Edda Schröder: „Mikrofinanz bleibt auf dem Vormarsch“

Mikrofinanzfonds florieren weltweit. Die Kleinstkredite sind auch in den Industriestaaten gefragt. Edda Schröder war mit ihrem Unternehmen Invest in Visions und dem von ihr initiierten Fonds Wallberg Global Mikrofinance von Beginn an dabei.

Edda Schröder, Invest in Visions
Edda Schröder, Invest in Visions

Cash.: Sind inzwischen Mikrofinanzfonds hierzulande zum öffentlichen Vertrieb zugelassen?

Schröder: Nein, nach wie vor kein einziger. Das liegt hauptsächlich an der in Deutschland geltenden Bedingung, dass die Fonds nur in diejenigen Mikrofinanzinstitute investieren dürfen, an denen eine Entwicklungsbank wie etwa die deutsche KfW beteiligt ist. Damit wäre das Anlageuniversum auf rund 100 Institute begrenzt und eindeutig zu klein. Außerdem handelt es sich zumeist um größere Mikrofinanzhäuser, die nicht unbedingt die bevorzugten Kandidaten des Fondsmanagements sind. Wir erhalten aber Signale aus der Politik, dass sich der gesetzliche Rahmen in absehbarer Zeit ändern soll. Das Interesse an den Produkten ist jedenfalls vorhanden. Sowohl Berater als Privatbanken suchen für ihre Kunden nach solchen Alternativen. Zum Teil bieten sie diese momentan auch als Private Placement an.

Cash.: Können Sie allein über die Auswahl der Institute das Kapital hinreichend streuen?

Schröder: Ja, wir haben zurzeit rund 35 Millionen Euro auf 43 Mikrofinanz-Gesellschaften in 21 Ländern verteilt. Der größte Kredit hat ein Volumen von 530.000 US-Dollar. Verbriefungen beispielsweise haben wir gar nicht im Portfolio. Zum einen haben sie noch ein Geschmäckle aus der Finanzkrise, zum anderen machen sie nur dann Sinn, wenn Kredite für mehrere Kleinstinstitute gebündelt werden müssen, die einzeln einen zu hohen Aufwand erfordern.

Cash.: Bleibt Mikrofinanz also weiter auf dem Vormarsch?

Schröder: Sicherlich, der Bedarf ist auch in den westlichen Industriestaaten sowie in den Vereinigten Staaten von Amerika gewaltig. Allein die KfW hat gerade einen Fonds über 300 Millionen Euro aufgelegt, um Existenzgründern hierzulande Mikrokredite anbieten zu können. Die EU plant, in den nächsten Jahren 45.000 Mikrokredite zu vergeben.

Seite 2: Wachablösung bei Banken

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