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Zahltag: Verdienen mit Dividendenfonds

Mitnehmen, was zu kriegen ist – nach der spektakulären Kursrallye des vergangenen Jahres greifen Anleger wieder zu Fonds, die auf hohe Ausschüttungen setzen.

Text: Marc Radke

Defensive Aktien-Investments etwa in Versorger-Titel oder Unternehmen der Gesundheitsbranche konnten in 2009 kaum glänzen. Warum auch auf Sicherheit setzen? Es war ohnehin kaum ein Börsenparkett auf dem Globus zu finden, das sich nicht als goldener Boden herausstellte. Obwohl die Folgen der Wirtschaftskrise noch keineswegs überwunden sind, feierten insbesondere konjunkturabhängige Aktien beispielsweise aus dem Rohstoffsektor oder dem Bereich zyklischer Konsumgüter wie Fernseher ungeahnte Kurssprünge.

Aufstieg wird steiniger

Bis zu 140 Prozent Jahresrendite war in Schwellenländern wie Brasilien drin, eine Wertsteigerung um ein Viertel gaben weltweit gestreute Aktienanlagen her – im Durchschnitt. Der als solide geltende deutsche Aktienmarkt verwöhnte seine Fondsinvestoren sogar noch mit zwei Prozentpunkten mehr.

So geht es in diesem Jahr aber wohl nicht weiter. Die meisten Experten sehen den deutschen Leitindex Dax Ende 2010 nur bei circa 6.500 Punkten, verglichen mit dem Jahresanfang rund acht Prozent im Plus. Mit einer gegenüber dem Vorjahr gemäßigten Kurs-Performance werden die Auszahlungen eines Unternehmens an die Aktionäre wieder wichtiger.

Auch aus Sicht der DWS scheint die Zeit gigantischer Kursfeuerwerke erst einmal vorbei zu sein. Nach den enormen Erholungen an den Börsen in 2009 erwartet auch die Deutsche-Bank-Tochter lediglich moderate Kursanstiege und setzt stattdessen auf hohe Ausschüttungen. 2010 könne das Jahr der Dividenden werden, lässt die Frankfurter Fondsgesellschaft schon seit einigen Monaten verlauten.

„Von den beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Geldspritzen berauscht, haben die Aktienmärkte 2009 weltweit zugelegt. Gerade die Kurse von Unternehmen geringer Qualität und hoher Konjunkturanfälligkeit sind ihrem fairen Wert davongeeilt“, erklärt Klaus Kaldemorgen, Sprecher der DWS-Geschäftsführung, auf der Jahrespressekonferenz seines Unternehmes. Und 2010 sei nur mit einer schwachen zyklischen Erholung zu rechnen.

Zusammen mit dem anhaltend niedrigen Zinsniveau führt dies zu der Empfehlung, dass Anleger und Berater Anteile von Unternehmen favorisieren sollten, die eine hohe Dividende zahlen. „Während in der Aufwärtsphase des letzten Jahres vor allem zyklische Werte, Titel mit niedrigen Dividenden und geringer Gewinnqualität deutlich zulegen konnten, verschiebt sich der Fokus nun zunehmend in Richtung von Unternehmen mit attraktiven Dividendenrenditen und stabilen, guten Gewinnen“, erwarten ebenfalls die Analysten der Weberbank. Dieser Trend sei keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern werde sich im ganzen Jahr 2010 fortsetzen.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Dividenden-Aktien auch 2010 höhere Renditen abwerfen als Renten und welche Anbieter die Produktmaschinerie anwerfen. [1]

Zwar hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve jüngst den Diskontsatz erhöht, vom Anheben des Leitzinses will Fed-Chef Ben Bernanke allerdings vorerst nichts wissen, da ein selbsttragender Aufschwung ohne Staatshilfen noch nicht erreicht sei. Die viel beschworene Exit-Strategie, mit der die Liquidität an den Finanzmärkten wieder gesenkt und eine drohende Inflation begrenzt werden soll, ist somit bis auf Weiteres vertagt.

