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VuV-Chef: “Unabhängige Fondsboutiquen bevorzugt”

Cash. sprach mit Günter T. Schlösser, jüngst als Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) in seinem Amt bestätigt, über neue Fondskonzepte und die Herausforderungen der Branche.

Günter Schlösser, VuV

Cash.: Anfang des Jahres hat der VuV eine allgemeingültige Definition für vermögensverwaltende Fonds angemahnt und angekündigt, mit unterschiedlichen Interessengruppen sprechen zu wollen. Wie weit ist der Prozess fortgeschritten?

Schlösser: Wir erörtern derzeit gemeinsam mit Vermögensverwaltern, Vertriebsgesellschaften und Ratingagenturen eine mögliche Klassifizierung der vermögensverwaltend gemanagten Fonds. Für Ende Mai hat der VuV eine interne Arbeitssitzung einberufen, die auf ein hohes Interesse der Mitglieder gestoßen ist. Bis zur Gruppierung und bestenfalls einem Gütesiegel wird es noch ein langer Weg sein, bei dem viel Überzeugungsarbeit in der Branche geleistet werden muss. Wir spüren allerdings ein hohes Interesse und Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten.

Cash.: Inwieweit kann der VuV als Interessenvertretung der Vermögensverwalter eine solche Definition vorgeben?

Schlösser: Der VuV möchte vor allem eine Diskussion über geeignete Kriterien anstoßen. Dazu haben wir einen ersten Vorschlag zur Definition dieser Fondsklasse gemacht, den wir jetzt aktiv und gemeinsam mit anderen Parteien erörtern – übrigens auch mit Medienvertretern. Wir möchten in erster Linie eine allgemeinverbindliche Definition für die Anleger schaffen, um ihnen eine Orientierungshilfe zu geben. Denn schon jetzt sieht man, dass der Begriff „vermögensverwaltend“ von vielen Produktanbietern inflationär genutzt wird – möglicherweise auch aus Marketinggründen. Der Begriff „vermögensverwaltend“ ist sehr nahe an dem des Vermögensverwalters. Wir erleben immer wieder, dass das die Anleger irritiert. Auch eine Großbank kann einen vermögensverwaltenden Fonds anbieten ohne ein klassischer Vermögensverwalter zu sein. Als Interessenvertretung der unabhängigen Vermögensverwalter liegt uns viel daran, hier Klarheit zu schaffen.

Cash.: Sie kritisieren zu Recht, dass die Fonds von Vermögensverwaltern bei nahezu allen Ratingagenturen in der Rubrik Mischfonds geführt werden. Wäre es für den VuV eine gangbare Lösung, selbst eine Vergleichsplattform für VV-Fonds zu etablieren? Schließlich ist ein Vergleich mit anderen Fondsklassen, deren Asset Allocation oft deutlich stärker limitiert ist, ohnehin wenig hilfreich.

Schlösser: Der VuV wird keine eigene Plattform für vermögensverwaltend gemanagte Fonds aufbauen. Allenfalls kann der VuV ein solches Vorhaben inhaltlich unterstützen. Eine solche Plattform gibt es übrigens schon. Der VuV steht mit diesem Anbieter bereits in fachlichem Austausch. Ein Ziel des VuV ist die Einführung eines Gütesiegels in Zusammenarbeit mit einem externen und unabhängigen Anbieter, beispielsweise einer Ratingagentur. Nochmals: es geht uns darum, dass der Anleger weiß, dass vermögensverwaltende Fonds sich als Basisinvestment eignen und spezielle Risikokriterien dauerhaft erfüllen müssen. Wenn wir dazu allgemeinverbindliche Kriterien haben, erleichtert das die Auswahl für den Anleger.

Cash.: Transparenz war und ist bei Kapitalanlagen ein großes Thema. Wie lässt sich diese bei VV-Fonds erhöhen oder zunächst überhaupt erreichen?

Schlösser: Vergleichbarkeit und Transparenz lassen sich nur durch die Bewertung von unabhängigen Ratingagenturen herstellen. Letztlich bedarf es dafür harter Kriterien. Es reicht dabei nicht, nur die Performance zu messen. Diese muss immer auch in Relation zum Risiko und damit zur Volatilität gesetzt werden.

Cash.: Im vergangenen Spätsommer gab es einen regen Meinungsaustausch im Rahmen eines Roundtable-Gesprächs im Köln-Turm zum obengenannten Thema. Wie ist die Meinung Ihrer Mitgliedsunternehmen zu diesem Sachverhalt?

Schlösser: Wir haben sehr viel positive Resonanz von unseren Mitgliedern erhalten, dass der Verband sich der Diskussion über vermögensverwaltend gemanagte Fonds stellt. Denn der Fondsbereich entwickelt sich für die unabhängigen Vermögensverwalter zu einem immer größeren Geschäftsfeld. Sie treten verstärkt in den Wettbewerb mit großen Produktanbietern, die zunehmend unter Druck geraten. Die Anleger schätzen diese Vielfalt an Asset Managern. Vor allem schätzen sie, dass kleine unabhängige Fondsboutiquen ihre Fonds managen.

Seite 2: Welche Rolle die Internet-Präsenz spielt und warum vermögensverwaltende Fonds zu den Gewinnern der Finanzkrise gehören. [1]

Cash.: Noch immer sind Produkte von Vermögensverwaltern häufig nur punktuell in den Medien präsent. Mit welchen Maßnahmen kann beziehungsweise will der VuV dies ändern?

