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Amundi: “Für Wachstumsfantasien zahlen wir nicht”

Rund 30 Milliarden Euro verwaltet der Amundi International Sicav und gehört damit zu den größten Portfolios überhaupt. Der Produktmanager Jan Vormoor erklärt im Cash.-Interview, wie der Fonds investiert und warum er bei Anlegern so beliebt ist.

Cash.: Was zeichnet den Amundi International Sicav gegenüber anderen Fondsangeboten aus?

Vormoor: Dieser Fonds ist in unserer Angebotspalette schon allein deswegen etwas Besonderes, weil wir ihn extern managen lassen. Fondsberater ist die US-amerikanische First Eagle Investment Management, vormals Arnhold and S. Bleichroeder Advisers, ein Vermögensverwalter mit Hauptsitz in New York. Dessen Wurzeln reichen bis zur Gründung von S. Bleichroeder im Jahre 1803 in Berlin und Gebr. Arnhold 1864 in Dresden zurück.

Cash.: Die Fondsstrategie ist schon einige Jahrzehnte im Einsatz?

Vormoor: Ja, die Geburtsstunde der Global Value Strategie war 1979. Fondsmanager Jean-Marie Eveillard, der Vater der Strategie, setzte diese zuerst im Soc Gen International Fund, einem US-registrierten Publikumsfonds, um. Dieser ist inzwischen in First Eagle Global Fund umbenannt worden. 1996 folgte die Auflage des Soc Gen International Sicav, der Luxemburger Ucits-Variante des First Eagle Global. Und beide Fonds waren langfristig erfolgreich. Im Jahr 2003 ist Eveillard für seine Leistungen mit dem Lifetime Achievement Award von Morningstar für „einen der größten Langzeiterfolge in der Investmentbranche“ ausgezeichnet worden. Ende 2008 haben dann Matt McLennan und Abhay Deshpande das Management des Portfolios übernommen. Seit März 2009 ist Eveillard der Senior Advisor des Global Value Teams.

Cash.: Welche Performance haben die Fonds denn vorzuweisen?

Vormoor: Seit Auflage hat der Fonds eine jährliche Performance von 11,54 Prozent erzielt. Der Weltaktienindex kommt im selben Zeitraum lediglich auf ein Plus von 5,35 Prozent per annum. Außerdem schwanken die Ergebnisse des Amundi International Sicav weniger. Die Volatilität beträgt 10,63 Prozent, die gleiche Kennziffer liegt beim MSCI World mit 15,88 Prozent deutlich höher. Der Fonds hat Perioden der Underperformance, wenn starke Bullenphasen lange anhalten und Blasen an den Kapitalmärkten entstehen. Seine Stärke zeigt sich umso mehr dann, wenn Kapitalblasen platzen und es zu ausgeprägten Bärenmärkten kommt. Bewegen sich Märkte seitwärts oder leicht positiv, entsprechen die Renditen des Portfolios ungefähr dem Gesamtmarkt.

Seite 2: Wie sieht die Investmentstrategie konkret aus? [1]

Cash.: Diese Charakteristik hat auch dafür gesorgt, dass der Fonds jahrelang für neue Anleger geschlossen war?

Vormoor: Ja, wir mussten den Fonds 2004 schließen. Der Grund waren damals massive Mittelzuflüsse. Die Performance gerade in Baisse-Phasen an den Börsen wie nach der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende oder der globalen Finanzkrise zeigt, wie solide die Fondsstrategie ausgelegt ist, und überzeugt die Anleger. Die Masse der Zuflüsse stammt übrigens von privaten Kunden. Unser Ansatz ist grundsätzlich, Übertreibungen, die durch Spekulation geschaffen werden, zu meiden. Wir wollen in erster Linie weniger verlieren, um dann mehr zu gewinnen. Erst im Jahr 2008 haben wir wieder begonnen, Anteile des Amundi International Sicav auszugeben.

Cash.: Wie sieht die Investmentstrategie denn konkret aus, der diese Performance-Zahlen zu verdanken sind?

Vormoor: Das Anlageuniversum kennt keine Restriktionen bei der Länderauswahl oder der Marktkapitalisierung der Zielunternehmen. Um nachhaltig positive Erträge erwirtschaften zu können, auch angesichts des großen zu verwaltenden Vermögens, investieren wir in ein breites Anlageuniversum. Dazu gehören globale Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen sowie Gold. Den Besitz des Edelmetalls sehen wir als mögliche Absicherung gegen extreme Marktereignisse an. Mit unserem Value-Ansatz wollen wir dauerhafte Wertminderungen des Kapitals verhindern. Hochpreisige Länder und Sektoren meiden wir. Die Umschlagshäufigkeit des Portfolios liegt bei weniger als einem Fünftel.

Cash.: Unterbewertete Gesellschaften suchen viele. Wo werden Sie fündig?