„Am Ende werden Aktien auch 2010 höhere Renditen abwerfen als Renten“, schlussfolgert Kaldemorgen. Als Beispiele nennt er die Branchen Energieversorger und Telekommunikation, in denen zurzeit die Dividendenrenditen im Schnitt deutlich über dem liegen, was Anleihen derselben Unternehmen abwerfen. Bei der Deutschen Telekom stehen rund acht Prozent Dividendenrendite nur 3,2 Prozent Anleihe-Zinsen gegenüber.

Der Leiter des weltweiten DWS-Aktienfondsmanagements erwartet deswegen trotz des volatilen Jahresauftakts an den Börsen den Dax zum Jahresende ebenfalls weiterhin bei 6.500 Punkten. Denn dafür reiche es bereits, wenn nur einige defensive Werte mit hoher Ausschüttung zulegen können, so Kaldemorgen.

Neue Produkte en masse

Damit die Kunden die günstige Zeit für Dividenden-Investments auch nutzen können, bringen gerade die großen Anbieter reichlich neue Offerten unters Volk. Die britische Gesellschaft M&G ging beispielsweise bereits vor Jahresfrist mit einem europäischen und einem internationalen Dividendenfonds an den Start.

Die DWS versucht es mit ihrem frischgebackenen Aktienfonds Dividende Direkt 2014, der auf eine Laufzeit von vier Jahren beschränkt ist. Fondsmanager Jens Labusch sieht Ausschüttungen besonders in leicht steigenden Märkten als eine wesentliche Ertragsquelle. „Auf lange Sicht machen Dividendenrendite und Dividendenwachstum mit über zwei Dritteln sogar den Großteil der Gesamtrendite einer Aktie aus, das schafft Sicherheit“, sekundiert Kris Hermie, Fondsmanager des Invest Global High Dividend bei ING Investment Management.

Seit der Jahrtausendwende hat die Dividenden-Benchmark Divdax um rund die Hälfte zugelegt, während der Dax, der die Entwicklung der 30 deutschen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung widerspiegelt, circa 30 Prozent im Minus liegt. Nichtsdestotrotz fanden Dividendenstrategien und Anleger in den letzten Jahren nicht zueinander. Kein Wunder bei den oftmals mäßigen Ergebnissen der Fondsangebote.

Selbst Spitzenprodukte wie der 3,3 Milliarden Euro schwere DWS Top Dividende, auf dessen Research Labusch bei seinen Anlageentscheidungen zurückgreift, sorgten zuletzt eher für Gähnen. Während aus den vergangenen fünf Jahren noch ein Plus von gut 22 Prozent resultierte, ging es seit Anfang 2007 rund 13 Prozent bergab.

Top-Dogs sind rar

Dass solch müde Ergebnisse für die Silbermedaille im Fondswettbewerb reichen, zeigt, wie unpopulär Dividendentitel an den Börsen zuletzt waren. Nur dem Dividende & Substanz vom Pullacher Vermögensverwalter DJE Kapital gelang es, besser als die DWS-Offerte abzuschneiden. Das aber immerhin mit rund doppelt so hoher Performance über fünf Jahre und nur halb so großen Verlusten über drei Jahre.

Lesen Sie auf Seite 3, was Anleger mit Dividendenfonds verdienen konnten und womit sie zukünftig rechnen können. [2]

Überhaupt sind die Rendite-Unterschiede zwischen den Angeboten ungewöhnlich groß. Der Dritte auf dem Podest, der LBBW Dividendenstrategie Euroland der Landesbank Baden-Württemberg, verteuerte sich über ein halbes Jahrzehnt lediglich um insgesamt 6,7 Prozent. Das LBBW-Portfolio gehört zu den wenigen Fonds-Methusalems mit zehnjähriger Historie. Über diesen Zeitraum gewannen die Anteile knapp 60 Prozent an Wert hinzu.

Was hat dem DJE-Fonds die herausragenden Ergebnisse beschert? Eines der Erfolgsgeheimnisse von Fondsmanager Jan Ehrhardt ist, die Titel in seinem Portfolio häufig über mehrere Jahre zu halten und so einen persönlichen Kontakt zu dem Management der Unternehmen aufbauen zu können.

