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Der richtige Umgang mit Blasenproblemen

Die Halver-Kolumne

Auf eines ist auch heute noch unbedingt Verlass: Die US-Notenbank Fed. Denn die Mutter aller Schlachten rettet die Welt regelmäßig mit ihrem scharfen Liquiditätsschwert vor dem deflationären Monster wie der weiße Ritter das Burgfräulein aus den Klauen des bösen Drachens.

Cash.-Kolumnist Robert Halver

Auch aktuell wirkt das Anti-Depressions-Serum, denn deutlich gesunkene Risikoprämien bei zum Beispiel Unternehmensanleihen und Aktien zeigen unzweifelhaft, dass das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückkommt. So mancher apokalyptische Reiter ist damit böse vom Pferd gefallen: Offensichtlich sind wir nicht gezwungen, zukünftig Baumrinde zu fressen.

So weit so gut! Allerdings stellt sich nach den verheerenden Erfahrungen der Immobilienblase [1] die Kardinalfrage für die Geldpolitik: Wann werden die extrem lockeren Zügel wieder angezogen? Wann wurde einerseits genug stimuliert, um einen nachhaltigen Aufschwung zu initiieren, ohne aber die nächste gewaltige Blase loszutreten. Wie lange muss andererseits das Füllhorn aufbleiben, um ein „Double Dip“, ein nochmaliges scharfes Abrutschen in die Rezession, zu verhindern.

Für mich ist klar, dass sich die Fed, abseits von anders lautenden Sonntagsreden, im Zweifel für die Konjunktur entscheiden wird und länger und mehr pumpt als unter normalen Bedingungen nötig wäre. Aber normale Bedingungen haben wir schon lange nicht mehr. Seit der endgültigen Abkopplung vom Goldstandard 1971 hat die Fed ihre Geldpolitik immer auch gerne als Instrument zur übertriebenen Konjunkturstimulierung eingesetzt und damit auch Fehlallokationen und Anlageblasen verursacht, die über die Globalisierung – wir danken unseren amerikanischen Freunden und Beschützern – auch der gesamten Welt aufgezwungen wurden. Platzten diese fundamental ungerechtfertigten Seifenblasen, mussten sie durch die nächste Liquiditätsoffensive geheilt werden, um einen Konjunkturschock zu verhindern.

Aus dem einmal begangenen Sündenfall hat sich insofern eine Kultur rollierender Blasen (beispielsweise Dotcom- oder Immo-Blase) etabliert, die insbesondere Sachkapital begünstigt. Auch im jetzigen Krisenszenario wird die Druckbetankung der Wirtschaft erst dann eingeschränkt, wenn sich der Arbeitsmarkt in den USA nachhaltig erholt hat. Da sind wir noch lange nicht! Denn Perspektivlosen kann man Stabilität genau so wenig schmackhaft machen wie Vegetariern saftige Steaks. Die Aufblähung von Vermögenswerten ist im Übrigen eine willkommene Therapie, um die Staatsverschuldung inflationär in den Griff zu bekommen.

Machen wir das Beste aus dieser Blasenkultur: Sie legt eine starke Sachkapitalorientierung, eben auch als Inflationsschutz, in der Vermögensaufteilung nahe. Hier sind neben der  selbst genutzten Immobilie auch verbrieftes Sachkapital in Form von Aktien der zyklischen Branchenführer und der dividendenstarken Unternehmen sowie der Schwellenländer und des Rohstoffsektors zu nennen. Bei Blasenproblemen muss sich der Anleger also nicht grämen und kleinmütig mit den Hühnern scharren. Mit der richtigen Therapie kann er auch mit den Adlern fliegen.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Weitere Kolumnen von Robert Halver:

Staatsverschuldung – Nie war sie so wertvoll wie heute! [2]

Foto: Baader Bank