Schlösser: Um die Produkte, also vor allem die Fonds der Vermögensverwalter zu unterstützen, hat der VuV seit Beginn des Jahres eine eigene Seite auf den unabhängigen Internetplattformen Onvista und Fondsweb aufgebaut. Wir glauben, so die Fonds der unabhängigen Vermögensverwalter stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Auch personell stellt sich der VuV stärker auf: Zum Sommer haben wir einen zweiten Geschäftsführer eingestellt. Er wird sich vornehmlich um das Thema Marketing und Veranstaltungen kümmern. Denn die unabhängigen Vermögensverwalter brauchen eine breitere Öffentlichkeit. Das heißt allerdings auch, dass wir in der Region stärker präsent sein müssen. Wir müssen raus zu den Anlegern und mit ihnen ins Gespräch kommen. Insgesamt ist die Zahl der ordentlichen Mitglieder im VuV begrenzt: es gibt deutschlandweit rund 500 Gesellschaften mit einer Zulassung zur Finanzportfolioverwaltung. Nur rund 300 von ihnen sind nach unseren Schätzungen wirklich bankenunabhängig und erfüllen damit ein VuV-Aufnahmekriterium. Dem VuV angeschlossen sind jetzt circa 210 Unternehmen. Aufgrund dieser natürlichen Wachstumsgrenze des VuV können wir aus eigener Kraft keine kostenintensiven Kampagnen fahren. Allerdings werden wir künftig stärker Kooperationen eingehen, sofern sie im Interesse unserer Mitglieder und mit unserer Unabhängigkeit vereinbar sind.

Cash.: Die Finanz- und Wirtschaftskrise scheint überwunden. Viele Experten haben den vermögensverwaltenden Produkten im Nachgang deutlich mehr Zulauf seitens der Anleger prophezeit. Ist diese Entwicklung bereits nachhaltig spürbar beziehungsweise erwarten Sie eine solche?

Schlösser: Die Dienstleistungen rücken, nicht nur medial, immer stärker in den Fokus der Anleger. Wenn man die Assets under Control betrachtet, für die der VuV steht, erkennt man einen eindeutigen Trend nach oben. 2008 lag die Summe bei rund 40 Milliarden Euro, heute bei 60 Milliarden. Natürlich ist der Anstieg nicht allein den vermögensverwaltenden Produkten zuzuordnen. Aber eine Tendenz ist schon heute erkennbar – und wird sich künftig verstärken.

Cash.: Worin sehen Sie die besondere Stärke vermögensverwaltender Fonds?

Schlösser: Diese Fondsklasse stellt aus unserer Sicht ein Basisinvestment dar, um das der Anleger seine anderen Assetklassen herum strukturieren kann. Sofern der Fonds von einem unabhängigen Vermögensverwalter gemanagt wird, profitiert der Anleger von dessen Expertise. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Denn wer kann sich heute in Großbanken noch eine unabhängige, klare und eindeutige Meinung zu den Märkten erlauben?

Cash.: Anderes Thema: Sie sind jüngst als Vorstandsvorsitzender des VuV wiedergewählt worden. Wo sehen Sie in den kommenden Jahren primär Handlungsbedarf für den VuV?

Schlösser: Ein wichtiges Ziel ist, die Dienstleistungen der unabhängigen Vermögensverwalter noch stärker in das Bewusstsein der Anleger zu bringen. In unserer Branche gibt es einige große Vermögensverwalter, aber eben auch viele kleinere Einheiten mit wenig Mitarbeitern. Im Ergebnis leisten sie alle eine solide Arbeit. Viele sind jedoch noch zu klein, um rentabel einen eigenen Vertrieb auf- und auszubauen. Hier muss der Verband künftig durch Veranstaltungen und Kooperationen Türen öffnen und Zugang zu Netzwerken ermöglichen. Eine große Herausforderung sehen wir darin, dem hohen nationalen und europäischen Regulierungseifer der Politik zu begegnen. Wir müssen hier die Interessen unserer Mitglieder wahren. Wir erleben derzeit, dass viele Regulierungsmaßnahmen, beispielsweise für die Banken, ohne Modifikationen und ohne Berücksichtigung der Größenordnung auf die kleineren Einheiten der Vermögensverwalter übergestülpt werden. Ein weiteres Thema ist das gesellschaftliche Engagement des Verbandes. Um beispielsweise Themen wie die Finanzausbildung für Anleger voranzubringen, planen wir wiederum Kooperationen. Wir können und wir wollen hier aufgrund unserer starken regionalen Aufstellung einen hohen Mehrwert liefern.

Cash.: Sie haben unlängst angekündigt, auch Family Offices in den Kreis der VuV-Unternehmen mit aufzunehmen. Was rechtfertigt einen solchen Schritt?

Schlösser: Das klassische Family Office hat ein ähnliches Geschäftsmodell wie der unabhängige Vermögensverwalter. Beide Bereiche liegen damit sowohl fachlich als auch von der Interessenwahrung her sehr nah beieinander. Dies rechtfertigt es, auch Family Offices als außerordentliche Mitglieder in den VuV aufzunehmen.

Interview: Frank Milewski

Foto: Guido Schiefer