„Insgesamt hat von 2003 bis 2010 in erster Linie unser Stockpicking für die Performance gesorgt. In der außergewöhnlichen Situation 2008 zahlte sich allerdings aus, dass wir unsere Aktienquote anpassen konnten“, erklärt Ehrhardt. Auf rund 50 Prozent hat der Sohn des Unternehmensgründers Dr. Jens Ehrhardt sein Equity-Exposure heruntergeschraubt, als die Börsenkurse damals abschmierten. Inzwischen ist er wieder mit rund 80 Prozent investiert. Für den behutsam anlegenden Ehrhardt bereits ein hoher Investitionsgrad. „Wir haben grundsätzlich eine nennenswerte Cash-Quote, um auf Investmentchancen reagieren zu können. Ein bisschen Pulver halten wir immer trocken.“

Auf seinen Top-Positionen findet sich beispielsweise auch Bilfinger Berger, an dem Ehrhardt trotz übler Schlagzeilen wegen des tödlichen Pfuschs beim Kölner U-Bahn-Bau festhält: Der Mannheimer Baukonzern bietet derzeit 61.000 Arbeitsplätze und arbeitet nach Ehrhardts Einschätzung konsequent an einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell. Dazu setzt Bilfinger Berger verstärkt auf Dienstleistungen rund um die Immobilie: Facility Management und andere Service-Angebote sollen für konstante Einnahmen sorgen und von zyklischen Schwankungen unabhängig machen – gute Argumente für konstant hohe Dividenden.

Obwohl die Dax-Konzerne derzeit mit zusammen rund 20 Milliarden Euro etwa dreizehn Prozent weniger an ihre Aktionäre überweisen, entwickeln sich die Ausschüttungen keineswegs in eine Richtung. Während es bei dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re nach einem überraschend hohen Milliardengewinn im Krisenjahr 2009 mehr als in den Vorjahren gibt, senkt etwa der Essener Stromproduzent RWE seine Dividende.

Auch der Bankensektor, in vielen Dividendenfonds prominent vertreten und durch seinen Absturz in den Finanzmarkt-Turbulenzen mitverantwortlich für deren durchwachsene Renditen, zeigt ein heterogenes Bild. Einerseits erhöht die französische BNP Paribas nach einem verdoppelten Gewinn im Vorjahr die Auszahlungen um die Hälfte, andererseits knausert die Deutsche Bank. Vorstandschef Josef Ackermann gönnt seinen Aktionären wie im Vorjahr nur magere Dividenden.

Auf klassische Dividendenzahler wie den Chemiekonzern Bayer oder den Kommunikationsriesen Deutsche Telekom ist dagegen Verlass: Die beiden Großkonzerne zahlen großzügig, trotz zum Teil herben Gewinnrückgangs. So soll eine Flucht der Aktionäre in wachstumstarke Titel verhindert werden. „Erstmals in der Geschichte hat die Deutsche Telekom ihre Ausschüttungspolitik bereits bis 2012 festgelegt. Dahinter verbirgt sich eine Dividendengarantie von mindestens 70 Cent pro Aktie“, heißt es von Analysten des Bankhauses Vontobel.

Durch dieses Versprechen entfällt eine wesentliche Gefahr für Dividendenfondsmanager: Sinken Gewinn und Aktienkurs eines Unternehmens und fällt infolgedessen die Dividende flach, müssen sie Titel verkaufen, bevor sich deren Kurs wieder erholen kann.

Blick nach vorn

Im Durchschnitt sollen die Dividenden im Laufe des Jahres wieder um zehn Prozent steigen – vorausgesetzt die Unternehmensgewinne können weiterhin zulegen. Davon ist zumindest ING-Experte Hermie überzeugt: „Aktienorientierte Anleger sollten derzeit vor allem auf dividendenstarke Titel setzen.“ Denn nach einer Phase der Dividendenkürzungen sollten 2010 Ertragszuwächse die Dividendenentwick-lung stützen, sagt Hermie. „Ein gutes Beispiel hierfür ist der US-amerikanische Chiphersteller Intel, der jüngst seine vierteljährliche Dividende im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent steigern konnte.“ Für 2010 erwartet Hermie eine Rendite von 15 bis 20 Prozent an den Aktienmärkten: „Auf die Dividenden wird ein zunehmend größerer Anteil an den absoluten Erträgen entfallen.“

