Bantleon: Euro-Staatsanleihen zu Unrecht missachtet

Das Misstrauen der Investoren gegenüber staatlichen Schuldner aus der Eurozone ist nicht begründet. Davon ist auch Dr. Daniel Hartmann, Analyst der auf Anleihen spezialisierten Hannoveraner Fondsgesellschaft Bantleon, überzeugt: „Von einer generellen Staatsschuldenkrise in der Eurozone kann aus unserer Sicht keine Rede sein.“

Daniel Hartmann
Daniel Hartmann

Für Deutschland gilt nach Meinung Hartmanns sogar das Gegenteil: „Das größte Euroland dürfte bis zur Mitte des Jahrzehnts sogar deutliche Fortschritte bei der Sanierung des Staatshaushalts machen. Dass sich die Bonität Deutschlands dennoch auf indirektem Wege dramatisch verschlechtert – weil der Garantiefall für ein anderes Euroland eintritt –, ist ebenfalls unwahrscheinlich.“

Sofern die Peripherieländer ihre aktuellen Sanierungspläne einigermassen einhalten, sei dank der günstigen Zinskonditionen des Rettungsschirms bis 2016 ein Ende des stetigen Anstiegs der Schuldenstandsquote in diesen Ländern möglich.

Bundesanleihen können sicherer Hafen bleiben

Für einige Staaten komme dies zu wohl zu spät, so Hartmann: „Dessen ungeachtet ist nicht auszuschliessen, dass die beiden größten Problemfälle – Griechenland und Irland – am Ende doch das Handtuch werfen und von den Gläubigern einen Schuldenverzicht fordern. Aber selbst wenn dieser Haircut 50 Prozent beträgt, wäre der deutsche Staat davon lediglich in Höhe von ungefähr 80 Milliarden Euro betroffen, was knapp drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Ansonsten empfiehlt Hartmann einen Abbau des Staates: „Auch das mittelfristige Problem der wachsenden altersbedingten Staatsausgaben scheint nicht unlösbar. Wirksame Gegenmittel sind die sukzessive Erhöhung des durchschnittlichen Renteneintrittsalter und das Einfrieren der übrigen Staatsausgaben.“ Insgesamt sollten deutsche Bundesanleihen und die übrigen AAA-Euro-Anleihen daher ihren Nimbus als Witwen- und Waisenpapiere behalten können. (mr)

Foto: Bantleon

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