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Fondsporträt: Top Performer mit schnörkellosem Ansatz

Sage und schreibe 62,6 Prozent Wertzuwachs hat der CS Equity Global Value Fund von Credit Suisse Asset Management in den vergangenen drei Jahre erzielt. Das Spitzenprodukt in der Kategorie Aktien International wird nach einem sehr gradlinigen Ansatz gemanagt.

Gregor Trachsel

Text: Frank Milewski

Auch über die vergangenen zwölf Monate lässt der seit April 2008 von Gregor Trachsel und Sven Sommer gemanagte Fonds mit einer Performance von 37,6 Prozent die Konkurrenz weit hinter sich. Zum Vergleich: Der zweitplatzierte Fonds aus dem Hause Allianz Global Investors schafft es in diesem Zeitraum auf lediglich 24,5 Prozent (siehe Tabelle unten).

Grund genug, einmal auf die Besonderheiten des Fonds zu schauen. „Wir verfolgen einen puristischen Deep-Value-Ansatz, bei dem wir Firmen suchen, die unserer Ansicht nach an der Börse substanziell unter ihrem fairen Wert gehandelt werden. Dies ist normalerweise der Fall, wenn der Markt problembehaftete Firmen übermäßig abstraft“, erläutert Fondsmanager Trachsel den Grundgedanken des Fonds.

Zu den Problemfällen zählt er unter anderem Vernachlässigung, meistens hervorgerufen durch enttäuschendes Wachstum und Angst, dass gewisse Firmen oder ganze Branchen keine Zukunft haben könnten sowie Informationsmangel, der meist aufgrund der Präsenz eines Mehrheitsaktionärs hervorgerufen wird.

„Wir analysieren Firmen und Industrien ausschließlich durch die Brille eines langfristig orientierten Unternehmers und versuchen uns, ein möglichst unabhängiges Bild der ökonomischen Substanz einer Firma zu machen“, sagt CS-Fondsmanager Trachsel. Dabei blendet er bewusst kurzfristige Faktoren wie die generelle Marktverfassung oder makroökonomische Variablen aus.

Im Umkehrschluss bedeutet das: der Anlagehorizont für einzelne Beteiligungen ist entsprechend lang und erstreckt sich im Schnitt auf fünf bis zehn Jahre. „Da wir uns ausschließlich auf Bewertungsdiskrepanzen fokussieren, ist ausgeschlossen, dass wir bestimmte Investment-Themen spielen“, so Trachsel. Darüber hinaus versucht der Fonds auch nicht, auf makroökonomische Wechselkursentwicklungen zu setzen oder eine Timing oder Momentum getriebene Anlageselektion vorzunehmen.

Seit Anfang 2009 hat der 380 Millionen Euro schwere Fonds seine Benchmark, den MSCI World, stetig übertroffen. Die Sektoren Industrie und Zyklische Konsumgüter sind mit 22,7 beziehungsweise 20 Prozent hoch gewichtet.

Seite 2: Finanz- und Wirtschaftskrise gut überstanden [1]

Die zurückliegende globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat den CS Equity Value Global Fund nur wenig beeindruckt. „Wir waren nicht gezwungen Titel zu veräußern“, freut sich Georg Trachsel und ergänzt: „Geholfen hat dabei sicherlich, dass wir keine von der Hypothekenkrise direkt betroffenen Wertpapiere wie Banken, Versicherungen oder andere Finanzdienstleister im Portfolio hatten.“

Stattdessen hat Trachsel sogar verstärkt zugekauft. Dadurch ist die Zahl der Titel im Portfolio seit 2008 von cirka 70 auf über 90 gestiegen.

Hinsichtlich der Positionierungen im Portfolio nennt Trachsel vier Teilbereiche, die im Fokus stehen. Er setzt zum einen auf Unternehmen in Branchen, deren Margen vorübergehend durch steigende Einsatzkosten unter Druck geraten, jedoch durch strenge Kostenkontrollen die früheren Margen wieder schnell erreicht werden.

Als Beispiele nennt er die Chemische und die Nahrungsmittelindustrie. Zum anderen hat er Firmen im Blick, die besonders unter konjunkturbedingten Abschwüngen zu leiden haben und trotz gesunder Bilanzen beträchtlich unter ihrem Wert gehandelt werden. Dazu zählt Trachsel Unternehmen der Schwerindustrie sowie kommerzielle und technische Dienstleister.

Darüber hinaus interessieren ihn Firmen aus den Bereichen traditonelle Medien oder Versorger, die mit strukturellen Problemen konfrontiert sind, wodurch ein grundlegender Wandel bei bei Strategie und Umsetzung notwendig ist. Last but not least hat der CS-Fondsmanager ein Auge auf die Kurse ausgewählter Gesellschaften aus der Forst- und Immobilienwirtschaft geworfen, die im Zuge der Immobilienkrise in Sippenhaft genommen worden seien.

Die Vorteile als inflationssichere Vermögenswerte überwiegen nach Meinung Trachsels die genannten kurzfristigen Besorgnisse deutlich.

Seite 3: Welche Sektoren für Trachsel tabu sind [2]

Darüber hinaus weiß Trachsel sehr genau, was Anleger des Fonds nicht erwarten dürfen. „Wir meiden Sektoren, die für uns schwer zu beurteilen sind. Dort mögen sich etliche Chancen ergeben, aber gleichzeitig ist die Gefahr größer, in Wertfallen zu geraten“, so Trachsel. Deshalb vermeidet er Investitionen in den Bereichen Hochtechnologie, Pharma, Finanz und Einzelhandel.

Im Energie- und Bergbausektor ist Trachsel nur noch in geringem Maße engagiert, da die Bewertungen aus seiner Sicht zu teuer geworden sind.

Ein Blick auf die Verfolger offenbart, das zumindest der RCM Global Intellectual Capital aus dem Hause Allianz Global Investors mit einer Performance von 59,1 Prozent auf Tuchfühlung zum Klassenprimus ist. Der von Steven J. Berexa gemanagte Fonds wartet mit einem besonderen Ansatz auf.

Der Fonds engagiert sich am globalen Aktienmarkt überwiegend in Unternehmen, die nach Einschätzung des Fondsmanagements von Investitionen in ihr Wissenskapital profitieren sollten. Hierzu können insbesondere Unternehmen zählen, die mindestens ein Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung investieren. Anlageziel ist es, auf langfristige Sicht Kapitalwachstum zu erwirtschaften.

Hinweis: Der Fonds ist im Zuge einer Neupositionierung im Mai 2010 aus dem Allianz RCM Internet Fund hervorgegangen. Mit 60 Prozent ist das Portfolio schwerpunktmäßig in den USA gewichtet. Die größten Sektoren im Fonds sind Pharma und Biotech, Investitionsgüter und Software.

Foto: Credit Suisse