Lesen Sie auf Seite 4, warum mit dem Ende der weltweiten Stützungsmaßnahmen Dividenden-Investments prosperieren werden. [3]

Dazu ist es aber notwendig, dass die vielfältigen Hilfsmaßnahmen wieder zurückgefahren werden. „Noch sind die Märkte künstlich stimuliert und gerade Unternehmenstitel mit geringer Qualität konnten dadurch prosperieren“, analysiert Schroders-Fondsmanagerin Sonja Schemmann. „Dividenden sind aber ein Indikator für die Qualität eines Unternehmens und sein Wachstumspotenzial.“ Mit Auslaufen der Stützungen seien das wieder die wesentlichen Auswahlkriterien.

Die Fondsmanagerin des Schroder Global Equity Yield interpretiert Dividenden nicht nur als Zeichen für eine solide Unternehmensleitung sowie für künftige Gewinne. „Außerdem fördern Dividenden den verantwortungsvollen Umgang mit Kapital, was höhere Gewinnspannen und weniger volatile Erträge nach sich zieht.“

Auch Union Investment will die mögliche Hausse bei Dividendentiteln nicht ungenutzt lassen und bringt ebenfalls ein Angebot an den Start, das in den nächsten Jahren für Rendite sorgen soll: Mit dem neuen Uni Garant: Dividendenstars 2016 können Anleger wie beim DWS-Newcomer zeitlich begrenzt auf dividendenstarke Unternehmen im Euro-Raum setzen. Die Fondstochter der Volks- und Raiffeisenbanken garantiert zum Ende der Laufzeit die Rückzahlung des ersten Anteilswerts ohne Ausgabeaufschlag und Depotkosten sowie abzüglich Ausschüttungen und Steuerabzügen.

Fondsmanager Tobias Windmeier ist trotz der teilweise bescheidenen Resultate wie seine Kollegen von Dividenden-Titeln überzeugt: „Hohe und stetige Dividendenzahlungen – also regelmäßige Gewinnausschüttungen an die Anleger – können sich im Allgemeinen nur profitabel arbeitende und gut positionierte Unternehmen leisten. Sie haben zumeist ein mittel- und langfristig orientiertes, profitables Geschäftsmodell, gehören häufig in ihrer Branche zu den führenden Unternehmen und sind im Allgemeinen besser geführt als ihre Wettbewerber.“ Das habe sich in der Vergangenheit häufig auch an der Börse mit langfristig stärker steigenden Aktienbewertungen gezeigt.

Die Laufzeit endet im März 2016. Anleger und Vermittler aufgepasst: Bei vorzeitigen Verkäufen gilt die Garantie nicht und Union erhebt eine Dispositionsgebühr von zwei Prozent. Die Verwaltung der Dividendenstars kostet Investoren jährlich ein Prozent.

Reine Dividenden handeln

Neben den klassischen Dividendenfonds gibt es auch neuartige Ansätze. Die französische Société Générale will Dividenden selbst als Anlageklasse für Privatanleger etablieren. Bislang stand dieser Weg lediglich Profiinvestoren zur Verfügung. Anstatt in Aktien ausschüttungsstarker Unternehmen zu investieren, sollen Kunden über Dividenden-Futures direkt auf Ausschüttungen spekulieren – unabhängig von der Entwicklung des zu Grunde liegenden Basiswertes. So lassen sich Dividenden zumindest theoretisch wie eine eigene Assetklasse behandeln und zur Diversifizierung einsetzen.

„Die Produkte sind für Anleger geeignet, die sich eine Meinung zu der Dividendenentwicklung bei bestimmten Einzelwerten gebildet haben und davon ausgehen, dass an Europas Börsen wieder mehr ausgeschüttet wird“, sagt Sebastian Bleser, Zertifikateexperte bei Société Générale. Die erste Offerte dieser Art für private Kunden haben die Franzosen bereits im vergangenen Jahr an den Start gebracht, damals auf den DJ Euro Stoxx 50. Inzwischen werden Dividenden-Futures auf alle Einzelwerte des europäischen Leitindexes wie zum Beispiel Allianz oder Deutsche Bank angeboten. Gehandelt wird über die Terminbörse Eurex, für Liquidität will Société Générale sorgen. (mr)

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