24. August 2020, 12:08
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Wirtschaftswachstum: Immobilien werden langfristig zum Problem

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, sieht Immobilien als Gefahr für die Wachstumsdynamik. Warum verrät er nachfolgend.

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„In Phasen der wirtschaftlichen Erholung gibt es kaum Gründe, die für eine Baisse sprechen“, konstatiert Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management. „Historisch gesehen sind Zeiten, in denen die Fed die Geldpolitik lockert und die Frühindikatoren nach oben zeigen, sehr gut für Aktien.“ Das Umsatzvolumen der Unternehmen werde voraussichtlich steigen, selbst wenn die Gewinnmargen unter Druck geraten sollten. Dies gelte umso mehr, als es sich derzeit um eine weltweite Erholung der Wirtschaft handele. Laut Galy sei davon auszugehen, dass das Wachstum im dritten Quartal sehr stark sein wird. Die Dynamik dürfte im vierten Quartal anhalten, bevor es im nächsten Jahr zu einer raschen Verlangsamung kommen könnte. 

Immobilien viel zu teuer

Ein Risikofaktor ist nach Ansicht von Galy allerdings, dass Immobilien in einer Zeit, in der das Einkommenswachstum insgesamt schwach bleiben dürfte, nach wie vor viel zu teuer sind – auch wenn es bei Haushalten mit jüngeren Personen und mittlerem Einkommen aufgrund der zunehmenden beruflichen Erfahrung beziehungsweise besseren Ausbildung eigentlich stark zunehmen sollte. „Einige Forscher haben bereits festgestellt, dass die jüngste Generation beim Einkommenswachstum erheblich hinter früheren Generationen herhinkt. Die Federal Reserve wie auch andere Zentralbanken dämpfen zudem das langfristige Wachstum, da sie sich weigern, Immobilien mit antizyklischen Kapitalpuffern zu bestrafen – eine Haltung, die nur schwer zu verstehen ist. Der Transfer von Vermögen hin zu älteren und wohlhabenderen Generationen führt zu Zuflüssen in Aktien insgesamt und in den Private Equity-Bereich – insbesondere in Wachstumssektoren, aber auch in den High-Yield-Bereich. Ein antizyklischer Kapitalpuffer würde Effekte auf einige Assetklassen haben – zum Beispiel durch eine Verschiebung der Nachfrage hin zu zyklischen Sektoren“, erklärt Galy.

Interessant in diesem Zusammenhang sei, dass US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden bereits angekündigt habe, das Mandat der Fed mit dem Ziel ändern zu wollen, die wirtschaftliche Kluft zwischen den verschiedenen Ethnien im Land zu schließen. Die ungleiche Einkommensverteilung zu begrenzen, die als Gini-Koeffizient bekannt ist, dürfte eine umfangreiche Aufgabe werden. 

Auswirkungen

Über die Bewertungen hinaus gebe es nach Einschätzung von Galy nur wenige Gründe, um an einen Bärenmarkt zu denken. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass diese Rallye in einem Applaus enden wird, wenn das Momentum endet. Während im September oder Oktober ein übermäßiges Momentum zum Problem werden könnte, dürfte es noch einige Monate dauern, bevor es durch das Aufkommen neuer Themen wieder nachlässt“, so Galy.

Risiken für die Wachstumsdynamik

Galy hat verschiedene Szenarien entwickelt, in denen sich die wirtschaftliche Dynamik schneller oder langsamer als erwartet abschwächen könnte. 

1. Langsameres Wachstum 

a. Ohne viele stabilisierende Faktoren dürfte sich ein Teil der US-Nachfrage laut Galy erst recht spät realisieren. „Ein Beispiel: Wer in der Gastronomie arbeitet, beschränkt seine Reisen im übertragenen Sinne vorerst auf die Fahrt zur nächsten Filiale der Warenhausketten Walmart oder Target. Darüber hinaus hätte das Ausbleiben eines weiteren Fiskalpakets in den Vereinigten Staaten enorme Auswirkungen auf Millionen von Amerikanern, ihren Konsum sowie den Mietmarkt“, berichtet Galy.

b. Viele Schulen dürften ab September Home-Schooling bevorzugen und die Eltern dadurch zwingen, zu Hause zu bleiben. „In einigen Fällen ist Heimarbeit aber nicht möglich. Diese Eltern werden gezwungen sein, zu kündigen und können dadurch ihre Hypothek oder Miete nicht bezahlen. Viele Studenten werden wahrscheinlich vom elterlichen Zuhause aus studieren, was den Konsum und einige lokale Mietmärkte drückt”, so Galy 

c. Seiner Meinung nach ist das ein sekundärer Effekt: „Millennials sind weniger an Besitz und mehr an Erlebnissen interessiert. Das macht sie bei einigen Gütern sehr preissensibel, während sie bei anderen Bereichen, die mit Erlebnissen verbunden sind – etwa Urlauben – weniger preissensibel sind. Dies bedeutet, dass einige Sektoren, wie etwa der Luxussektor, mehr vom Aufschwung profitieren – und zwar eher durch Preiserhöhungen als durch eine höhere Nachfrage.“

2. Schnelleres Wachstum

a. Eine Wirtschaft, die unterhalb der Produktionslücke operiere und nicht durch Bad Banks behindert werde, wachse tendenziell schneller, führt Galy zum anderen Szenario aus. Dies sei typisch für Schwellenländer. Angesichts des Umfangs der fiskalischen und monetären Pakete sollte dies aber auch in entwickelten Volkswirtschaften funktionieren, die üblicherweise schwache Schwankungen um die Produktionslücke herum aufwiesen.

b. Das Vertrauen in die Führung eines Landes hat laut Galy ebenfalls einen großen Einfluss – am einen Ende Neuseeland, das die Covid-19-Krise schnell bewältigt habe, am anderen Ende die Vereinigten Staaten, die eine schwierige Zeit hinter sich hätten. Vertrauen trage dazu bei, die Unsicherheit im Laufe der Zeit zu verringern, und ermögliche es Unternehmen, mit größerer Sicherheit zu investieren. 

c. Galy weist zudem darauf hin, dass sich Restrukturierungen mit einigen Monaten Verzögerung auf die Beschäftigung auswirken. Das sei wahrscheinlich positiv für die Vereinigten Staaten, aber möglicherweise negativ für Europa, da die Unternehmen zwar besser von der Krise „isoliert“ gewesen seien, dadurch aber weitaus mehr unter der langen Periode des Lockdowns zu leiden hätten. 

Auswirkungen

„Die Chancen stehen gut, dass das Wachstum in Europa auf längere Sicht aufgrund der stabilisierenden Faktoren attraktiver ist. Zudem operiert die Wirtschaft dort unterhalb der Produktionslücke. Das macht die europäischen Werte bei gleichbleibenden Gegebenheiten auf längere Sicht attraktiver“, betont Galy.

Foto: Shutterstock

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