12. September 2012, 09:13
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Euro-Aktienfonds: „Möglichst ohne Konkurrenz“

Joëlle Morlet-Selmer und Diane Bruno managen gemeinsam den Euroland-Aktienfonds Mandarine Unique der französischen Fondsgesellschaft Mandarine Gestion. Ihre Strategie lautet, einzigartige Unternehmen zu finden.

Aktienfonds

Joelle Morlet-Selmer und Diane Bruno, Mandarine Gestion

Interview: Marc Radke

Sie investieren in erster Linie in kleine und mittlere Unternehmen. Wie entwickeln sich Aktien dieses Typs?

Morlet-Selmer: Ja, unser Fonds Mandarine Unique investiert hauptsächlich in europäische Small und Mid Caps, also Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 0,3 bis fünf Milliarden Euro. Das Portfolio kann aber auch Large Caps mit maximal 15 Prozent sowie Micro Caps mit maximal zehn Prozent Portfolioanteil aufnehmen. Europäische Small und Mid Caps haben in den letzten fünf Jahren wie der gesamte Aktienmarkt gelitten – der Börsenindex Stoxx Small 200 beispielsweise ist um 23 Prozent eingebrochen. Im Vergleich haben Titel mit geringer und mittlerer Börsenkapitalisierung allerdings weniger an Wert verloren als solche aus dem Large-Cap-Universum. Der Stoxx Large 200 hat im gleichen Zeitraum 28 Prozent eingebüßt. Nach einer sehr schwierigen zweiten Jahreshälfte 2011 hat der Stoxx Small 200 in 2012 dank der zyklischen Erholung bis Mitte Juli 11,5 Prozent zugelegt, der Stoxx Large 200 lediglich 9,5 Prozent.

Lässt sich dieser Vorteil auch auf längere Sicht erkennen?

Bruno: Ja, Small und Mid Caps weisen gegenüber Large Caps bei gleicher Volatilität langfristig gesehen eine bessere Performance aus. In neun der letzten zwölf Jahre haben die Indizes für Unternehmen mit niedriger und mittlerer Marktkapitalisierung die Benchmarks der großen Werte outperformt. Nur vereinzelt verhalten sich Nebenwerte zyklischer als Standardwerte. Zudem bieten sie vielfältige und häufig unterschätzte Anlagechancen. Ein weiterer Vorteil: Dadurch, dass die entsprechenden Unternehmen häufig in weniger regulierten Branchen agieren, ist ihr politisches Risiko marginal. Außerdem sind Unternehmen des Nebenwerte-Segments häufig führender Anbieter in Nischenmärkten. Ein möglicher Nachteil zeigt sich beim Blick auf die Bewertung: Nebenwerte sind teurer als Blue Chips. Da sie allerdings einen höheren Gewinn je Aktie und mehr Wachstum versprechen, ist ein höherer Preis durchaus gerechtfertigt. Small und Mid Caps sind zudem weniger liquide als Large Caps. Es ist jedoch Aufgabe des Fondsmanagements, die Liquidität des Portfolios zu kontrollieren. So kann das Fondsvermögen des Mandarine Unique zum Beispiel innerhalb von drei Tagen zu 80 Prozent aufgelöst werden.

Sie suchen einzigartige Unternehmen. Wie definieren Sie diese?

Morlet-Selmer: Nach unserer Philosophie müssen einzigartige Unternehmen eines der folgenden vier Kriterien vorweisen: Entweder handelt es sich um ein einzigartiges Geschäftsmodell ohne vergleichbare börsennotierte Konkurrenz in Europa oder das Unternehmen ist Marktführer und verfügt über einen Weltmarktanteil von mehr als einem Viertel. Ebenso interessant sind für uns Gesellschaften, die ein besonderes Geschäftsmodell in einem bestimmten Sektor anbieten. Außerdem legen wir unser Augenmerk auf Unternehmen mit einem technologischen Vorsprung, der einen neuen Markt schaffen beziehungsweise einen bestehenden Markt verändern kann. Die ausgewählten Unternehmen verfügen somit über eine starke Preisgestaltungsmacht, die sie weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen macht. Mit dieser Investmentphilosophie ist es uns gelungen, seit Auflage des Fonds im März 2010 den Stoxx Small 200 um 25,39 Prozent zu übertreffen. Die Einzigartigkeit von Unternehmen bedeutet für uns nicht nur die Möglichkeit, Renditepotenziale zu heben, sondern auch die Volatilität des Fonds gering zu halten. Auf ein Jahr gesehen, beträgt diese beim Mandarine Unique 21,87 Prozent, die des Vergleichsindexes Stoxx Small 200 liegt bei 25,81 Prozent.

