23. April 2020, 16:42
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Wohneigentum: Wer sesshaft wird, sollte kaufen können

Gerade die Bewohner von Großstädten stehen vor einem Dilemma. Die meisten Menschen, die viele Jahre in der Stadt gelebt haben, wollen auch im Alter dort bleiben. Gleichzeitig haben die meisten Städter Deutschlands eines nicht: Wohneigentum.  Ein Kommentar von Marcus Buder, Berliner Sparkasse.

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Marcus Buder, Berliner Sparkasse

Berlin, Hamburg, München, Köln – die deutschen Metropolen sind absolute Mieterstädte. Nur zu verständlich, dass in öffentlichen Diskussionen zunächst einmal die Belange der Mieter im Mittelpunkt stehen. Doch gerade die wachsende Rentenlücke und die weiterhin niedrigen Zinsen sprechen dafür, dass auch in den Großstädten mehr Menschen aus ihren Mietverhältnissen in selbst genutztes Wohneigentum gelangen können – zumal sie ja just das wollen: in der Stadt Wurzeln schlagen, in der sie sind.

Wohnen in Eigentum ist Bestandteil der Altersvorsorge

Wir haben vor lauter berechtigter Diskussion um die Bezahlbarkeit von Mietpreisen aus dem Blick verloren, dass das Wohnen in Eigentum ein wesentlicher Bestandteil der Altersvorsorge ist und für viele Menschen ebenfalls eine emotionale Bedeutung hat. Mit Eigentum entscheidet man sich hierzulande endgültig für einen bestimmten Ort und ein Lebensmodell. Wer regelmäßig umzieht, etwa zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn, erwirbt anders als etwa in den USA in der Regel keine Immobilie. Wer sich noch nicht sicher ist, ob er lieber innerorts oder im Speckgürtel mit Grün wohnen will, der probiert aus – kurzum, der mietet.

Wenn aber die Entscheidung für eine bestimmte Makro- und Mikrolage getroffen ist und es heißt: „Hier will ich bleiben“, dann sollte sich die Einstellung zum selbst genutzten Eigentum ändern. Denn laut Institut der deutschen Wirtschaft (2018) beträgt der Kostenvorteil von Eigentum gegenüber der Miete in Berlin 34 Prozent, im Bundesdurchschnitt sind es 33 Prozent.

Unabhängigkeit von der Mietpreisentwicklung

Ein Rechenbeispiel: Für eine 100 Quadratmeter große und bezugsfreie Wohnung in Berlin liegt der Kaufpreis bei 500.000 Euro. Ohne Berücksichtigung von Eigenkapital und Kaufpreisnebenkosten ergeben sich bei 1,0 Prozent Zinsen und zehnjähriger Zinsbindung monatliche Zinskosten von 417 Euro. Das ist der Wert, den Kaufinteressenten bei ihren Kalkulationen einer Nettokaltmiete gegenüberstellen sollten. Bei einer Tilgung von 2,0 Prozent steigt die monatliche Belastung zwar auf 1.250 Euro, doch Tilgung ist Vermögensbildung und Altersvorsorge. Hält man die durchschnittliche Berliner Angebotsmiete von zehn Euro je Quadratmeter im Monat (nettokalt) dagegen, ist Wohneigentum die wirtschaftlichere Variante. Zugleich nimmt es eine Menge Druck aus dem Rentensystem und verschafft dem Eigentümer Unabhängigkeit von der Mietpreisentwicklung.

Mehrheit identifiziert sich mit ihrem Kiez

Als Berliner überrascht es mich nicht, dass sich 83 Prozent der Hauptstädter mit ihrem Kiez identifizieren. 76 Prozent wollen in Berlin alt werden, das hat eine repräsentative Umfrage der Berliner Sparkasse ergeben. Trotzdem liegt die Mieterquote seit Jahren konstant bei etwa 85 Prozent. Auf Dauer kann der Wunsch nur in Erfüllung gehen, wenn mehr Berlinerinnen und Berliner aus ihm die richtigen Konsequenzen ziehen und sich Eigentum leisten wollen – und können. Das gilt entsprechend für auch für andere deutsche Metropolen.

Autor Marcus Buder ist Bereichsleiter gewerbliche Immobilienfinanzierung der Berliner Sparkasse.

Foto: Berliner Sparkasse

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