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Geldmarktfonds: Sicherheit vor Rendite

Investoren favorisieren laut Swisscanto aufgrund der Kriterien Kapitalerhalt und Flexibilität Geldmarktfonds als bevorzugte Anlagemöglichkeiten da sie zwar weniger Rendite erwirtschaften, dafür aber durch ihre Sicherheit punkten.

Thomas Liebi, Swisscanto

„Geldmarktfonds erfüllen den Wunsch nach Sicherheit und täglicher Verfügbarkeit. Sie sind quasi in punkto kurzfristiger Kapitalerhalt das Nonplusultra. Anleger akzeptieren im Gegenzug die nicht so hohen Erträge, die sich infolge des lang anhaltenden tiefen Zinsniveaus auf einem geringen Niveau eingependelt haben”, so Thomas Liebi, Chefökonom von Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Schweizer Kantonalbanken.

Bei einem weiterhin tiefen Zinsniveau sind die Erträge von Geldmarktanlagen so gering, dass sie real, also nach Abzug der Inflation, sogar leicht negativ sein können. Dies gilt zurzeit für Papiere von erstklassigen Schuldnern. Um auch in der gegenwärtigen Situation mit Geldmarktpapieren mehr Rendite zu erzielen, sind deshalb verschiedene Anbieter von Geldmarktfonds höhere Risiken eingegangen.

Geldmarktfonds: Weniger Rendite, weniger Risiken

Dies kann grundsätzlich auf zwei Arten geschehen: Zum Beispiel durch Anlagen in Papiere mit längeren Laufzeiten. Dadurch wird die durchschnittliche Laufzeit des ganzen Portfolios erhöht. So sind zwar mehr Erträge möglich, gleichzeitig steigt aber das Zinsrisiko nach dem Grundsatz: Je länger die Laufzeit eines Papiers, desto größer der Verlust im Fall einer allgemeinen Zinserhöhung. Die zweite Möglichkeit der Renditesteigerung ist die Auswahl von Titeln tieferer Qualität. Schuldner mit einem tieferen Rating müssen naturgemäß höhere Zinsen zahlen. Im Gegenzug steigt dafür das Risiko von Ausfällen. Möglich ist auch die Kombination dieser Vorgehensweisen, um eine Mehrrendite zu erzielen.

„Was bei Anleihenfonds angebracht ist, da auf diesem Markt mehr Volatilität herrscht und damit die Chancen auf Kursgewinne höher sind, gilt nach Einschätzung von Swisscanto nicht für einen Geldmarktfonds. Gerade in schwierigen Marktphasen, etwa während der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 oder in der andauernden Staatsschuldenkrise zeigen die Erfahrungen, dass sich solche Risiken nicht lohnen. So erlitten einzelne Geldmarktfonds sogar unübliche Verluste, die auf eine riskantere Strategie zurückzuführen waren, und konterkarierten so den Sinn der Hauptaufgabe Kapitalerhalt”, so Liebi.

Der generelle Anlegerwunsch nach Flexibilität bezieht sich auch zusehends auf einzelne Fondsprodukte. Immer mehr Investoren greifen daher auf Mischfonds zurück, die innerhalb ihrer Strategie verschiedene Assetklassen nutzen und die Gewichtungen flexibel verschieben können. Bei der Fondswahl entscheiden Investoren in der Regel nach ihrer persönlichen Risikoneigung, bis zu wie viel Prozent eine Aktienquote oder die Beimischung anderer Anlagekategorien gemäß den Fondsstatuten erlaubt ist.

„Ein Grund ist ausschlaggebend für den wachsenden Bedarf nach flexiblen Anlagestrategien von Fonds: es handelt sich um das Bedürfnis des Anlegers nach einem möglichst wenig volatilen Investment. Die Schwankungsbreiten bei Themen- beziehungsweise Spezialfonds sind konstruktionsbedingt höher als bei Mischfonds. Und viele Anleger kommen mit ‘schwebenden Verlusten’ nicht besonders gut klar. Sie entscheiden sich daher bewusst für Fondsvarianten mit geringerer Volatilität, selbst wenn die langfristige Renditeerwartung unter der von volatileren Fonds liegt”, sagt Liebi. (fm)