Wie filtern Sie den Aktienmarkt?

Morlet-Selmer: Das Universum für Small und Mid Caps umfasst mehr als 2.000 Aktien. Daraus haben wir als Stockpicker mithilfe eines qualitativen Screenings etwa 300 Aktien als Anlageuniversum des Mandarine Unique identifiziert. Für das Portfolio wählen wir aus unterschiedlichsten Branchen einzigartige Geschäftsmodelle mit Wachstumspotenzial aus und überprüfen unser Engagement anschließend auf Sektoren, Länder und Liquidität. Durch eine breite Streuung kann die Volatilität des Fonds auf niedrigem Niveau gehalten werden. Um die Fundamentaldaten der Unternehmen zu prüfen, analysieren wir zunächst Wettbewerbsposition, Managementqualität und Wertschöpfung. Eine zentrale Rolle spielt auch der Kontakt zur Managementebene – vor und während des Investments. Im Vorfeld einer Investition möchten wir stets drei Vertreter des Managements kennenlernen: Der CEO liefert uns Informationen zur langfristigen Strategie des Unternehmens. Vom Finanzvorstand erhalten wir wesentliche Aussagen zum Momentum und zu den Margen. Der Leiter Investor Relations ist Ansprechpartner für alle weiteren, das Unternehmen betreffende Fragen.

Und welche sind Ihre Favoriten?

Bruno: Wir suchen nach Growth-Titeln – Unternehmen, die nachhaltig und gewinnbringend Wachstum generieren können. Dafür treffen wir regelmäßig drei bis vier Unternehmen pro Woche, um deren langfristige Geschäftstreiber und das kurzfristige Momentum beurteilen zu können. Wichtiges Kriterium für eine Investition ist zum einen eine überzeugende und stimmige Langfrist-Strategie, die ein nachhaltiges Wachstum ermöglicht. Zum anderen muss der Vorstand in der Lage sein, gut mit dem Kapitalmarkt zu kommunizieren. Wir mögen vor allem Unternehmen, die eine solide Bilanz vorweisen können und innovativ sind. Gerade im aktuellen Umfeld, in dem das Ausmaß weltweiten Wachstums schwer abzuschätzen ist, sind steigende Marktanteile ein guter Weg, sich die Spitzenposition zu sichern. Am ehesten können Unternehmen dies über Innovationen erreichen.

Welche Aktien konnten in diesem Jahr besonders glänzen?

Bruno: Für die Fondsperformance seit Jahresbeginn waren insbesondere vier Unternehmen verantwortlich: IT-Sicherheitsanbieter Gemalto hat 66 Prozent zugelegt. Das Unternehmen profitiert von der Umsetzung der 4G- und NFC-Technologie im Mobilfunksektor sowie der Umstellung auf EMV-Kartenzahlungsverkehr in den Vereinigten Staaten. Dies wird 2013 und 2014 zusätzliche Umsätze generieren. Dem Auftragsbuch des deutschen, auf die Automobilfertigung spezialisierten Anlagenbauers Dürr kam ein günstiges Momentum zugute. Dank einer guten Absatz- und Margenentwicklung verzeichnete das Unternehmen ein Plus von 60 Prozent. Weitere Treiber für die Fondsperformance waren die Aktien des französischen Kreditkartenanbieters Ingenico und des durch den japanischen Anbieter Dentsu übernommenen Unternehmens Aegis. Dank steigender Marktanteile in den USA und einem Service-Angebot, das gute Margen und erhöhte laufende Erträge verspricht, konnte Ingenico einen Zuwachs von 56 Prozent verzeichnen. Die Aegis-Gruppe hatte zuletzt 43 Prozent an Wert zugelegt.

Seite 2: Die zukünftigen Gewinner auf dem europäischen Börsenparkett

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