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Fidelity-Studie: Regulierung stärkt Transparenz

Anlegern mangelt es an verständlichen Informationen und Kostentransparenz. Dies belegt eine aktuelle Studie der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment, Kronberg im Taunus, unter rund 12.000 Privatanlegern. Neue Regeln sollen helfen.

Christian Wrede, Fidelity Worldwide Investment

Die zweite repräsentative Studie zur Qualität der Finanzberatung, die TNS Sofres im Auftrag der Fondsgesellschaft durchgeführt hat, macht nach Einschätzung von Fidelity erste Erfolge des Beratungsprotokolls und des sogenannten Beipackzettels deutlich, die 2010 und 2011 eingeführt wurden. Zugleich bestätigen die Ergebnisse Kernpunkte der geplanten Novelle des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagengesetzes, über das der Deutsche Bundestag am 27. Oktober 2011 in finaler Lesung beraten wird, so die Analyse.

Finanzwissen mit Licht und Schatten

Einerseits zeichnen sich seit der ersten Fidelity/TNS-Studie vom Frühjahr 2010 Fortschritte im Finanzverständnis der Anleger ab: Die Anzahl derer, die sich über unverständliche Fachausdrücke und das Kleingedruckte in Produktinformationen beschweren, ist von 50 Prozent auf 35 Prozent gesunken. Andererseits fühlen sich 53 Prozent der Befragten nicht immer in der Lage, auf Grundlage schriftlicher Produktinformationen ihres Finanzberaters fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.

Weiter heißt es: Dieser Befund ist beunruhigend, bleiben doch das Fact Sheet bzw. die Produktbroschüre (69 Prozent) und der Emissionsprospekt (39 Prozent) die mit Abstand wichtigsten Informationsmaterialien, die deutschen Anleger von ihrem Finanzberater an die Hand bekommen. Am meisten macht den Anlegern dabei die mangelnde Standardisierung der Produktinformationen zu schaffen: 29 Prozent der Befragten klagen über Schwierigkeiten beim Produktvergleich aufgrund zu unterschiedlicher Darstellungsformen.

Dort haben die deutschen Anleger sogar stärker zu kämpfen als der Durchschnitt ihrer europäischen Nachbarn (26 Prozent). Trotz einiger Verbesserungen gegenüber der Studie vom Frühjahr 2010 bleibt finanztechnischer Fachjargon für immerhin 20 Prozent der Befragten die größte Hürde. Dabei zeigt sich auch, dass es keinesfalls um ein reines Mehr an Information geht. Im Gegenteil: 14 Prozent der Anleger klagen sogar über eine nicht zu überblickende Flut und nur acht Prozent über zu wenig Information. Weitere 14 Prozent der Befragten verzweifeln an der Komplexität der Produkte an sich.

Dr. Christian Wrede, Vorsitzender der Geschäftsführung von Fidelity Worldwide Investment in Deutschland, erklärt: “Die verstärkten Bemühungen der Finanzbranche um mehr Klarheit in der Anlageberatung tragen offenbar erste Früchte. Trotzdem liegt bis zu unserem Ziel einer verständlichen und transparenten Finanzberatung noch ein gutes Stück Weg vor uns. Beides zeigen die Ergebnisse der aktuellen Anlegerbefragung sehr deutlich. Das novellierte Vermögensanlagegesetz ist vor diesem Hintergrund ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Das Zusammenspiel aus Beipackzettel, Beratungsprotokoll für Anleger sowie dem von Finanzberatern zu erbringenden Sachkundenachweis hat das Potenzial, Anleger stärker als bislang zu fundierten Entscheidungen zu befähigen.”

“Wichtig ist jedoch, bei der Umsetzung solcher Initiativen für mehr Anlegerschutz und bessere Anlegerinformationen Augenmaß zu wahren. Erweiterte Dokumentationspflichten für Finanzberater dürfen nicht zu Lasten der persönlichen Beratungsleistung gehen. Ein wesentlicher Grund für das seit 2008 stetig sinkende Vertrauen der deutschen Anleger in ihren Finanzberater ist schließlich der Umstand, dass sich die Berater zu wenig Zeit nehmen, um auf individuelle Kundenwünsche einzugehen”, so Wrede.

Seite 2: Mehr Aufklärung gewünscht [1].

Demnach bleibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, auch wenn sich die deutschen Anleger laut Studie generell durchaus selbstbewusst zeigen: Zum Beispiel sind 69 Prozent der Befragten der Meinung die Risiken, die mit dem Kauf eines durch ihren Finanzberater empfohlenen Anlageprodukts verbunden sind, in der Regel zu überblicken. Und immerhin 66 Prozent ist der eigenen Aussage zufolge klar, wie ihre Finanzanlage Gewinne für sie erwirtschaftet.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Konkret gefragt nach dem zuletzt erworbenen Finanzprodukt offenbaren die deutschen Anleger erhebliche Unsicherheiten. Hier geben gerade einmal 26 Prozent der Befragten an, eine konkrete Vorstellung von der zu erwartenden Rendite zu haben. Nur 27 Prozent können mit Sicherheit sagen, worin das erworbene Finanzprodukt überhaupt investiert, und gerade einmal ein gutes Viertel der Anleger (28 Prozent) trauen sich zu, die Risikoklasse des Produkts richtig einschätzen zu können.

Größere Gebührentransparenz gefordert

Weitere wesentliche Ergebnisse: Kunden wünschen sich auch mehr Transparenz über die Vergütung ihres Finanzvermittlers. 72 Prozent der Befragten würden gerne mehr Informationen zu den Gebühren erhalten, die bei der Geldanlage anfallen – 41 Prozent haben dabei sogar erheblichen Informationsbedarf. Und satte 31 Prozent sind der Meinung, eine bessere Beratungsleistung für ihre Gebühren erwarten zu dürfen.

Wrede: “Das Gesetz zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts eröffnet die Chance, den Ruf des Finanzsektors wieder zu verbessern. Der künftig erforderlichen Offenlegung der Beraterprovision kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Sie greift den Wunsch vieler Anleger nach Transparenz über die Interessen ihres Finanzberaters auf. Ähnliches sieht der von der Europäische Kommission gerade vorlegte MiFID [2] II-Entwurf für Anlageprodukte in ganz Europa vor.”

Die vorgesehene Überarbeitung der EU-Finanzmarktrichtlinie (Markets in Financial Instruments Directive – MiFID) führt in Wredes Augen zu transparenteren Finanzmärkten und erhöht den Anlegerschutz in Europa: “Insgesamt müssen wir uns jedoch darüber klar sein, dass solche Vorschriften nur Bausteine auf dem Weg zu einer qualifizierteren unabhängigen Finanzberatung sein können, die Anlegern eine eigenverantwortliche Anlageentscheidung ermöglicht und ihren Forderungen nach mehr Einfachheit, Transparenz und Verständlichkeit entspricht. Die Finanzbranche muss auch selbst um das Vertrauen der Anleger werben. Wir werden uns daher auch in Zukunft für diese Aspekte stark machen.” (mr)

Foto: Fidelity Worldwide Investment