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Schwellenländer: Inflation wird zur Bedrohung

Die Wachstumsdynamik in den Schwellenländern hat im ersten Quartal etwas nachgelassen. Das Thema Inflation rückt indes weiter in den Vordergrund und könnte zu einem dauerhaften Problem werden. Zu diesem Ergebnis kommen Datenauswertungen von HSBC Trinkaus.

Der Emerging Markets Index (EMI), den HSBC gemeinsam mit dem Datenlieferant Markit erstellt, gab binnen Quartalsfrist um 0,7 Zähler auf 55,0 Punkte nach, notiert damit aber weiterhin auf dem Niveau des Langzeit-Durchschnittswerts von 54,9.

Der Frühindikator für die Konjunkturentwicklung der Schwellenländer zeigt, dass das Wachstum in den ersten drei Monaten 2011 zwar leicht an Dynamik eingebüßt hat, die aufstrebenden Volkswirtschaften insgesamt jedoch nach wie vor kräftig expandierten.

Indessen hat sich der Preisauftrieb in den Emerging Markets in den ersten drei Monaten dieses Jahres weiter beschleunigt und stellt den HSBC-Analysten zufolge die größte Bedrohung für weiteres Wachstum im Jahr 2011 dar.

Verantwortlich für die höchste Inflationsrate seit nahezu drei Jahren seien die explodierenden Rohstoffpreise infolge von Infrastrukturinvestitionen, die Verteuerung von Nahrungsmitteln aufgrund des Nachfrageüberhangs und die globalen Auswirkungen der lockeren Geldpolitik der USA.

Der Anstieg der Einkaufspreise beschleunigte sich nochmals und fiel insgesamt so stark aus wie zuletzt im zweiten Quartal 2008. Mit Ausnahme Chinas, wo die Kosten bereits im Vorquartal rasant zugelegt hatten, legte die Inflation in allen Bric-Ländern zu.

Seite 2: “Entmutigende Konstellation” aus hoher Inflation und rückläufigem Wachstum [1]

Indien meldete einen Rekordanstieg, in Brasilien und Russland erreichten die jeweiligen Kostenindizes die höchsten Werte seit neun beziehungsweise elf Quartalen. Die Verkaufspreise wurden in den Emerging Markets im ersten Quartal 2011 insgesamt so stark angehoben wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.

Stephen King, Chief Economist von HSBC, glaubt, dass ein entscheidender Punkt erreicht ist und fürchtet, dass sich die Inflation in den Schwellenländern dauerhaft festsetzen könnte. Die jüngste Kombination aus anziehender Preissteigerung und rückläufigem Wachstum in den Schwellenländern bezeichnet er als “eher entmutigende Konstellation”.

Wenngleich die Geschäftsaussichten in den Emerging Markets laut EMI binnen Jahresfrist insgesamt positiv bleiben, ist die Zuversicht war historischen Vergleich verhalten. So notieren beispielsweise die Teilindizes der Schwergewichte Brasilien und China gut acht Punkte unter den jeweiligen Durchschnittswerten und setzten damit den Trend des Vorquartals fort. (hb)

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