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Wie die Finanzkrise den deutschen Fondsmarkt umpflügt

Der deutsche Markt für Publikumsfonds hat die Finanzkrise weitgehend überwunden und seit Beginn des Krisenjahres 2008 rund drei Viertel seiner Volumeneinbußen wieder aufgeholt. Die Marktanteile haben sich allerdings deutlich verschoben, wie eine Studie zeigt.

Aus Untersuchungen des Analysehauses Kommalpha geht hervor, dass dem Markt noch rund 42 Milliarden Euro zu seinem Kapitalisierungsniveau von Ende 2007 fehlen. Davon resultieren rund sieben Milliarden Euro aus Nettomittelabflüssen. Weitere 35 Milliarden Euro sind die negativen Spuren der Markteinflüsse, so die Analyse.

Das in Aktienfonds gehaltene Vermögen hatte sich seit dem Jahr 2008 mit einem Rückgang von über 100 Milliarden Euro zwischenzeitlich nahezu halbiert. Zudem ist ein nicht unwesentlicher Teil des Vermögens offener Immobilienfonds illiquide und auch das Zinsniveau hat sich in dramatischer Weise ermäßigt. Trotz alledem haben sich nach diesen drei Jahren, zumindest auf den ersten Blick, per Saldo keine umwälzenden Änderungen in der übergeordneten Kapital-Allokation ergeben. Lediglich auf eine signifikante Entwicklung weist Kommalpha hin:

Mischfonds überholen Geldmarktfonds

Während Aktien- und Rentenfonds nach wie vor gut 50 Prozent des Publikumsfondsmarktes ausmachen und auch offene Immobilienfonds trotz aller Verwerfungen in diesem Sektor mit respektabel stabilem Volumen aufwarten können, haben Mischfonds und Geldmarktfonds die Plätze getauscht. Mischfonds konnten ihren Marktanteil auf knapp 17 Prozent verdoppeln, Geldmarktfonds mussten hingegen die Hälfte ihres Anteils abgeben und kommen jetzt auf nur noch sieben Prozent.

Der Markt der Publikumsfonds sei jedoch, so die Analysten, während der Finanzkrise von mehr Trends beeinflusst worden, als in den aggregierten Statistiken unmittelbar ersichtlich. Bei genauerer Betrachtung einzelner Fonds und Fondsgruppen zeige sich, dass die Krise teils deutliche Marktanteilsverschiebungen zwischen Gesellschaften und Fondsgruppen zurückgelassen habe.

So profitierten bei den Mittelzuflüssen vor allem global aufgestellte und in Regionen und Währungen diversifizierte Produkte, wie die Bereiche Corporate Bonds und Emerging Markets. Diese Entwicklungen spiegeln der Untersuchung zufolge nicht zuletzt die Suche institutioneller Investoren nach weiterer Diversifizierung ihrer Portfolios und zusätzlichen Renditemöglichkeiten wider. Vor allem die Zinsentwicklung habe die Mittel für diese Zuwächse freigesetzt: Aus Geldmarkt- und Rentenfonds, insbesondere aus Euro-Fonds, die am kurzen Ende investiert waren, flossen im Laufe der Finanzkrise respektive seit Beginn des letzten Zinssenkungszyklus rund 70 Milliarden Euro ab.

Seite 2: Verteilungsmasse nimmt ab, Wettbewerb nimmt zu [1]

Auch der Wettbewerb zwischen den Investment-Gesellschaften nahm der Studie zufolge durch die Finanzkrise nochmals kräftig an Fahrt auf: Saldiere man im Gesamtmarkt die Mittelzu- und -abflüsse durch die Investoren, so seien im Krisen-Zeitraum seit Anfang 2008 etwa sieben Milliarden Euro netto aus dem Markt der Publikumsfonds abgezogen worden. Dies entspricht laut Kommalpha rund einem Prozent des Gesamtvolumens.

Hinter dieser saldierten Größe stehe jedoch noch eine andere: Während den erfolgreichen Investment-Gesellschaften in diesem Zeitraum Mittel in Höhe von 92 Milliarden Euro zugeflossen seien, habe die andere Fraktion rund 99 Milliarden Euro durch Mittelabflüsse verloren. Damit seien in den letzten drei Jahren rund 15 Prozent dieses Marktes umverteilt worden.

Ganz anders habe es in den drei Jahren vor der Krise ausgesehen. In der Zeit von 2005 bis 2007 flossen den weniger erfolgreichen Marktteilnehmern der Studie nach nur rund 75 Milliarden Euro an Mitteln ab, während die erfolgreicheren gleichzeitig 167 Milliarden an Mittelzuflüssen unter sich aufteilen konnten. (hb)

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