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Die Aktie: Das Ende einer Ära?

Die Halver-Kolumne

Zweites Jahrgedächtnis der Lehmann-Pleite. Das Armageddon der Finanzmärkte konnte verhindert werden. Allerdings ist von einer grundsätzlichen Rückkehr der Risikobereitschaft bei Anlegern noch wenig zu spüren …

Cash.-Kolumnist Robert Halver

… ähnlich wie vom Sommer in den letzten Wochen.

Im Gegenteil, eine gewisse Traumatisierung kann ich auf jeder Veranstaltung spüren. Bei vielen Anlegern hat die Aktie scheinbar nach Platzen zuerst der Tech-Bubble und dann der Immobilienblase [1] jeden Kredit verspielt. Die einfache Anlegerformel lautet jetzt: Unsicherheit = Aktie = out, Sicherheit = Staatsanleihen = in.

Selbst prominenteste Vertreter der Finanzzunft sprechen offen von der Renaissance des Anleihezeitalters mit der Sicherheit von festen Zinskupons und garantierter Rückzahlung des Kapitals. Dem gegenüber sei die Zeit des Aktienkults zu Ende, da auch die attraktiven Aktienthemen mit Überrenditen abgegrast seien. So sei aus dem früheren Zugpferd einer starken US-Wirtschaft mittlerweile ein lahmender Ackergaul geworden.

Zugegeben, allein durch die alte Brille unserer US-dominierten Weltanschauung betrachtet, lässt sich La vie en rose kaum erkennen. Aber nehmen wir die Scheuklappen doch einfach ab. Alternativ liefern nämlich die new kids on the block, China, Indien und Co., nachhaltige Konjunkturargumente für die Sachkapitalanlage Aktie.

Aufschwung Made in Emerging Markets

Exotische Unternehmensnamen mögen uns sicherlich noch lange nicht so locker von der Zunge gehen wie Caterpillar, Microsoft oder Coca-Cola. Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Im Übrigen warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Denn direkt in unserem eigenen Revier profitieren gerade deutsche Industrieaktien deutlich von Fernost. Zumindest die Dynamik unseres aktuellen Aufschwungs ist Made in Emerging Markets.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum ein Ende der Aktien-Ära noch längst nicht absehbar ist. [2]

Vergessen wir ebenso nicht die Sonderthemen. Die aktuelle Übernahmephantasie und hohe Dividendenrenditen, die mühelos die Anleiherenditen schlagen, sind sehr greifbare Themen, sozusagen das Salz in der Aktiensuppe. Mit fixen Schaumschläger-Ideen wie Immobilienkauf auf Pump haben sie nichts, aber auch gar nichts gemeinsam.

Ohnehin erschließen sich mir die Gründe für ein nahendes Zeitalter der sicheren Anleihen nicht wirklich. Denn mit erhöhten Schuldenrisiken und längerfristigem Inflationsdruck fällt es mir schwer, für Staatstitel mit abnormal niedrigen Renditen warme Gefühle zu entwickeln. In den 70er- und frühen 80er-Jahren dagegen, mit zweistelligen Renditen, hätte meine anlagestrategische Liebeserklärung mit Leidenschaft und Schmackes den Renten gegolten.

Mit den gebenden Händen von Finanzministern und Notenbankern dürfte sich die Angst vor Rezession und Aktie mittelfristig verflüchtigen und der Blick über den Tellerrand der Sicherheit wieder gewagt werden. Selbst wenn die Aktienauswahl zukünftig aufwendiger wird, ein Ende der Aktien-Ära ist nicht zu erwarten. Wie meint Udo Lindenberg so treffend: „Hinter dem Horizont gehts weiter“.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Weitere Kolumnen von Robert Halver:

Das Ende des klassischen Konjunkturzyklus [3]

Wann wird’s mal wieder richtig stabil? [4]

Blaue Pillen für die Inflation! [5]

Politische Börsen oder denn sie wissen nicht, was sie tun! [6]

Unser täglich Griechenland gib uns heute. Was kommt morgen? [7]

Verunsicherte Anleger: Angst ist ein schlechter Ratgeber! [8]

Sind Substanzaktien die stabileren Staatsanleihen? [9]

Probleme in Griechenland? Es geht um ganz Euroland! [10]

Exit-Strategie oder das Warten auf „Cashing Bull“ [11]

Der richtige Umgang mit Blasenproblemen [12]

Staatsverschuldung – Nie war sie so wertvoll wie heute! [13]

Foto: Baader Bank