im Rahmen einer Entgeltumwandlung für die betriebliche Altersvorsorge zu nutzen. Hierbei gibt es die Option des klassischen VL-Sparen sowie die Möglichkeit der Umwandlung der VL in eine bAV. 

Bei der herkömmlichen Anlage vermögenswirksamer Leistungen erhöhen die zusätzlichen Zahlungen des Arbeitgebers das Bruttogehalt. Darauf werden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Werden die vermögenswirksamen Leistungen aber direkt in eine bAV gezahlt, bleiben diese Einzahlungen von Steuern und Sozialabgaben befreit. 

Dieser Vorteil bietet VL-Sparer die Möglichkeit, noch einen weiteren des Bruttolohns in die bAV einzahlen zu können und im Vergleich zu der klassischen VL-Anlage netto das gleiche Gehalt ausgezahlt zu bekommen. 

Arbeitnehmersparzulage für Geringverdiener

Wer von seinem Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen bekommt, erhält unter bestimmten Voraussetzungen für seine Sparanlage zusätzlich auch noch Geld vom Staat. Das ist die sogenannte Arbeitnehmersparzulage.

Ob im Einzelfall ein Anspruch darauf besteht, hängt vom zu versteuernden Jahreseinkommen ab. „Für Bausparverträge oder einen zu tilgenden Baukredit liegt bei Ledigen die Grenze bei 17.900 Euro, bei Ehepaaren sind es 35.800 Euro“, sagt Helena Klinger vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Hier beläuft sich die Zulage auf neun Prozent, die maximale Höhe der Förderung beträgt dann rund 43 Euro im Jahr.

Fließen die VL-Beiträge in einen Aktienfondssparplan, beläuft sich die staatliche Förderung auf bis zu 80 Euro pro Jahr – falls das zu versteuernde Jahreseinkommen bei 20.000 Euro (Ledige) oder bei 40.000 Euro (Ehepaar) liegt. (dpa-AFX) /Ihre Vorsorge /dr

Foto: Shutterstock

2 Kommentare

  1. Toll, wie Sie die “herkömmlichen” Anlageformen für die VWL aufführen und leider die Umwandlung in eine BAV vergessen haben – hier können die Arbeitnehmer/innen nämlich 80 Euro Beitrag/Monat finanzieren – und wenn Sie die Entgeltoptimierung anwenden, dann werden aus den 40 Euro, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zukommen lassen wollte, dann werden aus den 40 Euro Zuwendung plötzlich 200 Euro Beitrag im Monat – der Arbeitnehmer behält hierbei sein gleiches Einkommen wie vorher und der Arbeitgeber hat keine zusätzlichen Personalkosten – So macht man aus 40 Euro Zuwendung 200 Euro Beitrag – im Sinne der Arbeitnehmer/innen – Rückfragen gerne unter 089/43651895

    Kommentar von Siegfried Mai — 13. August 2020 @ 14:44

  2. Die Vl lässt sich auch in der betrieblichen Altersversorgung durch Gehaltsumwandlung einsetzen.
    Diese Möglichkeit wird immer vergessen, auch in Ihrem Artikel.
    Mit freundlichem Gruß
    Marco Ernst

    Kommentar von Marco Ernst — 13. August 2020 @ 13:48

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