„Investoren müssen deutschen Aktienmarkt noch entdecken“

Cash.: Bis vor einigen Jahren galt der deutsche Aktienmarkt als nur bedingt lukrativ. Mittlerweile hat sich das Bild vollständig gedreht. Was macht ihn jetzt so überaus sexy für Investoren?

Heutzenröder: Die Gewinne vieler deutscher Aktiengesellschaften sind inzwischen annähernd wieder so hoch wie vor der Finanzkrise, allerdings hat der deutsche Aktienmarkt noch Kurspotenzial nach oben. Auch die Dividendenausschüttungen sind für die Krisenjahre 2007 und 2008 nur um 18 beziehungsweise zwölf Prozent zurückgegangen, was davon zeugt, dass deutsche Dax-Unternehmen relativ gut durch die schwere Krise gekommen sind. Die deutsche Wirtschaft, mit ihrer exzellent aufgestellten Exportwirtschaft, profitiert seit ca. einem Jahr überdurchschnittlich von der starken Nachfrage aus den Emerging Markets, insbesondere von China. Deutsche Exportunternehmen haben sich durch ihre rechtzeitigen Restrukturierungsbemühungen Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen europäischen Ländern sichern können – das kommt ihnen nun zugute. Also ‚sexy’ ist der deutsche Aktienmarkt allemal – aber das Interesse für ihn seitens der Investoren ist bisher noch nicht so recht zu erkennen. Ich denke jedoch, dass sich dies bald ändern wird. Die Kapitalmärkte haben fundamentale Daten nie lange ignoriert.

Cash.: Wie wichtig sind ausländische Investoren und welche Macht haben sie am hiesigen Markt?

Heutzenröder: Ausländische Investoren sind seit langem wichtig für den deutschen Aktienmarkt. Insbesondere bei Mid- und Small Caps machen sich die Einflüsse durch ihr Engagement bemerkbar. Inzwischen kann man beobachten, dass angloamerikanische Anleger wieder Interesse für deutsche Aktien, insbesondere für kleinere Werte, zeigen. Dies hat sich inzwischen auch in den Kursen der betroffenen Aktien widergespiegelt. Dennoch gibt es – trotz attraktiver Bewertungen, vor allem bei Large Caps, und einer sehr guten Auftrageslage deutscher Aktiengesellschaften – immer noch kein breites Interesse aus dem Ausland. Wenn sich dies ändert, hätte es durchaus positive Effekte für heimische Aktien.

Cash.: In welchen Sektoren sehen Sie derzeit die größten Ertragschancen?

Heutzenröder: Industriewerte bleiben weiterhin hoch interessant. Die Nachfrage nach deutschen Gütern aller Art ist weiterhin sehr hoch – besonders aus den sogenannten Bric-Staaten. Wenn die Konjunktur in den etablierten Märkten wieder anzieht, dürfte auch von Seiten der Industrieländer wieder ein Mehr an Nachfrage zu erwarten sein. Positiv für deutsche Aktien ist darüber hinaus aber auch ein aktuell zu beobachtender Anstieg des inländischen privaten Konsums, von dem lange Zeit keine positiven Impulse ausgingen. Hier scheint langsam das Vertrauen zu reifen, dass das Schlimmste aus der Krise überstanden ist. Auch scheint die Zuversicht zuzunehmen, dass die Arbeitsplätze nun wieder sicherer sind. Konsumwerte, die lange im Fonds untergewichtet waren, werden dementsprechend wieder zugekauft. Nur Autowerte waren schon länger im Fonds hoch vertreten und sind teilweise immer noch leicht übergewichtet; sie waren und sind allesamt Profiteure der sehr starken Nachfrage aus dem asiatischen Bereich.

Seite 5: Die Megatrends der kommenden Jahre

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