Vormoor: Wir wollen die ganze Bandbreite an Value-Strategien, so auch die unterschiedlichen Ansätze der berühmten Investoren Benjamin Graham und Warren Buffett, abdecken. Günstige Kaufgelegenheiten finden sich beispielsweise bei Unternehmen aus unbeliebten oder in Not geratenen Branchen. Auch Gesellschaften, die vorübergehend bei ihren Anlegern in Ungnade gefallen sind, schauen wir uns an. Zu niedrige Bewertungen können sich auch ergeben, wenn die Länder, in denen eigentlich gut aufgestellte Unternehmen agieren oder beheimatet sind, wirtschaftlich nachgeben. Nicht zuletzt lassen sich auch immer noch von Investoren übersehene Gesellschaften identifizieren.

Cash.: Wie läuft die Auswahl der Investments im Einzelnen ab?

Vormoor: Als Erstes analysieren wir das Geschäftsmodell, in dem wir Geschäftsberichte und andere Unternehmensunterlagen auswerten. Entscheidend ist der tatsächliche wirtschaftliche Ertrag. Es werden ausschließlich belegte und nachvollziehbare Ergebnisse berücksichtigt. Für Wachstumsfantasien zahlen wir nicht. Wir bewerten Bilanzen und Cashflows, um den sogenannten inneren Wert einer Unternehmung zu bestimmen. Investiert wird dann in diejenigen, die an der Börse günstiger als der von uns ermittelte innere Wert gehandelt werden. Dies ist der Preis, den ein sachkundiger Käufer für das gesamte Unternehmen zu zahlen bereit wäre. Üblicherweise suchen wir nach Aktien von Gesellschaften, die demgegenüber wenigstens einen 30-prozentigen Abschlag aufweisen. Von dieser Schwelle weichen wir nur ausnahmsweise in einem begrenzten Maß ab, wenn es sich beispielsweise um Marktführer oder Firmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen handelt.

Cash.: Der Kern Ihres Investmentansatzes ist also eine Sicherheitsmarge, die bei jedem Investment gegeben sein soll?

Vormoor: Richtig, dieser Puffer soll das Fondsvermögen vor Unsicherheiten schützen. Unser Investmentansatz ist dadurch, dass wir hohe Bewertungen, hohe Fremdkapitalanteile, unverständliche Bilanzen, unsichere Geschäftsmodelle sowie aggressives Management prinzipiell meiden, antizyklisch ausgerichtet.

Seite 3: Was kommt außer Aktien ins Portfolio? [2]

Cash.: Haben Sie Beispiele für das antizyklische Vorgehen des Fondsmanagements?

Vormoor: Wir waren zum Beispiel vor dem Ausbruch der Asienkrise 1988 überhaupt nicht in japanischen Firmen investiert. Der Anteil des Inselstaats am Weltaktienindex betrug damals dagegen mehr als 44 Prozent. Gleiches vor der Dotcom-Spekulationsblase im Jahr 1999. Wir waren mit weniger als fünf Prozent an Informationstechnologieanbietern und Internetfirmen beteiligt, die auf ihrem Höhepunkt knapp ein Drittel des MSCI World ausgemacht haben. Und beim Ausbruch der Finanzkrise waren lediglich 1,7 Prozent des Portfolios Branchentitel wie Banken und Versicherungen. Deren Anteil am Weltaktienindex zu dieser Zeit war mehr als ein Viertel. Der Fondsgründer Jean-Marie Eveillard drückt es folgendermaßen aus: „Ich ziehe es vor, die Hälfte meiner Kunden zu verlieren, als die Gelder meiner Kunden zu halbieren.“

Cash.: Abgesehen von Aktien kann das Fondsvermögen auch in andere Wertpapiere investiert werden?

Vormoor: Ja, unser Anlageuniversum besteht nicht nur aus Aktien. Die übrigen Assetklassen werden aber defensiv und in begrenztem Umfang beigemischt, um das Portfolio zu diversifizieren, nicht um einen zusätzlichen Renditebeitrag zu leisten. Gold erwerben wir beispielsweise in Form von ETFs, also börsengehandelten Indexfonds, oder als Aktie von Minengesellschaften. Die Idee ist, so einen Schutz gegen extreme Marktgeschehnisse aufzubauen, weil es sich bei Gold um einen potenziellen Wertspeicher handelt. Unternehmensanleihen beziehungsweise Wandelanleihen sind für uns interessant, weil diese Papiere es in bestimmten Situationen ermöglichen können, mit weniger Risiko zu aktienähnlichen Erträgen zu kommen. Liquide Mittel, aber auch Staatsanleihen halten wir nur in Marktsituationen, in denen Kaufgelegenheiten dünn gestreut sind. Ansonsten betreiben wir noch eine Währungsabsicherung durch Termingeschäfte, um das Portfolio zu sichern.

Interview: Marc Radke